Vor 800 Jahren starb Franz von Assisi. Bis heute gilt er als einer der einflussreichsten Heiligen der Kirchengeschichte, als radikaler Erneuerer, Friedensstifter und Patron der Schöpfung. Seine Botschaft von Einfachheit, Mitgefühl und einem Leben in Verbundenheit mit Mensch, Natur und Gott fasziniert bis heute – auch junge Menschen in Bayern.
Franziskus’ bescheidene Lebensweise als Vorbild
150 Kilometer ist sie unterwegs: Smilla Kordik aus Augsburg. Für sie ist es mehr als nur eine Wanderung. Sie ist auf den Spuren des Heiligen Franziskus und pilgert nach Assisi. Für die Studentin ist Franz von Assisi ein Vorbild in seiner bescheidenen Lebensweise und im Glauben: „Ein Mensch, der die Fähigkeit hatte, Gott zu sehen, Gott zu spüren, und der es dann geschafft hat, genau das auch in Worte und in Taten umzusetzen.“
Franz von Assisi lebt um das Jahr 1200. Er soll Kaufmann werden, wie sein Vater, ein wohlhabender Tuchhändler. Der junge Francesco ist ein Lebemann, feiert gerne, ist großzügig. Nach der Begegnung mit einem Aussätzigen wird für ihn alles anders. Er will leben wie Jesus. In der Konsequenz gibt er allen Besitz auf und wird Wanderprediger. In Assisi einerseits als „verrückt“ verschrien, spricht Francescos Radikalität genau deswegen andere an, er findet immer mehr Anhänger.
Wie Franziskus: Engagement in der Obdachlosenhilfe
Smilla Kordik studiert in Benediktbeuern Religionspädagogik und Soziale Arbeit. In ihrem Studium bezieht sich die angehende Religionslehrerin immer wieder auf ihr Vorbild Franz von Assisi und dessen berühmtestes Gebet: „Der heilige Franziskus hat mit seinem Sonnengesang das vermitteln wollen: Dass ich in allem, was um mich rum ist, Geschwister sehe und dass ich da Gott darin sehe in der Natur – Bruder Sonne, Schwester Mond bis zu Schwester Tod.“
Auch für Florian Meidinger ist Franziskus ein Vorbild. Der 24-jährige Student arbeitet ehrenamtlich bei der Obdachlosenhilfe St. Bonifaz in München. Hier werden Obdachlose mit Kleidung, Essen und Medikamenten versorgt. Allen gleich helfen, ohne Vorurteile, wie Franziskus, das will auch Florian. Obdachlose sind seiner Meinung nach nicht nur wegen ihrer Armut ausgegrenzt, sondern auch sozial isoliert. „Ganz viele Menschen gehen einfach vorbei und schauen weg, weil sie den Anblick nicht aushalten. Auf sie zugehen, das ist es, was durch Franz von Assisi für mich wichtig geworden ist.“
Posts über den Heiligen auf Instagram
Wie wichtig Florian Meidinger Franz von Assisi ist, zeigt er in den sozialen Medien. In seinem Blog und auf Instagram postet er über den Heiligen. Franziskus’ Brüderlichkeit und seine Fähigkeit zum Brückenbauen – das ist es, was ihn an dem katholischen Heiligen fasziniert. Florian ruft aber auch im Sinne von Franziskus zur Einfachheit auf, in einer Zeit, in der Konsum ein großes Thema ist.
Der Theologie-Student aus München ist Anfang des Jahres in den franziskanischen Laienorden, den so genannten Dritten Orden, eingetreten. Dort ist das Leben von Einfachheit, sozialem Engagement und Spiritualität bestimmt, aber nicht von Keuschheit und Gehorsam wie bei einem Mönch, erklärt Florian: „Ich will eine Familie gründen, das wurde mir über die Zeit klar. Und das ist eben im Drittorden möglich – mittendrin zu leben, aber mich trotzdem den franziskanischen Werten verpflichtet wissend.“
Die Augsburger Studentin Smilla Kordik hat es geschafft: Zum 800. Todestag von Franziskus ist sie wieder nach Assisi gepilgert – heuer schon zum dritten Mal. An den Originalschauplätzen wird für sie seine Spiritualität besonders spürbar: „Franziskus ist für mich einfach ein guter Wegbegleiter, der immer mal wieder so ein bisschen liebevoll sagt: ‚Guck mal da genauer hin, dann fällt es dir leichter im Leben'“.

