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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Haft für Künstler: Russen üben massive Kritik an Putins Justiz
Kultur

Haft für Künstler: Russen üben massive Kritik an Putins Justiz

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 9. Juli 2024 13:51
Von Uta Schröder
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8 min. Lesezeit
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„Wenn wir uns nicht scheuen, die Dinge beim Namen zu nennen, ist es in der Tat ein grausames Urteil. Von großen Philosophen wissen wir jedoch, dass Grausamkeit nur weitere Grausamkeiten hervorbringt und letztlich all diejenigen bestraft, die sie zugelassen haben“, so die russische Journalistin und Menschenrechts-Aktivistin Eva Merkatschowa, nachdem ein Moskauer Militärgericht die Regisseurin Jewgenija Berkowitsch und die Dramatikerin Swetlana Petritschuk wegen „Förderung des Terrorismus“ zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt hatte. Laut staatlicher Nachrichtenagentur TASS könnten die Verurteilten im kommenden Jahr auf Bewährung freikommen, wohingegen Rechtsexperten frühestens 2027 mit einer möglichen Haftverschonung rechneten.

Inhaltsübersicht
„Entsetzlicher Horror und Albtraum“„Andersdenkende aus dem Weg geräumt“„Urteil gegen die gesamte Gesellschaft“„Steigerung des Terrors“„Gerichte sind wie Schwimmteiche“„Unheilbare moralische Deformation“„Nur noch schwarze Tasten“

„Entsetzlicher Horror und Albtraum“

Bittere Ironie dabei: Die Justiz störte sich am Stück „Finist – Heller Falke“, ursprünglich Titel eines bekannten russischen Märchenfilms aus dem Jahr 1975, in dem ein gutmütiger Bauer durch Zauberei zu einem Monster wird. Das jetzt beanstandete Drama, in dem die Thematik Gehirnwäsche zeitgemäß bearbeitet wird, bekam 2022 den renommiertesten russischen Theaterpreis „Goldene Maske“. Es geht um Islamisten, die im Netz Frauen die Ehe versprechen und sie für den Kampf in Syrien rekrutieren und fanatisieren.

Selbst normalerweise kremlfreundliche Medien zeigten sich hellauf empört über das Strafurteil gegen Berkowitsch und Petritschuk. „Das ist ein entsetzlicher Horror und ein schrecklicher Albtraum, um es auf den Punkt zu bringen“, so das News-Portal Regnum (81.000 Fans) [externer Link]: „Bestraft wurde ein Kunstwerk, wie auch immer man dazu steht, also Worte. Und das für eine Produktion, die auf einem Theaterstück basiert, in dem der Terrorismus klar als solcher bezeichnet und keineswegs gerechtfertigt wurde, wenn man lesen kann. Irgendwie ist das alles unwürdig, um ehrlich zu sein.“

„Andersdenkende aus dem Weg geräumt“

Wladimir Dergaschew, Chefredakteur des News-Kanals „Russland kurzgefasst“ (556.000 Abonnenten) sprach von einem „absurden Prozess“, der weitere Zensurmaßnahmen mit sich bringen werde: „Je wahlloser und umfassender die Repressionsmaschine rotiert, desto größer ist die Chance, dass diejenigen, die sie gestern noch unterstützt haben, selbst zu ihrem Opfer werden.“

Politologe Michail Winogradow schrieb: „Selbst die extremsten Kulturschaffenden scheuen sich, das Urteil gegen Berkowitsch und Petritschuk öffentlich zu billigen. Es scheint, dass die Welt in zwei Hälften zerbrochen ist: ‚Entweder sind sie für uns oder gegen uns‘. Wieder wurden Andersdenkende aus dem Weg geräumt.“ Andere bemerkten, Künstler seien in Russland inzwischen „nicht nur überflüssig, sondern schlicht gefährlich“. Wer sich nicht anpassen wolle, müsse ins Ausland gehen oder den Beruf wechseln: „Werden Sie zum Schamanen, auf kreative und zeitgemäße Art und Weise.“ Eine Anspielung auf den Namen des bekanntesten propagandistischen Schlager-Künstlers „Shaman“ (Jaroslaw Dronow).

„Urteil gegen die gesamte Gesellschaft“

Besonders sarkastisch wurde vermerkt, dass der obskure „Satanismus“-Experte Roman Silantiew das entscheidende Rechtsgutachten gegen die beiden Künstlerinnen zu Papier brachte. Er arbeitet nach offiziellen Angaben als Linguist und „Destrukturologe“, eine angebliche Wissenschaft, für die es nach Angaben von Beobachtern in Russland keinerlei Ausbildungsgang gebe.

„Das ist ein Urteil gegen unsere gesamte Gesellschaft“, schimpfte Bloggerin Ekaterina Winokurowa. Sie fragte sich, ob künftig auch alle Filmemacher ins Gefängnis geworfen werden sollen, die faschistische Figuren auftreten ließen. Offenbar dürften Schauspieler überhaupt keine Terroristen mehr darstellen: „Die vielleicht wichtigste Emotion, die dieses Urteil bewirkt, ist ein Gefühl allgemeiner und zugleich persönlicher, vollkommener Wehr- und Ohnmacht. Keiner von uns weiß mehr, wo er ins Stolpern geraten könnte und welches Wort wir beschwören müssen, damit noch ein Wunder namens ‚Wahrheit und Gerechtigkeit‘ geschieht.“

„Steigerung des Terrors“

Exil-Politologe Anatoli Nesmijan spottete über die dubiose Rolle des „Gutachters“ Silantiew: „Tatsächlich wäre es genauso gut möglich gewesen, einen Tarot-Experten, einen Voodoo-Priester, weißen Magier oder Wünschelrutengänger hinzuziehen. Die Zuverlässigkeit der Untersuchung wäre ungefähr gleich geblieben.“

Der ebenfalls im Exil arbeitende Wladimir Pastuchow meinte, die russische Justiz habe den maximalen Abstand zwischen formaler Anklage und tatsächlichem Strafbedürfnis erreicht. Jeder wisse, dass Berkowitsch und Petritschuk nicht wegen eines Dramas zur Verantwortung gezogen worden seien: „Doch dieses Mal kapiert wirklich keiner, warum sie verurteilt wurden. Das ist wahrscheinlich ein wichtiger Schritt zur Steigerung des Terrors.“

„Gerichte sind wie Schwimmteiche“

Es habe eine öffentliche „Auspeitschung“ aller Künstler stattgefunden, so Filmproduzent Boris Guts. Exil-Schriftsteller Boris Akunin schrieb, selbst unter Stalin seien die Künstler nicht wegen ihrer Werke, sondern wegen Landesverrat oder Trotzkismus zur Verantwortung gezogen worden: „Das ist das erste Mal, dass in Russland Haft für das Verfassen eines Theaterstücks verhängt wurde.“ Blogger Konstantin Kalaschew höhnte, dass die beiden Frauen bisher nicht vorbestraft gewesen seien, sei offenbar nicht ihr Verdienst, sondern „unser Versagen“: „Unsere Gerichte sind wie Schwimmteiche: Es kommt keiner trocken heraus.“

Russische Leser wetterten, seit zehn Jahren gebe es kein normales Leben mehr im Lande: „Worauf warten wir eigentlich? Vielleicht auf das Aufhören mit dem Warten?“ Ein Regisseur erinnerte daran, dass in seinem Heimatdorf mal ein Mord mit einer Axt mit sechs Jahren Gefängnis geahndet worden sei: „Steckt da jemand dahinter, der sich bei den Behörden einschmeicheln will oder schürt jemand bewusst Spannungen und die Spaltung der russischen Gesellschaft? Das sind unsere wahren Feinde. Sie untergraben den Glauben an das Rechtsempfinden unserer Regierung.“

„Unheilbare moralische Deformation“

Gerichte würfelten die Urteile vermutlich inzwischen aus, hieß es: „Zu Stalins Zeiten gab es unter den Henkern viele ideologisch überzeugte Menschen, die aufrichtig glaubten, dass sie das Böse zerstören. Unter den derzeitigen Henkern gibt es keine solchen Figuren. Nur eine unheilbare moralische Deformation kann die von ihnen begangenen Gräueltaten erklären.“ Der Vorfall sei eine Mischung aus „Kafka und Orwell“, bemerkte jemand.

Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte nur: „Wissen Sie, wir im Kreml kommentieren niemals Entscheidungen der Gerichte. Das werden wir auch in diesem Fall nicht tun.“ Dazu der Kommentar eines Leser der St. Petersburger Zeitung „Fontanka“: „Warum äußert sich Peskow nicht? Immerhin wurde Russland von zwei ‚besonders gefährlichen Kriminellen befreit‘, die ein ganzes Drama inszenierten. Oh, noch eine Schande, nicht einmal die UdSSR hat sich auf so was eingelassen.“

„Nur noch schwarze Tasten“

Politologe Andrei Nikulin knöpft sich die offizielle Propaganda vor, die das geistige Klima im Land vergifte: „Im Prinzip gibt es in jedem Menschen und in jeder Nation eine Menge Dunkelheit und Licht, die traurige Ironie unserer Situation besteht darin, dass sowohl der Anführer als auch die ihm unterstellten Propagandisten, die ausgezeichnete Psychologen sind, beschlossen haben, in ihrem Leben nur noch schwarze Tasten zu spielen und Sie machen das ziemlich geschickt, um diese Musik zum Leben zu erwecken und alles Dunkle, Zynische, Egoistische zu verstärken.“ Eine Art „heiliger Irrsinn“ sei in Russland ausgebrochen, allerdings sei die „destruktive Energie“ sehr gefährlich: „Ein vernünftiger Herrscher, wenn er nicht besessen ist, versteht das – unabhängig davon, ob er ein Autokrat oder durch demokratische Verfahren an die Macht gekommen ist.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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