Man spürt die Strapazen förmlich. Die Kälte, den Zwang, sich schneller zu bewegen, als es die Strömung zulässt. Sechs Männer und eine Frau waten durch einen Fluss in einem Waldgebiet und versuchen, eine kiloschwere Goldladung von einem Ufer ans andere zu bringen. Es ist eine von vielen körperlich herausfordernden Szenen in dem im Jahr 1933 angesiedelten Survival-Thriller „The Weight“ mit Ethan Hawke in der Hauptrolle.
Die Handlung spielt im US-Bundesstaat Oregon, gefilmt wurde aber komplett in Bayern, große Teile davon in freier Natur, oft unter unwirtlichen Bedingungen. Die Dreharbeiten werden die Darsteller und die Crew wohl nicht so schnell vergessen. Nur wenige Momente später ist der von Hawke gespielte Goldschmuggler komplett unter Wasser – gefangen unter einer Ladung gefällter Baumstämme, die den Fluss hinabgetrieben ist, ihn mitgerissen und sich über ihm verkeilt hat.
Ethan Hawke in eiskaltem bayerischen Wasser
Die Unterwasserszene sei zuerst in einem Tank geprobt worden, erzählt Hawke auf der Pressekonferenz kurz vor der Deutschlandpremiere im Rahmen der Berlinale. Gedreht wurde dann im eiskalten Fluss, dem Schwarzen Regen bei Viechtach. Manchen schlugen die Baumstämme gegen den Kopf, andere haben sich Finger gebrochen. Aber das gemeinsame Ziel habe sie durchhalten lassen.
Hawke, der auch als Produzent an dem Film beteiligt ist, wollte eine vergangene Ära wieder aufleben lassen. Als Kind sei er mit Abenteuerfilmen aufgewachsen, wie „Der Schatz der Sierra Madre“ von John Huston oder „Atemlos vor Angst“ von William Friedkin. Filme, in denen sich Underdogs in der Hoffnung auf ein besseres Leben für eine waghalsige Aktion anheuern lassen.
Und in denen Taten wichtiger sind als Worte: „Ich war besessen von den großartigen nonverbalen Darbietungen von Leuten wie McQueen und Paul Newman. Wie viel man auf diese Weise in einem Actionfilm ausdrücken konnte. Und wie sehr diese alten Heldengeschichten Kontext gegeben haben für eine erstrebenswerte Sichtweise auf Männlichkeit – bei der es um Ehre und Würde und Fürsorge für andere geht“, erzählte der Hollywood-Schauspieler.
Gold, Schmuggel und schmutzige Deals
Der von Hawke gespielte Witwer Murph ist ein zu Unrecht verurteilter Mann, der in einem Strafgefangenenlager in Oregon Zwangsarbeit verrichten muss. Seine kleine Tochter wird in ein Heim gesteckt. In der Hoffnung auf vorzeitige Entlassung lässt er sich von dem korrupten Lagervorsteher, gespielt von Russell Crowe, auf einen Goldschmuggeldeal ein.
Als die eigentlichen Intentionen der Drahtzieher immer deutlicher werden, lehnt er sich gemeinsam mit den anderen Gefangenen gegen das System auf. “ Es geht um Menschen, die glauben, nichts gemeinsam zu haben. Die sich zusammenschließen, um gegen institutionelle Gier und Böswilligkeit zu kämpfen. Um zu erkennen, dass sie viel mehr gemeinsam haben. Und dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen.“
Hawkes Zusammenfassung der Filmaussage war auch eine Antwort auf die bei dieser Berlinale provokant oft gestellte Frage, ob und wie sich Filmschaffende gegen den politischen Rechtsruck positionieren. Der Denkanstoß, sich zusammenzuschließen und aufzubegehren – das sei es, was dieser Film anbiete: „Anything that fights fascism, I’m all for.“

