Auf der ganzen Erde feiern Christen am heutigen Ostersonntag das wichtigste Fest ihrer Glaubensrichtung. Die Botschaft dahinter ist nach Ansicht der Bischöfe in Bayern aktuell wie nie. Die heutigen kriegerischen Auseinandersetzungen, „wo Menschen Macht ausüben über andere, das macht etwas mit uns“, sagte etwa der evangelische Landesbischof Christian Kopp. Dem setze Ostern etwas entgegen. Dem BR sagte er, Jesus von Nazareth sei grauenhaft ermordet worden. Aber „dass dann etwas weitergeht, worüber wir heute noch reden“, das habe eine große Kraft.
Evangelischer Landesbischof: Deutliche Kritik an den Mächtigen
Die Welt braucht das Osterfest nach Kopps Überzeugung mehr denn je. „Denn der Tod hat unsere Welt fest im Griff. Gewalttaten, Ängste, Zerstörung, Kriege“, sagte der Theologe am Ostersonntag in seiner Predigt in der Münchner St. Matthäuskirche. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sprenge alle Vorstellungen von Gerechtigkeit. Die Eskalationen im Nahen Osten entsetzten ihn.
Krieg sei nicht nach Gottes Willen. „Never ever“, sagte Kopp weiter. Und doch fühle er sich hilflos. „Die Mächtigen machen, was sie wollen: nehmen sich Land, verdienen Millionen mit ihrem Insiderwissen und Spekulationen. Pfeifen auf Völkerrecht und Menschenleben und Würde.“ Ostern feiere das „pralle, volle, glückliche Leben“, betonte Kopp. Genau das brauche die Welt gerade dringend.
Eichstätter Bistumsleiter: Trost in unsicherer Weltlage
Viele Menschen schauen heute mit Bange in die Zukunft, wie der Übergangsleiter des Bistums Eichstätt, Alfred Rottler, sagt. Den Jüngern Jesu sei es einst nicht anders ergangen – und dann mit der Auferstehung Christus‘ Unbegreifliches geschehen. Rottler erkennt in der Osterbotschaft deshalb auch einen Trost in der aktuell unsicheren Weltlage. Diese mache vielen Menschen Angst, sagte Rottler laut seiner Pressestelle am Ostersonntag im Eichstätter Dom. Die Osterbotschaft aber könne Zuversicht verleihen.
Marx beklagt Missbrauch des Christentums in USA und Russland
Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, beklagt einen Missbrauch des Christentums in Russland und den USA. Ob das in Moskau vom Patriarchen [Kyrill I.] geschehe, der von einem Heiligen Krieg spreche, sagte Marx in der Münchner Frauenkirche am Sonntagvormittag. Oder in Washington, wo „der Kriegsminister, wie er sich jetzt nennt, sich auf Jesus beruft“, um zu sagen, hoffentlich treffe jede Kugel möglichst viele Feinde. „Beides ist Gotteslästerung“, sagte Marx. „Schamlos.“ Sowohl US-Verteidigungsminister Hegseth als auch US-Präsident Trump haben sich öffentlich immer wieder auf das Christentum berufen, auch um ihre Politik zu begründen.
Man schreibe das Jahr 2026, sagte Marx weiter. „Ich hätte nicht gedacht, dass heute Verantwortliche in Politik, Kirche und Gesellschaft den Osterglauben, den Glauben an die Auferstehung, benutzen können für ihre eigenen politischen Gewaltfantasien.“
Die Menschen sollten aber an der Hoffnung auf eine bessere Welt festhalten. „Ostern unterstreicht sehr deutlich, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt keine naive Träumerei ist, denn es geht um eine realistische Hoffnung“, so Marx in seiner vorab veröffentlichten Osterbotschaft.
Gegenpol zu Krisen – Bamberger Erzbischof für Zuversicht
Für den Bamberger Erzbischof Herwig Gössl ist Ostern ein Gegenpol zu Resignation, Angst und Krisen. „Menschen voller Osterglauben sind für unsere kriegszerfressene, hasserfüllte Welt so unendlich wichtig“, sagte er in seiner Predigt im Bamberger Dom.
Sie seien voller Zuversicht und Hoffnung und seien in der Lage, Ängste zu überwinden und Verzeihung zu schenken. Gerade angesichts globaler Krisen komme ihnen daher besondere Bedeutung zu. Ostern sei mehr als ein billiger Optimismus, „sondern eine Lebensquelle, die in uns sprudelt und uns mit Hoffnung erfüllt“.
Nürnberger Regionalbischöfin: Ostern widerspricht der Logik des Todes
Die Nürnberger evangelische Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern ruft die Menschen an Ostern zum Bündnis mit dem Leben auf. Der Glaube an die Auferstehung befähige Christinnen und Christen, sich „zu Verbündeten des Lebens“ zu machen, sagte sie in ihrer Predigt in der Lorenzkirche. „Ostern widerspricht der Logik des Todes.“ Konflikte, gesellschaftliche Spaltungen, persönliche Trauer und Zukunftsangst prägten das Leben vieler Menschen, sagte Hann von Weyhern weiter. Ostern aber sei ein „Mut-Wort – ein Widerspruch gegen Angst und Ohnmacht“.
Zum Nachhören: Bischöfe beklagen Missbrauch des Christentums

