Mariah Carey ist eine Pop-Ikone – wie Micky Mouse, Coca-Cola oder der Weihnachtsmann. Sie ist ein pinkes, glitzerndes Nationalheiligtum. Eine Prinzessin. Das ist ihre Marke und so wollte es auch ihre damalige Plattenfirma Sony – laut Aussage von Carey.
Die 90er Jahre war die Ära der Diven: Mariah Carey. Whitney Houston. Celíne Dion. Es war aber auch die Ära von Grunge und Girl-Punk. 4 Non Blondes mit der großartigen Linda Perry, Alanis Morissette, Courtney Love. Da suchte sich jeder seine Nische und natürlich fanden sich alle gegenseitig peinlich.
In ihrer Autobiografie enthüllt Carey erstmals das Geheimnis
Dass hinter all dem aber auch Plattenfirmen steckten, die Images für Frauen genau festlegten, kam immer erst später heraus, als Stars anfingen, ihre Autobiografien zu schreiben, wie zum Beispiel Britney Spears.
2020 erschien Mariah Careys Autobiografie „The Meaning of Mariah Carey“. Darin enthüllte sie, dass sie 1995 – parallel zur Produktion ihres Pop-Albums „Daydream“ – ein Grunge-Album geschrieben hat [externer Link]. Eingespielt mit denselben Musikern, im selben Studio, abends, heimlich, parallel – als das Tagewerk zu „Daydream“ beendet war.
„Ich dachte, ich kann es unter einem Alias veröffentlichen“
Ein klares Ventil. Ihre Zeit bei Sony beschrieb Carey später als eine düstere Zeit [externer Link]. Die Produktion von „Daydream“ sei stressig, fremdbestimmt und knüppelhart gewesen. Also produzierte sie zum Ausgleich ein Alter Ego und schrieb das Album „Someones Ugly Daughter“.
Dieses Alter Ego von Mariah Carey wollte ihre damalige Plattenfirma Sony nicht, wie Carey 2020 im Podcast mit Zane Lowe (Video zum Podcast [externer Link]) erzählte: „Nur meine engsten Freunde und die Leute, mit denen ich das Album gemacht hatte, wussten davon. Weil – von der Plattenfirma hatte ich Ärger bekommen. Es war damals alles kontrolliert. Ich dachte, vielleicht kann ich es unter einem Alias veröffentlichen und die Leute es selbst entdecken lassen, aber das wurde verhindert.“
Carey wechselte Firma
Als Kompromiss kam das Album 1995 zwar trotzdem raus, aber Carey durfte nicht in den Credits stehen, sie durfte nicht als Lead-Vocal zu hören sein und es gab auch keine Promotion. Die Originalaufnahmen, auf denen Carey in den Lead-Vocals zu hören ist, durften nicht veröffentlicht werden. Stattdessen wurden die Songs neu eingespielt von einem Bandprojekt namens Chick. Dass hinter der kleinen, aber feinen Platte „Someones Ugly Daughter“ der Band Chick niemand geringeres als Carey steht, war 25 Jahre lang geheim [externer Link].
Seit der Enthüllung in ihrer Autobiografie 2020 ist das geheime Grunge-Album von Carey immer wieder eine Randnotiz. Ein Geraune. In diversen Interviews [externer Link] droppte Carey die Existenz des Albums und wie gerne sie es veröffentlichen würde – mit ihren Credits und mit ihrer Stimme. Seitdem jagen Fans das Phantom. Von Chick wurden damals nur ein paar Platten gepresst, wer hatte die schon? Aber im Laufe der Zeit trieben Fans die Platte auf und stellten sie ins Netz [externer Link].Ende September letzten Jahres ließ Carey dann die Bombe platzen und machte erstmals ganz offensiv Werbung. Bei einem Apple Music Event [externer Link] saß sie im Interview mit der Sängerin SZA und brachte die verschollenen Originalaufnahmen von damals mit, auf denen auch sie zu hören ist.
Im Rahmen der Grammys, spielten die Foo Fighters kürzlich gemeinsam mit Taylor Momsen ein Tribut zu Ehren von Carey und performten Songs [externer Link] aus dem Album „Someones Ugly Daughter“. Seit zwei Jahren ist Carey nun bei Gamma unter Vertrag [externer Link], einer Distributionsplattform, die ihren Künstlern mehr Kontrolle und Rechte einräumt. An Gamma ist wiederum Apple Music strategisch beteiligt. Daher könnte 2026 das Jahr sein, in dem „Someones Ugly Daughter“ by Mariah Carey ganz offiziell erscheint.

