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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Streamingdienste und Sender sollen in Deutschland investieren
Kultur

Streamingdienste und Sender sollen in Deutschland investieren

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 7. Februar 2026 11:51
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Die Bundesregierung sieht die deutsche Filmbranche tief in der Krise. In großen Studios wie etwa in Babelsberg oder bei der Bavaria fehlten zuletzt die Aufträge, große Filme und Serien wurden anderswo gedreht – wie zum Beispiel der Netflix-Film „Im Westen nichts Neues“ in Tschechien.

Inhaltsübersicht
Auch die Sender sind betroffenZusätzliches Geld für die FilmförderungKritik von den Sendern

Staatliche Fördergelder allein reichen nach Ansicht der Regierung nicht aus, um den deutschen Standort attraktiver zu machen. Deshalb sollen nun private Gelder mobilisiert werden. Union und SPD einigten sich nach Angaben aus dem Kanzleramt auf eine gesetzliche Mindestinvestitionsquote. Zugleich soll es die Möglichkeit geben, mehr zu investieren und dafür von bestimmten Regeln abweichen zu dürfen.

Auch die Sender sind betroffen

Die Vorgaben sollen alle größeren Anbieter auf dem deutschen Markt betreffen, also nicht nur Netflix und andere Streamingdienste, sondern auch Fernsehsender wie RTL, ProSieben/Sat1 und auch die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF. Sie müssen künftig mindestens acht Prozent des jährlichen Nettoumsatzes in europäische Produktionen stecken.

Zusätzlich soll es Mindestquoten zum Beispiel für deutschsprachige Produktionen und Vorgaben für die Rechteteilung geben. Wer freiwillig 12 Prozent oder mehr investiert, kann Sonderregelungen bekommen. Dann könnten die Anbieter zum Beispiel zwar in Deutschland, aber auf Englisch drehen.

Generell kann die Bundesregierung aus europarechtlichen Gründen keine Investitionen ausschließlich in Deutschland vorschreiben, sondern nur in Europa. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) ist trotzdem sicher: „Diese Einigung hilft dem Standort Deutschland.“ Sie sichere Aufträge für die deutsche Filmwirtschaft, ohne unverhältnismäßig in die Geschäftsmodelle der Streamer und Sender einzugreifen.

Die Investitionsverpflichtung soll vor allem die deutsche Filmwirtschaft stärken und Arbeitsplätze in Studios, Technik und kreativen Berufen sichern. Weimer sieht darin die „Grundlage für einen neuen Boom der Film- und Serienproduktion made in Germany“.

Zusätzliches Geld für die Filmförderung

Und der Münchner Filmproduzent Ingo Fliess gibt ihm im Interview mit dem BR Recht: „Das ist wirklich ein toller Durchbruch, der Jahre lang erkämpft wurde, in einer ziemlich einzigartigen gemeinsamen Haltung, die die Branche in dieser Frage eingenommen hat.“ Die Einigung sei Teil einer groß angelegten „Filmförderreform, die letztlich in den letzten drei, vier Jahren entwickelt wurde“, sagt Fliess.

Eine Mischung aus staatlicher Förderung einerseits und privaten Investitionen andererseits. „Der Baustein des privaten Engagements, diese Investitionspflicht, die fehlte eben immer“, so Fliess. Er hat unter anderem Filme wie „Das Lehrerzimmer“ produziert, der mit einem Oscar nominiert war. „Jetzt kann man sagen, ist diese Filmförderreform vollendet und die ist ein tolles attraktives Paket, was Deutschland als Filmstandort international wieder konkurrenzfähig macht.“

Denn mit der Einigung auf die Investitionsverpflichtung werden im Bundeshaushalt auch zusätzliche 120 Millionen Euro freigegeben. Die Mittel für die wirtschaftliche Filmförderung steigen damit auf 250 Millionen Euro pro Jahr – und das nicht einmalig, sondern langjährig. „Die Filmförderung ist sehr gut investiertes Geld in die Kultur in Deutschland“, sagte Finanzminister Lars Klingbeil. „Wir wollen die großartige Filmszene in Deutschland weiter stärken und einen Top-Standort schaffen.“

Ob das tatsächlich gelinge, werde man sehen müssen, sagt der Produzent Ingo Fliess. Aber der Blick in andere europäische Länder wie Frankreich, Italien, Estland oder Polen, „die alle ähnliche Regelungen haben, zeigt, dass es wirkt. Und dass dort tatsächliche Booms ausgelöst wurden“.

Kritik von den Sendern

Eine Sprecherin von RTL Deutschland teilte mit, man lehne eine gesetzliche Investitionsverpflichtung weiterhin ab, weil es geeignetere Wege gebe, um den Filmstandort Deutschland nach vorn zu bringen. „Es handelt sich hierbei auch nicht um einen ausgewogenen Kompromiss, sondern weiterhin um einen starken Eingriff in unsere Angebotsautonomie.“

Diese neuerliche Belastung stelle den privatwirtschaftlich finanzierten Sender vor zusätzliche Herausforderungen. „Wichtig ist jetzt, wie genau die Investitionsverpflichtung ausgestaltet wird und dass unsere Belange hierbei ausreichend berücksichtigt werden.“

Mit Material von dpa

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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