Buchbach, ein Markt im oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn, hat rund 3.400 Einwohner. Eine Bewohnerin steht vor dem Festivalzentrum in einer Garageneinfahrt. Über einen gelben Stadtplan gebeugt zeigt sie ihrer Bekannten, wo es was zu sehen gibt – die erste Buchbacher Garagen Biennale ist eine Mischung aus Kunstausstellung, Schnitzeljagd und Dorffest.
Garage: Auto raus – Kunst rein
Maßgeblich mitorganisiert hat sie die bildende Künstlerin Claudia Holzinger: „Es gibt zwei Friseure, einen Edeka, kein Wirtshaus mehr.“ Es sei nicht so, dass man die ganze Zeit sehr viele Leute auf der Straße treffe. „Es ist eher so, dass Leute sehr viel Auto fahren und man grüßt sich aus dem Auto raus.“
Das Auto ist hier ein existenzieller Lebensbegleiter. „Der ländliche Raum und das Auto – es geht halt nicht ohne. Es ist ja auch so, dass der Regionalbus am Wochenende nicht fährt.“ Das Auto sei wichtig, aber gleichzeitig nehme es so viel Platz ein. Und der werde frei, „wenn das Auto aus der Garage rausgefahren wird“ – in diesem Fall für Ausstellungen.
Themen: Auto, Natur und ländliche Arbeit
Claudia Holzinger biegt ab in ein Neubaugebiet: weiß und grau getünchte Häuser und aus einer ebenso weißen Garage ragt eine Fichte – etwa acht Meter lang, 80 Zentimeter Durchmesser. Im Film, den das Münchner Künstler-Duo Hennicker-Schmidt hier an die Garagenwand wirft, wuchtet zunächst eine Frau diese Fichte allein aus einem Wald heraus, um sie dann mit einem Fiat Panda hinter sich herzuschleifen – durch Maisfelder und über Landstraßen, die stark an die Filmszenerien der Eberhofer-Krimis erinnern.
Beim genaueren Hinsehen fällt auf: Die Fichte ist aus Pappmaché und Hasendraht. „Wir wollen das Thema Auto mit reinbringen, aber auch – was man kennt vom Land – ländliche Arbeit, wo man vielleicht aber auch gar nicht mehr so ganz weiß, was ist da jetzt Natur, was ist eigentlich ein Kulturraum“, erklärt Künstler Michael Schmidt.
Selbst entwickeltes Auto-Computerspiel
Das Festival soll fürs ganze Dorf sein. Und das gelingt auch. In einer Garage stellt die regionale Gruppe Kunst AG aus. Man kann hier ein selbst entwickeltes Auto-Computerspiel spielen – und selbst kreierte Talismane anschauen, die vor Unfällen schützen sollen. Die Besitzerinnen dieser Bauern-Garage – Katharina und Sabine Bauer – servieren dazu Latte Macchiato und Schmalznudeln.
New Yorker Künstler Bollinger malt in Garage
Es gibt Workshops, Lesungen und Performances. Alle in Buchbach dürfen mitmachen, wenn sie wollen. Es gibt hier Kunst auf ganz verschiedenen Niveaus: Und es gibt Kunst-Fans, die kommen eigens aus München hier rausgefahren, um beispielsweise den New Yorker Künstler Matt Bollinger in einer Garage zu sehen; der malt mit Acrylfarben Szenen aus seinem etwas melancholischen Alltag und übermalt sie wieder. Aus diesem Prozess macht er einen Trickfilm, der an die Garagenwand projiziert wird.

