Der erste, unbeholfene Smalltalk-Versuch geht von Shane aus. Der kanadische Eishockey-Spieler stellt sich seinem russisch-amerikanischen Konkurrenten Ilya vor. In der kanadischen Serie „Heated Rivalry“ – gelten die zwei Nachwuchsspieler als künftige Superstars der nordamerikanischen Eishockeyliga.
Im zugigen Hinterhof vor einer Hockey-Halle begegnen sich die beiden zum ersten Mal. Ich bin nicht sicher, ob du hier rauchen darfst, erklärt Shane dem grimmig blickenden Ilya. Und wünscht ihm Glück für das kommende Turnier. Der kontert mit einem verschmitzten Lächeln: „Du wirst nicht mehr so nett sein, wenn wir euch schlagen.“
Eine Affäre, die geheim bleiben muss
Es ist der Beginn einer langen, leidenschaftlichen Liebesgeschichte – zwischen Rivalen. In der kalten, rauen Welt des Eishockey. Eine Affäre, die geheim bleiben muss. Schwule Eishockeyspieler: ein Tabu. Denn beiden ist klar, dass eine schwule Liebe in der Machowelt ihres Sports, sollte sie bekannt werden, ihren Karrieren massiv schaden könnte.
Und das gilt nicht nur in der fiktiven Serie. Auch in der Realität lebt kein einziger aktiver Profi-Spieler der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) offen homosexuell. Für Jesse Kortuem aus Minneapolis war genau das der Grund, weshalb er mit 17 Jahren seine Hockey-Karriere an den Nagel gehängt hat. Ein Outing wäre für ihn undenkbar gewesen. „Erstens weiß man nicht, wie die Teamkollegen reagieren. Positiv oder Negativ? Auch weiß ich nicht, wie andere Teams in der Liga das aufnehmen würden. Ich könnte auf dem Eis zur Zielscheibe homophober Gegner werden, die mich platt machen wollen.“
Seit mehreren Jahren spielt Jesse wieder – in einem Amateur-Eishockey-Team, das offen für queere Spieler ist. Seine Homosexualität behielt er trotzdem weiter für sich. Bis jetzt. Die packende Story von „Heated Rivalry“ hat den 40-Jährigen inspiriert. Er findet endlich den Mut, offen zu sprechen. Und will auch anderen dabei helfen. „Meine Botschaft kommt bei Menschen an, die ebenfalls Hoffnung brauchen oder mit genau der gleichen Situation zu kämpfen haben.“
Viele explizite Sex-Szenen
Mit „Heated Rivalry“ wollen die Macher der Serie eine Debatte auslösen – auch durch Provokation. Mit vielen expliziten Sex-Szenen zwischen den beiden männlichen Haupt-Darstellern. Für Regisseur Jacob Tierney nicht selbstverständlich: „Es ist viel von Schauspielern verlangt: So viel Nacktheit, Intimität und Hockey! Das war körperlich auf verschiedenste Art sehr fordernd.“
Für die beiden Hauptdarsteller hat es sich gelohnt. Hudson Williams und Connor Storrie sind zu Superstars aufgestiegen. „Heated Rivalry“ findet ein Millionen-Publikum im Heimatland Kanada und in den USA. Seit die sechsteilige Verfilmung von Rachel Reids Buchreihe „Game Changers“ im Herbst auf dem Streamingdienst Crane und anschließend bei HBO Max lief, erreichten die Zugriffszahlen besonders im englischsprachigen Raum Rekordwerte. Und fast 100 Prozent aller Kritiken bei „Rotten Tomatoes“ bewerten die Serie positiv. Und wichtiger noch: bei Instagram, Tiktok, Reddit und Tumblr sorgt der Hashtag #heatedrivalry verlässlich für Schnappatmung.
Serien-Stars tragen die Olympische Fackel nach Mailand
Die Auftritte von Williams und Storrie bei den Golden Globes, bei Modeschauen oder beim Tragen der Olympischen Fackel kurz vor Beginn der Winterspiele gingen viral. Er müsse immer wieder gekniffen werden, erzählt Williams bei einem Auftritt. Doch das Kneifen funktioniere nicht mehr. Er fühle sich wie in einem Fiebertraum, erzählt er. Neben ihm auf dem roten Teppich steht der kanadische Premierminister, Mark Carney.
Als ehemaliger Amateur-Hockey-Spieler sei er ebenfalls großer Fan der Serie, sagt er. Hudson Williams überreicht ihm deshalb eine Team-Canada-Fleece-Jacke, die er in der Serie getragen hatte. Unter Heated Rivalry-Fans ein begehrtes Sammlerobjekt. Nachdem über 6.000 von ihnen eine Petition unterschrieben haben, geht die Jacke nun offiziell in Produktion. Und als New York im Schnee versank, empfahl Zohran Mamdani, der Bürgermeister der Stadt, seinen Bürgern, zuhause zu bleiben und sich das Buch das Buch „Heated Rivalry“ als E-Book oder Hörbuch in der Stadtbibliothek auszuleihen.

