Von einem Supercomputer gesteuerte Roboter kämpfen gegen die Menschheit um die Weltherrschaft. Bisher war dieses Untergangsszenario eher etwas für Science-Fiction-Liebhaber. Doch heute warnen Expertinnen und Experten davor, dass die künstliche Intelligenz tatsächlich bald nicht mehr beherrschbar sein könnte. So etwa Jacob Coxon, ehemals KI-Entwickler bei Anthropic und OpenAI. Er hält eine Auslöschung der Menschheit durch die Künstliche Intelligenz, ganz so wie im Film „Terminator“, für nicht unrealistisch.
KI macht die Welt unsicher
Die KI-Apokalypse, die Ausrottung der Menschheit: ein wahres Schreckensgemälde. Aber die Gefahren liegen ganz woanders, meint Sarah Ball, die an der LMU München zur KI-Sicherheit forscht. Nicht in einer möglichen Zukunft, sondern im konkreten Heute. KI wird heute schon missbräuchlich verwendet: „Was sich jetzt geändert hat, ist, dass diese Hacker Künstliche Intelligenz als sehr mächtiges Werkzeug zur Verfügung haben.“
Die Gefahr ist also nicht der Weltuntergang, sondern dass unsere Gesellschaften durch Künstliche Intelligenz verletzbarer geworden sind. Was jetzt schon stattfinde, sei ein Wettrüsten, bei dem beide Seiten auf künstliche Intelligenz zugreifen: „Und ich glaube, es kommt einfach darauf an, wie schnell wir KI auch dann auf der Verteidigungsseite einsetzen können, um uns gegen solche Angriffe mithilfe von KI zu wappnen.“
Reglementierung – ein zweischneidiges Schwert
Viele große KI-Firmen treten daher für Reglementierung ein – eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Kein Autohersteller darf einen Wagen ohne Airbag ausliefern, kein Pharmakonzern Medikamente ohne Tests auf den Markt bringen. Bei der KI liegt aber der Teufel im Detail. Denn wer bestimmt, was die KI nicht ausspucken darf? Was wird zensiert, nur Pläne für den Bau von Atombomben oder auch Tipps zur Verschlüsselung der eigenen Kommunikation?
Die KI-Forscherin Sarah Ball sagt: „Das sind die sogenannten Alignment-Verfahren: Also, was darf ein Modell sagen und was nicht? Das heißt, wer bestimmt eigentlich, was sicher ist und was nicht? Und wir haben in der Forschungsarbeit gezeigt, dass diese Alignment-Methoden eben eine Dual-Use-Technology sein können, also dass sie zum einen dem Wohl der Menschheit sozusagen dienen können, indem man Bombenbauen und Hacking verhindert. Aber auf der anderen Seite kann man Informationen zensieren und auch manipulieren.“
🎧 Wie verändert KI unser Leben? Und welche KI-Programme sind in meinem Alltag wirklich wichtig? Antworten auf diese und weitere Fragen diskutieren Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub jede Woche in „Der KI-Podcast“ – dem Podcast von BR24 und SWR.
Wie besser mit KI umgehen?
Eine europäische KI ist in Balls Augen deswegen unverzichtbar – und ein stärkeres Auftreten gegenüber China und den USA. Denn in Europa gibt es längst ein Maßnahmenbündel zur Reglementierung. Das müsse nur umgesetzt werden. Das fordert auch die KI-Ethikerin Dorothea Winter, die an der Universität Osnabrück lehrt. Und statt sich in lähmenden Debatten über den Weltuntergang zu verstricken, hat sie einen ganz praktischen Ratschlag für das Gespräch über Künstliche Intelligenz: „Was ich mir erst mal wünschen würde, ist, dass wir aufhören, so unspezifisch über die KI zu sprechen. Weil es sehr spezifische Anwendungen sind, und es ist aber nicht sinnvoll, über KI in Waffensystemen, im Medizinbereich oder im Bildungsbereich immer die gleichen Aussagen zu treffen.“
Denn eine KI, die Menschen tötet, sei nun einmal etwas ganz anderes als eine KI, die uns hilft, Proteine zu entschlüsseln. Tatsächlich, so analysiert etwa der KI-Podcast der ARD, gibt es gerade keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass eine KI „böse“ werden kann und sich etwa gegen eine Abschaltung wehren würde. Also kein Grund zur Panik – wohl aber Bedarf für Regelungen, die verhindern, dass Verbrechern mächtige Werkzeuge in die Hand gegeben werden.

