Wer in den letzten Wochen durch soziale Medien gescrollt hat, konnte den Eindruck gewinnen: WhatsApp wird bald kostenpflichtig. Die Wahrheit ist – wie so oft – etwas differenzierter.
Den Stein ins Rollen gebracht haben vor allem Berichte über Funde in Beta-Versionen der App. Der bekannte Leak-Blog WABetaInfo hat in einer Android-Beta neue Funktionen entdeckt, die auf ein optionales Premium-Abo hindeuten. Darunter: anpassbare App-Icons, neue Farboptionen für die Benutzeroberfläche und die Möglichkeit, mehr als drei Chats gleichzeitig anzupinnen. Klingt nach Spielerei. Ist es vielleicht auch. Doch dahinter eine größere Frage: Wie verdient WhatsApp in Zukunft sein Geld?
Werbung ja – aber nur im Status
Denn seit Juni 2025 hat sich im Messenger einiges verändert. WhatsApp hat Werbung eingeführt – allerdings nicht in persönlichen Chats, sondern im sogenannten Updates-Tab, also dort, wo Status-Meldungen und Channels angezeigt werden. Im offiziellen WhatsApp-Blog hieß es dazu: „Wir werden eure Telefonnummer niemals an Werbetreibende verkaufen oder weitergeben.“
Parallel dazu gibt es seit Sommer 2025 kostenpflichtige Channel-Abos. Nutzer können einzelne Kanäle – etwa von Medien oder Creatorn – gegen eine monatliche Gebühr abonnieren und erhalten dafür exklusive Inhalte. In gewisser Hinsicht gibt es „WhatsApp-Abos“ also bereits. Nur bezahlt man dabei nicht für den Messenger selbst, sondern für einzelne Inhalte innerhalb der Plattform.
Das alte Versprechen
Der Kontext ist wichtig: Bereits 2016 hatte WhatsApp seine frühere Abo-Gebühr – damals 0,99 Dollar pro Jahr – abgeschafft. Seitdem hat WhatsApp, als Tochter des Facebook-Konzerns Meta, weiterhin versprochen, kostenlos zu bleiben. Doch wie die bisherigen Experimente bereits zeigen, wird dieses Versprechen etwas aufgeweicht: Denn auch wenn der klassische Messenger-Dienst kostenlos bleibt… bei zusätzlichen Funktionen könnte das anders sein.
In der EU können Nutzer von Facebook und Instagram bereits wählen: Entweder sie sehen Werbung – oder sie zahlen für ein werbefreies Abo. Dieses Modell hat Meta eingeführt, weil europäische Datenschutzregeln es so verlangen. Seit WhatsApp nun ebenfalls Werbung im Status-Bereich zeigt, liegt der Gedanke nahe, dass dort bald dasselbe Prinzip gelten könnte: Werbung akzeptieren oder zahlen. Dazu kommt: Meta sucht als Konzern nach neuen Einnahmequellen jenseits klassischer Werbung.
Was man wirklich wissen muss
Wer sich Sorgen macht, bald für jede WhatsApp-Nachricht zahlen zu müssen, kann vorerst durchatmen. Sämtliche bisherigen Signale – von Meta selbst und aus den Beta-Leaks – deuten darauf hin, dass ein mögliches Premium-Abo rein optional wäre. Chatten, telefonieren, Sprachnachrichten verschicken: Das wird wohl weiterhin kostenlos funktionieren.

