Florian ist Winzer im Staatlichen Hofkeller Würzburg. Als stellvertretender Außenbetriebsleiter entscheidet er dort mit, welche Trauben gelesen werden und wo Maschinen nicht mehr weiterhelfen und Handlese gefragt ist. Besonders die steilen Weinberge an der Würzburger Festung Marienberg verlangen ihm und seinem Team einiges ab.
Winzer in 12. Generation
Florian kommt aus einer Winzerfamilie, schon sein Vater ist ausgebildeter Winzer. Der 24-Jährige hat eine duale Ausbildung zum Winzer an der Berufsschule absolviert. Es folgten Stationen als angestellter Winzer im Rheingau und als Leiter des Außenbetriebs eines Weinguts im südschwedischen Arild. 2023 begann er die Weiterbildung zum staatlich geprüften Weinbautechniker an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, die er 2025 abschloss. Seit diesem März arbeitet er im Staatlichen Hofkeller Würzburg. Nebenbei hilft er im Weingut seiner Eltern vor allem im Keller: von der ersten Pressung bis zur Abfüllung.
Wie steht es um den Weinbau?
Florian entschied sich ohne Druck von seinen Eltern für den Beruf. „Ich könnte mir nichts anderes vorstellen“, erzählt er. Doch der junge Winzer spürt eine Veränderung: Ein Weingut zu führen, ist in Krisenzeiten ein Risiko: „Wenn ich das Weingut übernehme und es einfach nicht möglich ist, es so weiterzuführen, dann war ich die letzte Generation.“
Die Branche steht unter Druck: Die Produktionskosten steigen, der Alkoholkonsum ist in den letzten 20 Jahren bei Bier, Wein und Spirituosen um rund ein Fünftel gesunken, überschüssiger Wein drückt die Preise. Politik und Verbände reagieren mit Rodungsprämien, Förderungen für Steillagen und der Suche nach neuen Geschäftsmodellen – etwa alkoholfreien Weinen. Deren Marktanteil liegt zwar erst bei gut 1,5 Prozent, wächst aber. Der Beruf des Winzers wird zunehmend abhängig von Förderung und Innovation.
Der Weinbau in Bayern spielt sich in Franken ab
Der Weinbau prägt in Franken ganze Landschaften: 96 Prozent der bayerischen Weinerzeugung findet in Franken statt. Rund 56 Prozent des Weins, der 2025 produziert wurde, trägt die höchste Qualitätsstufe. Der Anteil liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 29 Prozent, so das bayerische Landesamt für Statistik. Das zieht besonders Touristen an.
Was verdient ein Winzer?
Florian verdient als angestellter Winzer 3.345 Euro brutto, das sind 2.228 Euro netto. Im Nebenjob im Weingut der Eltern bekommt Florian für 8,5 Stunden Arbeit die Woche 603 Euro monatlich dazu. Sein Jahresbrutto als Winzer beträgt 41.255 Euro, inklusive Nebenjob sind das 48.491 Euro. Das Mediangehalt für einen Winzer beträgt laut Entgeltatlas der Agentur für Arbeit 2.997 Euro brutto, damit liegt Florian in den oberen 50 Prozent. Das liegt vor allem an seiner Führungsposition als Weinbautechniker.
Florian findet sein Gehalt fair im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Berufen. Als angestellter Winzer fühlt er sich frei in seinen Ideen, sieht aber gleichzeitig Vorteile in seiner Festanstellung: „Es macht mir einfach extrem viel Spaß.“

