Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt – zum vierten Mal seit 2020. Der Antrag soll laut dem Unternehmen helfen, die Lage zu ordnen und die Warenhauskette zu stabilisieren. Der Geschäftsbetrieb in den bundesweit 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen. Dass die finanzielle Lage angespannt war, zeichnete sich seit Monaten ab.
Galeria-Regale blieben schon im Sommer leer
Schon den Sommer über blieben viele Regale leer. Kosmetika, Kochtöpfe oder Dessous – viele Filialen konnten diese und andere Waren nicht anbieten, weil Lieferanten befürchten mussten, auf ihren Forderungen sitzen zu bleiben – genau wie in den vergangenen Jahren. Auch Mieten wurden teils verspätet gezahlt.
Dass es finanziell eng werden würde, war Geschäftspartnern und den eigenen Beschäftigten seit Wochen klar. Zwar konnten die Gehälter für August und September gerade noch ausgezahlt werden, aber nach allem, was jetzt bekannt ist, waren die Gesellschafter und auch das US-Unternehmen Gordon Brothers zuletzt nicht mehr bereit, ein weiteres Mal Geld nachzuschießen.
Millionenkredit brachte Galeria keine dauerhafte Entlastung
Gordon Brothers mit Sitz in Boston hat sich darauf spezialisiert, Maschinen und Anlagen, Inventar und eben auch Handelswaren zu bewerten und abzuverkaufen. Für angeschlagene Unternehmen ist Gordon Brothers oft die letzte Option, wenn Banken keine Kredite mehr geben.
So war es auch im Sommer, als Gordon Brothers bis zu 160 Millionen Euro als Kredit für Galeria zur Verfügung stellte. Als Sicherheit dient in der Regel die Ware, die dann im Falle einer Insolvenz abverkauft wird. So könnte es dieses Mal auch kommen.
Ungewisse Zukunft für die 12.000 Galeria-Beschäftigten
Nach einer nächtlichen Krisensitzung wurden am Freitagvormittag die Mitarbeiter informiert. Bundesweit beschäftigt die Warenhauskette noch 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Gewerkschaft ver.di fordert nun entschieden Aufklärung von Galeria.
So erklärte Silke Zimmer vom Bundesvorstand: „Haarsträubende Managementfehler haben zu dieser Entwicklung geführt. In den letzten Jahren sind durch die Gesellschafter keine nachhaltigen Investitionen geflossen.“ Nun müsse schnell geklärt werden, wie es für die Beschäftigten weitergehe. Sie und der Gesamtbetriebsrat müssten einbezogen werden.
Anspruch auf Insolvenzgeld ist noch offen
Wie es weitergeht, ist derzeit völlig. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst weiterlaufen, heißt es am Firmensitz in Düsseldorf. Ob das wirklich möglich ist, bleibt offen. Denn anders als bei den bisherigen Insolvenzen könnten die Beschäftigten vergeblich auf das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit hoffen. Eigentlich befindet sich Galeria bis Ende Juli kommenden Jahres noch in der sogenannten Planüberwachung. Das heißt, das letzte Insolvenzverfahren wurde zwar im August 2024 aufgehoben, nachdem die Gläubiger einem Insolvenzplan zugestimmt hatten. Trotzdem ist der Schlussstrich unter diese dritte Insolvenz noch nicht gezogen, eben weil die Umsetzung des Plans weiter überwacht wird.
Laut der bisherigen Rechtsprechung des Bundessozialgerichts dürfte die Bundesagentur für Arbeit bei der aktuellen Folgeinsolvenz deshalb kein Insolvenzgeld auszahlen. Wird die tatsächliche Lage aber so bewertet, dass Galeria zwischenzeitlich wieder „flüssig“ war und nicht zahlungsunfähig, dann gäbe es auch das Insolvenzgeld für drei Monate. Für die angeschlagene Warenhauskette wäre das zumindest eine kleine Geldspritze, denn das bei den Gehältern gesparte Geld könnte für andere Zwecke verwendet werden.
Weitere Filialschließungen bei Galeria möglich
Laut Beobachtern kann der aktuelle Insolvenzantrag auch als Druckmittel dienen, um für Filialen, die zur Disposition stehen, neue Mietkonditionen auszuhandeln und Verkaufsflächen zu verkleinern. Denn der Insolvenzantrag ermöglicht es, schneller aus Mietverträgen auszusteigen und auch Personal abzubauen. Einige Vermieter sind womöglich doch gewillt, dem Management im Angesicht der erneuten Pleite entgegenzukommen. Andererseits ist nicht auszuschließen, dass jetzt einige Standorte komplett dichtgemacht werden.
Das Timing für die vierte Insolvenz in sechs Jahren könnte nicht schlechter sein. Die Umsätze sollen den Sommer über förmlich weggebrochen sein, genau wie der Gewinn. Außerdem stockt der Nachschub für neue Herbst- und Winterware, und das, obwohl bald das wichtige Weihnachtsgeschäft ansteht.

