Laut Robert Koch-Institut (externer Link) erkrankte bereits im Juli ein 60-jähriger Mann aus Baden-Württemberg – die Labordiagnose zeigte, dass er sich mit dem Sindbis-Virus (SINV) infiziert hatte. Er ist damit der erste nachgewiesene Fall einer Infektion mit Sindbis in Deutschland.
Zunächst vermuteten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte eine Chikungunya-Infektion, weil am Wohnort des Mannes die Asiatische Tigermücke vorkommt. Tests auf Chikungunya, das ähnliche Symptome hervorruft, waren jedoch negativ. Erst der Nachweis spezifischer Antikörper brachte Klarheit. Da keine Reise außerhalb Baden-Württembergs vorlag, wurde der Fall als autochthon, also in Deutschland erworben, eingestuft.
Sindbis-Virus durch heimische Stechmücken übertragen – kein Mensch-zu-Mensch-Risiko
Das Sindbis-Virus gehört zur Gruppe der Arboviren und wird über die auch in Deutschland heimischen Stechmücken übertragen. Mücken, die auch Vögel stechen, fungieren dabei als Vektoren und Reservoir, während die Vögel selbst als Wirte gelten, die das Virus stark vermehren.
Menschen sind sogenannte Fehlwirte: Sie können erkranken, spielen aber für die Weiterverbreitung des Virus praktisch keine Rolle. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht beschrieben. Der aktuelle Fall zeigt: Wo das Virus in Mücken und Vögeln zirkuliert, muss künftig auch mit Erkrankungen beim Menschen gerechnet werden.
Symptome von Sindbis-Infektion: Fieber, Hautausschlag, langanhaltende Gelenkschmerzen
Viele Infektionen mit dem Sindbis-Virus verlaufen unbemerkt oder mit leichten Beschwerden. Typisch sind Fieber, Hautausschlag sowie Arthralgien oder Arthritis – also teils ausgeprägte Gelenkschmerzen und Gelenkentzündungen. Fieber und Ausschlag verschwinden meist innerhalb einer oder zwei Wochen. Die Gelenkbeschwerden können dagegen länger anhalten. Schwerere Verläufe mit neurologischen Symptomen sind möglich, bleiben aber die Ausnahme. In Nordeuropa ist das Krankheitsbild schon länger bekannt und trägt Bezeichnungen wie Ockelbo-Krankheit in Schweden oder Pogosta-Krankheit in Finnland.
RKI empfiehlt: Bei Fieber, Gelenkschmerzen und Ausschlag auch an Sindbis-Virus denken
Das Robert Koch-Institut (RKI) fordert Ärzte auf, während der Mückensaison bei Patientinnen und Patienten auch ohne vorherige Auslandsreisen verstärkt an Arboviren wie Sindbis zu denken. Gerade bei Symptomen wie Fieber, Hautausschlag und ausgeprägten Gelenkschmerzen sollte eine entsprechende virologische Diagnostik erfolgen. Wenn Tests auf Dengue- oder Chikungunya-Fieber negativ sind, die ähnliche Symptome zeigen, sollten also auch Sindbis-Viren in Betracht gezogen werden.

