Anders als beim Biogas, das ab 2029 das Erdgas ergänzen soll, laufen beim Biosprit E20 die Vorbereitungen schon auf Hochtouren. So soll frühestens ab dem nächsten Jahr das neue Superbenzin zur Verfügung stehen. Und die allermeisten Autos sollen E20 auch vertragen.
E5, E10, E20 – Warum den Anteil von Bioethanol noch einmal verdoppeln?
Mit einem 20-prozentigen Anteil an Bioethanol als klimaschonender Beimischung soll mit E20 der CO2-Ausstoß gegenüber herkömmlichen rein fossilen Kraftstoffen um bis zu 16 Prozent sinken. Damit lässt sich CO2-Steuer sparen und ein Preisvorteil zum herkömmlichen E5 oder E10 erzielen und erst recht zu Superplus. Auf der anderen Seite ist der Verbrauch auch etwas höher, weil Ethanol eine geringere Energiedichte (ca. ein Drittel weniger) hat und deshalb bei vergleichbarer Leistung schneller im Motor verbrennt.
Motoren laufen mit E20 ruhiger und verschleißärmer
Ein Pluspunkt ist die höhere Klopffestigkeit, so dass der neue E20-Kraftstoff wie Superplus eine Oktanzahl von 98 aufweist. Das soll einen ruhigen Lauf des Motors auch bei hohen Drehzahlen gewährleisten ohne Fehlzündungen und ohne einen übermäßigen Verschleiß, zum Beispiel von Kolben, Ventilen oder dem Zylinderkopf.
Wie umweltfreundlich ist Bioethanol?
Die Nutzung erscheint unproblematisch, weil auf anderen großen Automärkten wie in Brasilien oder in Indien heute schon Benzin getankt wird mit einem teilweise noch höheren Alkohol-Anteil als die geplanten 20 Prozent Bioethanol. „Bio“ heißt es, weil ein Großteil des Ethanols aus pflanzlichen also nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird. Im Gegensatz zu Öl und Gas gelten Ausgangsstoffe wie Zuckerrohr, Mais oder sonstige Biomasse als weitgehend klimaneutral. Das CO2 das bei der Verbrennung freigesetzt wird, wurde vorher aus der Atmosphäre beim Pflanzenwachstum gebunden.
Konkurrenz von Tank und Teller verschärft sich mit mehr Bioethanol
Dennoch gibt es Kritik an der möglichen Konkurrenz von „Tank und Teller“, wenn auf großen landwirtschaftlich genutzten Flächen statt Nahrungs- und Futtermitteln letztlich nur Vorprodukte für Kraftstoffe angebaut werden. So kritisieren NGOs wie Brot für die Welt, dass die Nachfrage nach Biokraftstoffen die Lebensmittelpreise treibt und global Hungerkrisen verschärfen kann. Potential bei der Gewinnung von Biokraftstoffen haben aber auch Bioabfälle.
Wer kann ab 2027/2028 mit E20 fahren?
Nur wenige Autos vertragen die geplante Verdoppelung der Beimischung von Bioethanol nicht. In der Regel sind das die Fahrzeuge, die heute schon auf Super Plus angewiesen sind. Das sind entweder ältere Fahrzeuge oder Sportwagen mit hoch aufgeladenen Turbomotoren, zum Beispiel von Porsche oder einige VW-Modelle. Ab nächstem Jahr ist eine schrittweise Markteinführung des neuen Benzins geplant, und fast alle aktuellen Modelle sind geeignet. So heißt es beim Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA).
Hersteller geben viele Fahrzeuge für E20 frei – aber nicht alle
Bis auf wenige hochaufgeladene Turbo-Motoren (jenseits der Marke von 300 PS) hat die deutsche Automobilindustrie schon grünes Licht gegeben für das neue Superbenzin E20. Empfehlungen gibt es auch vom ADAC, der darin eine wirksame Maßnahme sieht, den CO2-Ausstoss im Verkehr zu senken. Vor allem bei älteren Fahrzeugen stellt sich aber die Frage, ob E20 mit dem verdoppelten Anteil von Bioethanol gegenüber dem herkömmlichen E10 nicht Schäden am Motor anrichten könnte.
In wenigen Fällen werden insbesondere einige Aluminiumteile in den Kraftstoffpumpen sowie Gummidichtungen angegriffen, die möglicherweise bei der Herstellung noch nicht auf den erhöhten Bio-Anteil ausgelegt waren. Grundsätzlich sollten sich Autofahrer am besten beim Hersteller informieren. Für Neufahrzeuge gibt es vom VW-Konzern Freigaben sogar für einige Sportwagen von Audi, sowie für fast alle anderen aktuellen Modelle von BMW und von Mercedes. Ähnlich ist die Situation bei ausländischen Importmarken.
Bis 300 PS nur wenige Ausnahmen von E20-Nutzung bei VW
Pauschal erteilte der VW-Konzern eine Freigabe ab dem Modelljahr 2016 für fast alle Autos der Marken Audi, Cupra, Seat, Skoda und Volkswagen. Dazu gehören auch PS-starke Fahrzeuge wie der Audi RS 6 oder der Audi R8. Eine Ausnahme sind 2,0-Liter-Turbomotoren mit mehr als 300 PS (221 kW), wie sie im Golf „R“ und im „GTI Edition 50“ verbaut sind. Um ganz sicher zu sein, bleibt am Ende nur eine Recherche beim Hersteller für das eigene Fahrzeug.

