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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Geld verbrannt, Geschäft erfunden? Insolvenzverwalter sagt aus
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Geld verbrannt, Geschäft erfunden? Insolvenzverwalter sagt aus

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 9. Juli 2025 16:51
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Vor fast genau fünf Jahren, Ende Juni 2020, kollabierte Wirecard. Seitdem befasst sich Insolvenzverwalter Michael Jaffé intensiv mit dem Aschheimer Zahlungsdienstleister und versucht, im Interesse der Gläubiger, Gesellschaften und die verbliebenen Einzelteile des früheren Dax-Konzerns zu veräußern.

Inhaltsübersicht
1,1 Milliarden Euro – für eine angebliche „Erfolgsgeschichte“Jaffé: Kein Nachweis für Drittpartner-Geschäft„Skurrile“ Gespräche mit dem angeblichen Wirecard-Treuhänder

„Die Ausgangslage war enorm komplex“, erinnert sich Jaffé, kurz nachdem er am Morgen als Zeuge im unterirdischen Verhandlungssaal des Landgerichts München auf dem Gelände der JVA Stadelheim Platz genommen hat.

1,1 Milliarden Euro – für eine angebliche „Erfolgsgeschichte“

Der Wirecard-Insolvenzverwalter kommt schnell zum Punkt, spricht von einem erheblichen „Cashburn“, den es über Jahre gegeben habe: „Das Unternehmen hat Geld verbrannt, 1,1 Milliarden Euro.“ Das habe geschehen müssen, um die „Erfolgsgeschichte aufrechtzuerhalten“, sagt Jaffé. Das Geld hat sich Wirecard bei mehreren Banken besorgt, die dem Konzern lange bereitwillig Kredit gewährt haben.

Jahrelang kannten die Geschäfte des Aschheimer Zahlungsdienstleisters nur eine Richtung – nach oben. Entsprechend schoss der Aktienkurs in die Höhe. Im September 2018 gelang Wirecard sogar die Aufnahme in den Kreis der damals 30 größten Aktiengesellschaften in Deutschland, in den DAX. Die Commerzbank schied dafür aus.

Eine entscheidende Rolle bei dieser Entwicklung spielte dabei das Wirecard-Geschäft mit ausländischen Drittpartnern. Die Frage, ob dieses sogenannte „TPA-Business“ überhaupt existiert hat, ist nach wie vor der Dreh- und Angelpunkt des Wirecard-Skandals und des Strafprozesses am Landgericht München.

Seit Anfang Dezember 2022 müssen sich der frühere Wirecard-Chefbuchhalter Stephan von Erffa, der ehemalige Statthalter des Unternehmens in Dubai, Oliver Bellenhaus, und Ex-CEO Markus Braun unter anderem wegen des Verdachts der Falschdarstellung und des bandenmäßigen Betrugs verantworten.

Jaffé: Kein Nachweis für Drittpartner-Geschäft

Braun vertritt in diesem Verfahren bis heute die These, eine Bande rund um den flüchtigen Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek sowie den Mitangeklagten Oliver Bellenhaus habe Konzern-Gelder veruntreut und Einnahmen aus dem Drittpartner-Geschäft auf Auslandskonten verschoben. Das sei ausgeschlossen, betonte Jaffé. Und: „Wir haben keine Grundlagen gefunden, die ansatzweise ein solches Geschäft dokumentieren und nachweisen.“

Dass der Wirecard-Insolvenzverwalter diese Meinung vertritt, ist nicht neu. In mehreren Sachstandsberichten hat er in den vergangenen Jahren wiederholt detailliert dargestellt, dass er und sein Team für die Existenz des von Wirecard über Jahre in die Bilanzen geschriebenen Auslands-Business mit Drittpartnern keine Belege gefunden hätten. Daran hielt Jaffé im Zeugenstand fest. Ein Geschäft mit einer angeblichen Größenordnung in Höhe von mehreren Milliarden – „die werden nicht lautlos bewegt“, sagte Jaffé.

„Skurrile“ Gespräche mit dem angeblichen Wirecard-Treuhänder

Ähnlich deutlich wurde der Insolvenzverwalter mit Blick auf Wirecard zustehendes Treuhandguthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, das nach offizieller Darstellung auf philippinischen Konten liegen sollte. Der Zahlungsdienstleister war im Juni 2020 kollabiert, weil diese Summe nicht auffindbar war. Jaffé erzählte, er und sein Team hätten damals mit dem angeblichen Treuhänder Kontakt aufgenommen – Mark Tolentino, einem philippinischen Scheidungsanwalt.

„Wir haben lange gesprochen, und es war klar, auf den Philippinen ist das Geld nicht“, erinnerte sich Jaffé, der die Gespräche mit dem vermeintlichen Treuhänder zudem als „skurril“ in Erinnerung behalten hat. Am Ende sei das Ergebnis gewesen, dass das Guthaben bei Tolentino nicht angekommen sei. „Das war völlig unstreitig“, genau wie die Tatsache, dass am Ende auch Bank-Belege gefälscht worden seien.

Die Kammer will den Insolvenzverwalter morgen, am 208. Prozesstag, weiter vernehmen. Spätestens dann bekommt die Verteidigung von Markus Braun Gelegenheit, ihm Fragen zu stellen. Es dürften viele sein. Nach Aussage von Gerichtssprecher Laurent Lafleur zeigt die Vernehmung Jaffés, dass die Beweisaufnahme bereits weit fortgeschritten ist, Jaffés Vernehmung sei davon eine Art Zusammenfassung. Wann mit einem Urteil zu rechnen ist, wollte Lafleur aber nicht sagen. Prozessbeteiligte rechnen damit für Ende dieses oder Anfang des kommenden Jahres.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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