Eine Prozentzahl finden, die für alle passt – für Firmen mit Problemen wie Autohersteller und ihre Zulieferer oder mit satten Gewinnen wie aktuell Rüstungsbauer. Und es soll zudem eine Forderung sein, die die Reallöhne garantiert, aber auch Arbeitsplätze sichert. Die IG Metall in Bayern hat diskutiert und eine Prozentzahl gefunden: Die Entgelte sollen um fünf Prozent erhöht werden bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Die Vergütung der Azubis soll um 110 Euro im Monat angehoben werden.
Schutz der Arbeitsplätze mit im Vordergrund
Im Beschluss tauchen weitere Themen auf. So will die Gewerkschaft angesichts der Lage der Branche mit den Arbeitgebern über die Zukunft der Metall- und Elektroindustrie sprechen. Wie lassen sich Arbeitsplätze und Standorte in Bayern sichern? Das war ja für die Automobilindustrie gestern schon ein Thema beim Aktionstag der Auto- und Zulieferindustrie. Über 20.000 haben sich laut IG Metall allein in Bayern daran beteiligt.
Nun gibt es aber auch Bereiche, wo die Geschäfte laufen: die Rüstungsindustrie zum Beispiel. Davon sollen dann aber auch die Beschäftigten profitieren, meint die IG Metall. Sie könnte sich da eine tarifliche Gewinnbeteiligung vorstellen. Für die unteren Lohngruppen bringt sie eine soziale Komponente ins Spiel, also eine Einmalzahlung zum Beispiel. Die schlägt bei geringer Verdienenden – auch die gibt es in der Metall- und Elektroindustrie – mehr zu Buche.
Um längere Arbeitszeiten geht es erst einmal nicht. Der Tarifvertrag zur 35-Stunden-Woche wurde nicht gekündigt. Wenn beide Seiten einverstanden sind, könnte aber auch das noch ein Thema werden.
Vorstand muss noch entscheiden
Der Vorstand der Gewerkschaft in Frankfurt muss die Ergebnisse aus allen Bezirken morgen noch endgültig verabschieden. Jeder regionale Bezirk wie Bayern fordert eigens und verhandelt selbst. Das Ganze wird aber koordiniert und endet oft mit einem Pilotabschluss. Beim letzten Mal lieferten die Tarifparteien in Bayern gemeinsam mit dem Bezirk Küste. Für Host Ott, IG Metallchef in Bayern ist das für Firmen finanzierbar. „Mit unserer Forderung beweisen wir Augenmaß, stärken die Kaufkraft der Beschäftigten und setzen damit einen Wachstumsimpuls durch die Stärkung der Binnennachfrage“, sagte Ott dem Bayerischen Rundfunk.
Beschäftigte wurden befragt
Bevor eine Gewerkschaft eine Forderung zur Tarifrunde festlegt, befragt sie erst einmal ihre Mitglieder. Die wollen natürlich, dass steigende Lebenshaltungskosten ausgeglichen werden und vielleicht noch etwas obendrauf. Sie wollen aber auch nicht ihre Arbeitsplätze durch einen zu hohen Abschluss gefährden.
Das Ergebnis der Befragung zeigt die unterschiedliche Lage: Fast die Hälfte bewertet die in ihrem Betrieb zwar mit gut oder sogar sehr gut. Jeder vierte aber auch mit schlecht oder sehr schlecht. In puncto Lohnplus sprechen sich die meisten für eine moderate Erhöhung aus. Dabei hat die Gewerkschaft immer auch die Zielinflationsrate der EZB (zwei Prozent) und den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwachs im Blick. Hinzu kommt die so genannte Umverteilungskomponente.
Arbeitgeber warnen vor überhöhte Forderungen
Nun baut die Branche auch in Bayern gerade Arbeitsplätze ab. Rund 836.000 Beschäftigte stehen auf den Gehaltslisten. Es waren schon einmal deutlich mehr. Laut Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie vbm wurden heuer bisher schon fast 11.000 Stellen abgebaut. Und es könnten bis Jahresende noch mehr werden. Davor warnen die Arbeitgeber. Die Forderungen der IG Metall Bayern seien in der Höhe überzogen, wirtschaftlich nicht tragfähig und würden die heterogene Lage der Branche verkennen, beklagt der vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossart. Die gewünschte Tarifsteigerung würde die Unternehmen inakzeptabel belasten, einen weiteren Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bedeuten und den Beschäftigungsabbau beschleunigen, so seine Befürchtung.
Von einer Nullrunde ist da in Bayern zwar nicht die Rede. Aber die Arbeitskosten müssten insgesamt gesenkt werden – unter anderem durch einen nicht zu hohen Tarifabschluss, der je nach Lage der Betriebe flexibel auf die aktuelle Krisensituation reagiert. Flexibel ja – heißt es von Seiten der Gewerkschaft. Aber dann auch flexibel nach oben, also mehr für die Beschäftigten in den Betrieben, denen es gut geht. Die Forderung nach einer zusätzlichen Zahlung für gut gehende Unternehmen stelle das Prinzip eines Flächentarifvertrags, nämlich die einheitlichen Regelungen der Arbeitsbedingungen einer Branche, sehr grundsätzlich in Frage, kontert Brossardt.
Verhandlungsauftakt im Oktober
Leichte Gespräche dürften das am Verhandlungstisch nicht werden. Am 8. Oktober treffen sich in München Gewerkschaft und Arbeitgeberverband zur ersten Tarifrunde für Bayern. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober. Danach könnte die IG Metall zu ersten Warnstreiks aufrufen.

