Die Geschichte beginnt an der TU München: Drei Forscher vom Lehrstuhl für Robotik und künstliche Intelligenz gründen im Jahr 2020 RobCo. Sechs Jahre später gehört das Unternehmen zu den sogenannten „Einhörnern“: junge, nicht börsennotierte Firmen, die mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet werden. RobCo reiht sich damit in eine illustre Runde von Bayerischen Einhörnern ein.
Einhorn-Hochburg Bayern
RobCo, ein Hersteller von Industrierobotern für Mittelständler, ist nämlich nicht das einzige bayerische Robotik-Startup mit Milliardenbewertung: Agile Robots sitzt ebenfalls in München und entwickelt KI-gestützte Robotik- und Automatisierungslösungen. Den Einhorn-Status erhielt das Unternehmen bereits 2021. Bundesweit gehört auch Neura Robotics aus Metzingen in Baden-Württemberg zu diesem Kreis.
Insgesamt ist der Freistaat laut Wirtschaftsministerium bei künstlicher Intelligenz, Deeptech und Verteidigungstechnik stark aufgestellt. Dazu gehören etwa der KI-Rüstungsspezialist Helsing, der Drohnenhersteller Quantum Systems aus Gilching, der Raketenbauer Isar Aerospace aus Ottobrunn und das Fusionsenergie-Start-up Proxima Fusion, das seinen Einhorn-Status vor drei Monaten erhielt. Hinzu kommen Software-Firmen wie Celonis und Personio. Laut dem Deutschen Startup Monitor 2026 haben nunmehr 14 der 40 deutschen Einhörner ihren Sitz in Bayern, die meisten davon in München und Umgebung.
Finanzierungs-Aufschwung für Start-Ups
2026 war bislang ein gutes Jahr für Start-Ups, vermeldet der Deutsche Startup-Verband in seinem aktuellen Monitor: Bis September konnten sie acht Milliarden Euro Wagniskapital einsammeln, 500 Millionen Euro mehr als im gesamten Vorjahr. Die größten Profiteure waren dabei die etablierten Player: Allein Helsing erhielt im Juli 1,8 Milliarden Dollar.
Auch RobCo profitierte zuletzt von einer Finanzierungsrunde von 40 Millionen Dollar. Langjährige Mitarbeiter konnten dabei eigene Firmenanteile verkaufen. Nötig gewesen wäre das Geld laut Firmenchef Roman Hölzl nicht: RobCo habe noch rund 100 Millionen Dollar auf der Bank, sagte er dem „Handelsblatt“. Für das Ziel, vor allem in den USA zu wachsen, ist Hölzl selbst nach Amerika gezogen. Noch macht RobCo aber 70 Prozent seines Geschäfts in Europa.
RobCo bietet Roboter aus dem Baukasten
RobCo will Industrieroboter so einfach machen, dass auch kleine und mittlere Betriebe sie ohne aufwendige Programmierung einsetzen können. Das Unternehmen liefert dafür eine Art Baukasten: Kunden stellen sich ihren Roboterarm aus einzelnen Modulen zusammen. Gesteuert wird über eine eigene Software, die die Anlage als digitalen Zwilling abbildet. So lassen sich die Roboter auch aus der Ferne einrichten.
Nach ein bis zwei Tagen sind sie einsatzbereit, etwa um Paletten zu beladen, Maschinen zu bestücken oder Teile umzusetzen. Nach eigenen Angaben hat RobCo mehrere hundert Kunden und mehr als tausend Systeme verkauft. Im März soll „Alfie“ offiziell starten, ein zweiarmiger Roboter, der selbstständig arbeitet.

