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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Warum der KI-Boom Nvidia zur wertvollsten Firma der Welt macht
Wirtschaft

Warum der KI-Boom Nvidia zur wertvollsten Firma der Welt macht

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 21. Juni 2024 08:17
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Als der Chipproduzent Nvidia diese Woche Apple und Microsoft überholte, um die wertvollste Firma der Welt zu werden, fühlte es sich an wie das Finale einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. In den letzten zwei Jahren hat das Unternehmen seinen Börsenwert um das siebzig-fache gesteigert und ist nun über drei Billionen Euro wert.

Inhaltsübersicht
Woher kommt Nvidia?Wie Nvidia die KI-Welle reitetHohe Kosten für die besten ChipsEuropa im HintertreffenAktienkurs von Nvidia in vier Jahren auf das 15-fache gestiegen

Woher kommt Nvidia?

Nvidia wurde 1993 gegründet und entwickelte sich im Laufe der 00er-Jahre zu einem der wichtigsten Entwickler von Grafikprozessoren. Als Lieferant für Spielekonsolen und Gaming-Computer wurde Nvidia schnell ein wichtiger Name in der Videospiel-Szene – blieb außerhalb davon aber ein Geheimtipp.

Das änderte sich, als zunehmend klar wurde, dass Nvidias Technologie auch für andere Aufgaben genutzt werden konnte als für Computerspiele und Videobearbeitung. Grafik-Prozessoren, sogenannte GPUs, sind so konzipiert, dass sie viele Rechenoperationen gleichzeitig ausführen können und dabei mit großen Datenmengen hantieren. Das führte dazu, dass spezialisierte Nvidia-Chips schnell auch in anderen Bereichen eingesetzt werden: Etwa beim „Mining“ von Kryptowährungen wie Bitcoin.

Wie Nvidia die KI-Welle reitet

Dass Nvidia heute die wertvollste Firma der Welt ist, hat jedoch wenig mit Videospielen oder Kryptowährungen zu tun, sondern vor allem mit Künstlicher Intelligenz. Der große Anstieg der Aktie begann mit dem Hype rund um die Text-KI ChatGPT Ende 2022 – und genau wie das Thema KI lässt auch Nvidia bislang nicht nach.

Das Training und die Anwendungen von großen Sprachmodellen wie ChatGPT ist enorm rechenintensiv. Gigantische Datensätze müssen dafür verarbeitet und getestet werden – immer und immer wieder. Und genau das tut gerade die ganze Welt. Von großen Tech-Unternehmen wie Google und Microsoft, über Forschungseinrichtungen, Startups und die klassische Industrie – die ganze Welt möchte moderne KI-Modelle trainieren. Und wer das möchte, der benötigt dafür – fast immer – GPUs von Nvidia.

Tatsächlich tritt Nvidia dabei vor allem als Entwickler und Designer auf – die Chips selbst werden von Chipherstellern wie dem taiwanesischem Konzern TSMC gefertigt. Allerdings hat Nvidia in den letzten Jahren seine Infrastruktur rund um die „CUDA-Plattform“ sorgsam aufgebaut und gepflegt. Deshalb sind Nvidias Chips nicht nur die leistungsstärksten in der Branche, sondern für Software-Entwickler und KI-Startups oft alternativlos. Kein anderes Unternehmen hat ein so breites Ökosystem rund um die eigenen Produkte aufgebaut.

Hohe Kosten für die besten Chips

Dass Nvidias GPU-Zentren mit Namen wie H100 und B100 der Konkurrenz so weit voraus sind, heißt auch, dass das Unternehmen immer höhere Preise dafür verlangt. Die Nachfrage ist bereits seit Jahren höher als das Angebot – und deshalb kann ein H100-System bei Kosten von rund 3.000 Dollar in der Herstellung auch für 30.000 Dollar verkauft werden.

Die Kunden lassen sich das kosten: Der Tech-Konzern Meta hat dieses Jahr rund 30 Milliarden Dollar in Nvidia-GPUs investiert – viele andere Tech-Unternehmen zahlen ähnliche Summen. Forschungseinrichtungen und europäische Unternehmen bleiben da schnell auf der Strecke – sie können mit solchen Ausgaben nicht mithalten.

Europa im Hintertreffen

Beobachter der europäischen Industrie blicken deshalb immer wieder skeptisch auf die Lage rund um Nvidia: „Da befinden wir uns schon fast in einem monopolitischen Zustand“, meint Daniel Abbou vom KI Bundesverband im Interview mit dem KI-Podcast von BR24 und SWR. „Wenn man sich die Zahlen anschaut und den Nvidia-Vorsprung da sieht, dann wird es eine ganze Weile brauchen, um den aufzuholen.“

Das solle aber nicht heißen, dass das Rennen schon verloren sei: „Sondern vielmehr, dass man endlich versteht, dass es da Investitionen, Innovationen und Förderungen braucht.“ Dann bestehe auch weiterhin Hoffnung auf eine europäische Chip-Industrie und den Einsatz von GPUs durch europäische Unternehmen.

Aktienkurs von Nvidia in vier Jahren auf das 15-fache gestiegen

Diese Hoffnung ist bitter nötig: Nach aktuellem Stand ist Nvidia alleine mehr als eine Billion Euro mehr wert als alle börsennotierten deutschen Unternehmen zusammen. Der Konzern beherrscht rund 80 Prozent des Weltmarktes für KI-Spezialprozessoren. Das spiegelt sich wiederum im Aktienkurs wider. Wer vor vier Jahren für 1.000 Euro Nvidia Aktien gekauft hatte, hat jetzt über 15.000 Euro im Depot liegen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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