Für Karolina beginnt der Ernst des Studiums dort, wo andere ihren Urlaub starten: am Flughafen München. Sie ist im dritten Semester ihres dualen Studiums beim Zoll. Nach zwei Semestern Theorie an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Münster steht nun die erste große Praxisphase an – und die wird benotet. „Es gibt Bewertungsbögen. Jeder Ausbilder, also jeder Beamte, der mir etwas beibringt, kann mich bewerten – und das fließt in meine Note ein“, erklärt Karolina.
Waffen- und Drogenkontrolle: Einsatz beim Zoll am Flughafen München
Ihre erste Station am Flughafen ist die Waffen- und Drogenkontrolle. Koffer laufen über das Band, werden per Röntgengerät durchleuchtet. Zusammen mit Hauptzollsekretärin Leonie kontrolliert Karolina, ob sich möglicherweise verbotene Medikamente, Waffen oder Drogen in den Koffern befinden.
Das Röntgenbild zeigt bei einem Koffer einen verdächtigen Gegenstand. Karolina untersucht das Gepäckstück mit Kollegin Leonie genau. Doch der verdächtige Gegenstand erweist sich als harmlose Instant-Nudeln. Fehlalarm, der Koffer darf zurück aufs Band. „Das ist alles Neuland für mich“, sagt Karolina. Im Verdachtsfall kommt auch Drogenspürhund Kelso zum Einsatz. Zeigt er besonderes Interesse, werden die Gepäckstücke intensiv kontrolliert.
Einreisekontrolle: Dopingmittel, Eigensicherung und Verantwortung
Karolinas nächste Station ist die Einreisekontrolle. Gemeinsam mit einem erfahrenen Zollbeamten überprüft Karolina stichprobenartig Passagiere aus Nicht-EU-Ländern. Zwei Reisende aus Georgien müssen ihre Koffer öffnen. Im Gespräch stellt sich heraus: Sie sind Gewichtheber und führen Medikamente mit.
Jetzt geht es um mögliche Dopingmittel. Die Inhaltsstoffe werden mit offiziellen Listen abgeglichen. Gleichzeitig gilt höchste Vorsicht: „Eigensicherung hat oberste Priorität“, erklärt Zollamtmann René. Niemand greift unbedacht in ein Gepäckstück. Am Ende steht fest: keine verbotenen Substanzen. Die Medikamente werden freigegeben.
„Ich habe mir das ähnlich vorgestellt. Aber dass ich so gründlich und vorsichtig arbeiten muss, gerade beim Thema Eigensicherung, das habe ich nicht erwartet“, zieht Karolina Bilanz. „Ich habe früher gedacht, ich will unbedingt zur Finanzkontrolle Schwarzarbeit, aber jetzt, wo ich hier war und alles ein bisschen miterlebt habe, kann ich mir auch sehr gut vorstellen, am Flughafen zu arbeiten.“
Duales Studium beim Zoll: Bachelor of Laws mit Praxisbezug
Karolina strebt den Bachelor of Laws (LL.B) an der Hochschule des Bundes an. Das dreijährige duale Studium im gehobenen Dienst beim Zoll verbindet Theorie und Praxis. Die Studierenden wechseln zwischen Hochschule und Einsatzorten wie Flughafen, Zollfahndung oder Steuererhebung.
Auf dem Stundenplan stehen unter anderem allgemeines und besonderes Zollrecht, Steuerrecht und Verbrauchsteuern, BWL und VWL sowie Verwaltungspsychologie. Nach dem Studium ist eine Übernahme beim Zoll die Regel.
Auswahlverfahren beim Zoll: Nur 18 von 100 Bewerbern schaffen es
Der Weg ins Studium ist anspruchsvoll. In Karolinas Jahrgang bestehen nur 18 von 100 Bewerberinnen und Bewerbern das Auswahlverfahren. Nach der Online-Bewerbung folgt ein schriftlicher Test. Gefragt sind unter anderem Mathematik-Kenntnisse, Sprachverständnis und Allgemeinwissen. Wer ausreichend Punkte erreicht, kommt in die mündliche Runde, die aus Gruppendiskussion, Rollenspiel und einem Interview bestehen kann.
„Ich habe es sehr stark gewollt und mich entsprechend auch sehr gefreut. Ich glaube, ich habe sogar geweint, als ich den Brief bekommen habe, in dem stand, dass ich angenommen wurde“, sagt Karolina.
Gehalt im dualen Studium: Verdienst und Besoldung beim Zoll
Karolina erhält während des Studiums ein monatliches Grundgehalt vom Zoll (externer Link) von etwa 1.700 Euro brutto. Nach dem Abschluss erfolgt in der Regel die Übernahme in den Staatsdienst.
Die spätere Besoldung für Beamtinnen und Beamte des gehobenen Dienstes richtet sich nach den Besoldungsgruppen A9 bis A13 des Bundesministeriums des Inneren (externer Link).
Karriere beim Zoll: Einsatzorte vom Flughafen bis zur Zollfahndung
Nach dem dualen Studium stehen Absolventinnen und Absolventen viele Wege offen. Einsatzorte sind etwa die klassische Zollkontrolle an Flughäfen und Grenzen, die Zollfahndung, die Hundestaffel oder der Wasserzoll.
„Ich bin zum Zoll gegangen, weil das alle meine Interessen abdeckt und wegen des Beamtenstatus. Ich wollte der Bundesrepublik Deutschland etwas zurückgeben. Ich komme aus Kroatien, und hier wurden mir alle Türen geöffnet“, sagt Karolina. Für sie ist der Beruf beim Zoll eine bewusste Entscheidung – und ein langfristiger Karriereweg.

