Eine gesunde Ernährung gilt als Grundpfeiler eines langen Lebens. Doch was für den einen gesund ist, kann für den anderen problematisch sein. Aktuelle Forschung zeigt: Pauschale Ernährungsempfehlungen greifen oft zu kurz, denn der Stoffwechsel, genetische Voraussetzungen, Aktivitätslevel, Stress und Schlaf beeinflussen maßgeblich und individuell, wie der Körper auf Lebensmittel reagiert.
Präventionsmedizinerinnen und -mediziner setzen deshalb auf Gesundheitsvorsorge, die auf jede Person einzeln zugeschnitten ist. Ziel ist es, individuelle Risiken früh zu erkennen und diesen gezielt entgegenzuwirken – lange bevor Krankheiten überhaupt entstehen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Risiken früh erkennen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin die häufigste Todesursache in Deutschland (externer Link) und verursachen insgesamt etwa 40 Prozent aller Sterbefälle. Ein Großteil dieser Erkrankungen wäre jedoch vermeidbar: Neben klassischen Faktoren wie Rauchen, ungesunder Ernährung oder Bewegungsmangel spielen auch genetische Risiken eine wichtige Rolle, etwa erhöhte LDL-Cholesterin-Werte oder Lipoprotein(a). Solche Risiken können schon bei jungen Erwachsenen auftreten – selbst bei sportlichen und schlanken Menschen –, ohne dass sie irgendwelche Symptome verspüren.
Die Präventionsforschung zeigt, wie wichtig eine frühe Diagnostik ist: Denn wer Risikofaktoren rechtzeitig kennt, kann Lebensstil oder Therapie gezielt anpassen und Gefäßschäden vorbeugen. Das individuelle Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre erstmals einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, lässt sich zudem mit einem Herz-Kreislauf-Erkrankungs-Risiko-Test (externer Link) auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung bestimmen.
Blutzucker und Stoffwechsel: Individuelle Reaktionen auf Lebensmittel
Ein zentrales Forschungsfeld der Präventionsmedizin ist der Zusammenhang zwischen Ernährung und Blutzucker. Hohe Blutzuckerspitzen gelten als Risikofaktor für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf dieselben Mahlzeiten: Während manche Personen auf Brot oder Reis kaum reagieren, erleben andere starke Blutzuckeranstiege. Eiweiß- und fettreiche Mahlzeiten können bei bestimmten Stoffwechseltypen stabilere Werte fördern. Die Erkenntnis: Nicht das Lebensmittel allein ist entscheidend, sondern der individuelle Stoffwechsel.
„Ich denke, die ideale Ernährung ist individuell sehr unterschiedlich. Es kommt sehr darauf an, wie alt jemand ist, welches Geschlecht er hat, wie der Stoffwechsel-Phänotyp dieses Menschen ist, und wie aktiv oder gestresst er ist. Das muss man sich im Einzelnen sehr gut anschauen, um den Menschen personalisierte Ratschläge geben zu können“, sagt Dr. Katharina Lechner im Podcast Science TeaTime. Sie ist Ärztin, forscht an personalisierten gesundheitlichen Präventionskonzepten und arbeitet am Helmholtz Zentrum München.
Schlaf und Bewegung: Schlüssel zur Prävention
Neben der Ernährung rücken auch Schlaf und Bewegung stärker in den Fokus der Forschung. Experimente belegen, dass chronischer Schlafmangel bereits nach wenigen Wochen zu Gewichtszunahme und vermehrtem, risikoreichem Bauchfett führen kann – selbst bei jungen Erwachsenen. Dieses Fett erhöht das Risiko für Entzündungen und Stoffwechselstörungen.
„Man braucht, sage ich jetzt mal ganz provokativ, gar nicht anzufangen, mehr Sport zu machen oder zu versuchen, sich vernünftiger zu ernähren, wenn man chronischem Schlafmangel ausgesetzt ist“, so Dr. Katharina Lechner.
Wie personalisierte Gesundheitsberatung Krankheiten vorbeugen soll
Die Ärztin führt am Helmholtz Zentrum München derzeit eine Studie mit persönlicher Gesundheitsberatung (externer Link) durch. 3.000 Teilnehmende werden dafür umfassend untersucht – unter anderem das Verhältnis von Muskel- zu Fettmasse, über Muskelkraft bis zu Blutwerten und Lebensstilfaktoren.
Ein Teil der Teilnehmenden erhält zusätzlich ein ärztliches Beratungsgespräch und wird ein Jahr lang digital begleitet – etwa über Coaching-Apps. Ziel ist es zu prüfen, ob personalisierte Rückmeldungen und digitale Unterstützung messbare Verbesserungen bei Gesundheit und Fitness bewirken. Erste Ergebnisse werden ab 2027 erwartet.
Die Forschung macht deutlich: Für die Gesundheit entscheidend sind ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und eine Ernährung, die zum eigenen Stoffwechsel passt. Personalisierte Prävention könnte helfen, chronische Erkrankungen deutlich zu reduzieren – vorausgesetzt, sie beginnt früh genug.

