Schon bei den Römern waren Wasserleitungen oft aus Blei. Allerdings ist lange bekannt, dass das Schwermetall giftig ist: „Eine Bleivergiftung führt zum Beispiel zu neurologischen Schäden oder zu einer Anämie, also Blutarmut“, weiß der Kinderarzt Stefan Böse-O’Reilly, Umweltmediziner an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Vergiftung tritt schleichend ein, Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Abmagerung sind unspezifisch. Im Extremfall kann eine Bleivergiftung tödlich sein, etwa bei Industriearbeitern in Schwellenländern. „Antrinken“ kann man sich eine tödliche Vergiftung mit Leitungswasser aber nicht.
Auch lange nach der Römerzeit sind die Bleirohre bei uns nicht ganz verschwunden. Für Hausanschlussleitungen, die von der Straße zu den Gebäuden führen, haben Wasserversorger vor allem in Nord- und Ostdeutschland noch bis etwa 1973 Blei verwendet. Heute sind sie aus Gusseisen, Stahl oder Kunststoff. In Teilen von Bayern, Württemberg und Baden ist das Schwermetall für Trinkwasserleitungen schon 1878 verboten worden.
Vereinzelt immer noch Wasserrohre aus Blei
Wie viele Hausanschlussleitungen heute noch aus Blei bestehen, dazu hat das Umweltbundesamt Zahlen veröffentlicht (externer Link): Etwa 15.000 Leitungen aus Blei gab es zum Zeitpunkt der Umfrage bei Wasserversorgern im Jahr 2021. „Für alle Gebäude in Deutschland ist das ein Anteil von 0,8 Promille“, berichtet Thomas Rapp, Fachgebietsleiter Trinkwasserverteilung am Umweltbundesamt.
Dabei ist in den letzten Jahrzehnten der Grenzwert für Blei im Trinkwasser (externer Link) mehrfach gesenkt worden. Seit 2013 beträgt er 10 Mikrogramm pro Liter. „Wir sind davon ausgegangen, dass dieser Wert nicht einzuhalten ist, wenn immer noch Bleileitungen verbaut sind“, erklärt Rapp. Tatsächlich war es für die zuständigen Gesundheitsämter im Einzelfall aber schwierig, Überschreitungen nachzuweisen. Das ist nun nicht mehr nötig: Wasserleitungen und Teilstücke aus Blei sind ab 12. Januar 2026 ausnahmslos verboten und müssen ausgetauscht werden. Zwei Jahre später wird der Grenzwert noch einmal gesenkt: Ab 2028 sind es nur noch 5 Mikrogramm pro Liter.
Blei-Installationen innerhalb von Gebäuden
Auch im Inneren von Häusern ist der Austausch verpflichtend. Wie viele Leitungen dort noch aus Blei sind, wollte das Umweltbundesamt von Installationsbetrieben wissen. Von denen, die antworteten, traf im Schnitt jeder etwa neun Bleiinstallationen pro Jahr an. Die Behörde rechnet entsprechend mit einem Anteil von 0,2 Prozent aller Gebäude in Deutschland.
Vor allem ältere Gebäude betroffen
Vor allem ältere Eigenheime sind betroffen. „Die Eigentümer lassen sich kaum zum Umbau bewegen“, berichtet einer der Fachbetriebe, denn sie scheuten die teils fünfstelligen Kosten. Allerdings haben auch Hauseigentümer jetzt nicht mehr die Wahl: Hat ein Gesundheitsamt Kenntnis von einer noch vorhandenen Bleileitung, muss es deren Austausch anordnen und kann ihn notfalls mit einem Zwangsgeld durchsetzen.
Auch Mieter können hier aktiv werden, darauf weist die Stiftung Warentest (externer Link) hin: Wird in ihrem Trinkwasser der Grenzwert für Blei überschritten, können sie das Gesundheitsamt einschalten. Nur zugelassene Trinkwasseruntersuchungsstellen können dabei verbindliche Messungen vornehmen.
Blei in verzinkten Rohren und Messing-Armaturen
Dass das Schwermetall mit einem Verbot von Bleileitungen jedoch nicht aus der Welt ist, zeigt eine Untersuchung (externer Link), die das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit 2023/24 durchgeführt hat: Bei 1,4 Prozent der Trinkwasserproben aus Kindergärten und Schulen wurde der Grenzwert für Blei überschritten, obwohl Leitungen aus dem Schwermetall in Bayern schon seit fast 150 Jahren nicht mehr verlegt werden dürfen. Als Quelle vermutet die Behörde verzinkte Rohrleitungen aus Stahl, denn der Zinküberzug enthält Blei als Verunreinigung.
Auch Armaturen aus Messing können Blei enthalten und ins Trinkwasser abgeben. Welche das nicht tun, darüber gibt eine „Positivliste“ (externer Link) des Umweltbundesamts Auskunft. „Diese Liste gilt verbindlich in Deutschland“, betont Rapp. Andere Armaturen im Internet zu bestellen und selbst zu montieren, ist also für die eigene Gesundheit keine gute Idee. Und zudem verboten – ebenso wie jetzt Hausanschlüsse und Installationen aus Blei.

