Ein Felssturz an der Zugspitze hat diese Woche erneut gezeigt, wie stark sich die Bedingungen in den Alpen verändern. Welche Folgen der Klimawandel für die Berge, den Tourismus und die Menschen vor Ort hat, darüber wurde auch bei „Mitreden! Deutschland diskutiert“ gesprochen, diesmal mit Publikum in Lenggries im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
Lenggrieserin Hilde Gerg: Mit den Skiern zur Schule
Von den Pisten in Lenggries bis zur Olympiamedaille – hier liegen die Anfänge der Skikarriere von Hilde Gerg. Früher sei sie im Winter sogar mit den Ski zur Schule gefahren: Von Dezember bis März habe fast durchgehend genug Schnee gelegen. „Zu 99 Prozent“, erinnert sich Gerg.
In den vergangenen 20 Jahren sei das zunehmend schwieriger geworden – durch den Rückgang des Schnees, auch in den Gletschergebieten. Für sie ist es als Lenggrieserin ein emotionales Thema, denn auch die „Jungen“ wollen Skifahren können. Wie eng der Wintersport mit dem Ort verbunden ist, bringt Gerg mit Hinweis auf die jüngsten trockenen Monate auf den Punkt: „Lenggries ohne Skifahren ist wie Sommer ohne Wasser.“
Sorgen über Preisentwicklung – auf beiden Seiten
Auch die Kosten spielen in der Diskussion eine Rolle. Die Einheimisch Anita Priller sagt, bislang könne sie sich die Saisonkarte noch leisten; mit Blick auf die weitere Preisentwicklung mache sie sich aber Sorgen.
Antonia Asenstorfer, Geschäftsführerin der Bergbahnen Brauneck und Wallberg, betont, man wolle die Preise auf einem „guten Niveau“ halten. Gleichzeitig müsse man aber auch steigende Personal- und Energiekosten berücksichtigen.
Warum sich die Alpen besonders schnell erwärmen
Die Alpen haben sich bereits deutlich erwärmt – stärker als der globale Durchschnitt und auch stärker als andere Teile Europas, erklärt Simon Plentinger vom ARD KompetenzCenter Klima, das die Veranstaltung gemeinsam mit dem Radioteam von BR24 organisiert hat. Im Gebirge verstärke unter anderem der sogenannte Albedo-Effekt diese Entwicklung. Die Veränderungen treffen damit nicht nur die Natur, sondern auch Wintersportorte, deren Tourismus lange auf verlässliche Schneeverhältnisse ausgerichtet war.
Ski- und Bergführer Thomas Wanner kann daraus etwas Positives ziehen: Dass die Veränderungen an den Gletschern so gut sichtbar seien, könne hilfreich sein. Denn das verstärke den „Wake-up-Call vielleicht doch ein bisschen“, sagt Wanner.
Klimawandel macht Bergsport gefährlicher
Die Erderwärmung verändert nicht nur das Landschaftsbild der Alpen, sondern auch die Bedingungen für Bergsteiger. Schmelzende Gletscher verändern Routen, freigelegtes Gestein kann die Gefahr von Steinschlägen erhöhen. Auch tauender Permafrost kann Felsen destabilisieren.
Wie aktuell das Thema ist, zeigt der Felssturz an der Zugspitze: Über Stunden lösten sich dort große Gesteinsmassen, die Dimension des Abbruchs war laut Bergwacht ungewöhnlich. Der schwindende Permafrost könne dazu beitragen, dass solche Gesteinsabbrüche zunehmen.
Für Thomas Wanner ist deshalb auch der eigene Umgang mit der Erderwärmung entscheidend. Im Deutschen Alpenverein versuche man, „ein gutes Vorbild zu sein“ und der Bevölkerung zu zeigen, dass es „vielleicht auch mit weniger CO2“ gehe.
Eine Idee: Seilbahn zur Seilbahn
Die Anreise verursacht einen großen Teil der Emissionen beim Skisport. Matthias Rajmann aus München brachte deshalb bei „Mitreden!“ eine Idee ins Spiel: den Bahnhof in Lenggries mit einer Seilbahn zu verbinden, die direkt zur bestehenden Bergbahn führt. Eine „Seilbahn zur Seilbahn“ also.
Bürgermeister Stefan Klaffenbacher hält solche Überlegungen grundsätzlich für möglich, verweist aber auf die praktische Umsetzung: „Es muss natürlich immer finanzierbar sein.“ Zudem müsse ein solches Projekt mit dem Naturschutz vereinbar sein und es brauche geeignete Flächen für Berg- und Talstationen. Antonia Asenstorfer sieht in Seilbahnen durchaus Potenzial. Der Bau sei immerhin „wesentlich billiger als U-Bahnen oder S-Bahnen“.

