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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Nitrat im Grundwasser: Steigende Belastung in Bayern
Wissen

Nitrat im Grundwasser: Steigende Belastung in Bayern

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 31. Oktober 2025 09:47
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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50 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser: Das ist der EU-Grenzwert für Trink- und Grundwasser. Eine Schutzmaßnahme, weil Nitrat zu Gesundheitsschäden führen kann. Um herauszufinden, wo mehr als 50 Milligramm Nitrat im Grundwasser sind, hat Bayern in den letzten Jahren an rund 1.650 Grundwasser-Messstellen den Nitratgehalt analysiert.

Inhaltsübersicht
Bayern: Ein FleckerlteppichWoher kommen die hohen Nitratwerte in Mittelfranken?Nitrat kein Problem im TrinkwasserWas kommt nach den roten Gebieten?Zu viel Dünger: „Ein großes Problem“

Bayern: Ein Fleckerlteppich

Bayern hat in den vergangenen drei Jahren das Nitratmessstellennetz ausgebaut, mehr als 800 neue Messstellen geschaffen. Das Ergebnis: Ein noch kleinteiligeres Muster aus Gegenden, in denen das Grundwasser mehr beziehungsweise weniger als 50 Milligramm Nitrat hat. Rote Gebiete wurden ausgewiesen, wenn der Nitratgehalt den Grenzwert überschritten hat. Den aktuellen Untersuchungen zufolge trifft das auf insgesamt 18,5 Prozent der Fläche Bayerns zu. Unterm Strich sind das fast 40.000 Hektar mehr Fläche als noch vor drei Jahren.

Woher kommen die hohen Nitratwerte in Mittelfranken?

In Mittelfranken haben die Flächen mit mehr als 50 Milligramm Nitrat im Liter Grundwasser besonders stark zugenommen. Dabei gibt es hier eher wenig Tierhaltung, also auch wenig Gülle, verglichen mit dem Alpenvorland zum Beispiel.

Woher kommen die hohen Werte dann? Ein Grund sind die geringen Niederschläge in Mittelfranken. Weil es hier weniger regnet als zum Beispiel in Südbayern, werde das Nitrat im Grundwasser weniger verdünnt, so Thomas Keller, der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Ansbach. „Und wir haben eine sehr kleinparzellige Geologie mit Ineinandergreifen von unterschiedlichen Gesteinsschichten und dadurch ist das Ganze so volatil und ändert sich auch im Laufe der Jahre.“ Was heute über dem Grenzwert sei, könne in zwei Jahren darunter sein und umgekehrt.

Nitrat kein Problem im Trinkwasser

Die insgesamt 1.650 Messstellen in Bayern konzentrieren sich auf das oberste Grundwasserstockwerk. Weil man hier die Auswirkungen der Landwirtschaft merkt. Mehr Nitrat im oberen Grundwasser – beeinträchtigt das dann auch das Trinkwasser?

Markt Nordheim zum Beispiel hat eine eigene Trinkwasserversorgung. Das Wasser stammt aus verschiedenen Grundwasserschichten, nur zum Teil aus der obersten und hat gute Werte, sagt Bürgermeister Harald Endreß (ÖWU). „Der Abstand zum Grenzwert ist noch weit und deswegen mache ich mir keinerlei Sorgen über die Nitratbelastung.“

Aktuell muss kein fränkischer Wasserversorger sein Wasser wegen zu hohen Nitratgehalten aufbereiten. So die Auskunft der Staatsregierung (externer Link) auf eine Anfrage der Grünen Landtagsfraktion. Das Trinkwasser stammt häufig aus tieferen Grundwasserschichten.

Was kommt nach den roten Gebieten?

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am 24. Oktober 2025 die Ausweisung der roten Gebiete in Bayern aufgehoben (externer Link). Rote Gebiete sind die Flächen mit hohem Nitratwerten im Grundwasser, auf denen Landwirte weniger Stickstoff düngen dürfen. Denn die entsprechende Verwaltungsvorschrift der Bundesregierung ist nach Ansicht des Gerichts keine ausreichende Ermächtigungsgrundlage dafür. Eine Überraschung für viele.

Auch Landwirt Jürgen Dierauff, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes in Neustadt/Aisch – Bad Windsheim hat damit nicht gerechnet. Jetzt müsse der Gesetzgeber handeln. „Wir von den Verbänden wollen uns natürlich einbringen, denn wir wollen ja auch Grundwasserschutz.“ Gleichzeitig fordert er „praxisgerechte“ Lösungen ohne besondere Düngeeinschränkungen.

Zu viel Dünger: „Ein großes Problem“

Martin Stümpfig, Landtagsabgeordneter von Bündnis90/Die Grünen aus Mittelfranken meint: Die meisten Landwirte „machen das super, die machen eine gute fachliche Praxis“. Doch die wenigen, die zu viel Dünger ausbrächten, seien ein großes Problem. Er sieht Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) in der Pflicht: „Wir werden nicht drumherum kommen, eine Verursachergerechtigkeit hier endlich einmal einzuführen.“

Dass Handlungsbedarf besteht, ist unbestritten. Hat doch das Bundesverwaltungsgericht bereits Anfang Oktober klargestellt: Die Bundesregierung muss das Grundwasser besser vor Nitrat schützen. Anlass war eine Klage der Deutschen Umwelthilfe.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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