Für den Planetary Health Check 2026 (externer Link) erfassen Forschende des Potsdam-Instituts für Klimafolgeforschung (externer Link) „Vitalwerte“ der Erde: Daten zu Klima, Wasserhaushalt, Artenvielfalt, Zustand der Böden und Meere. Diese sollten sich in bestimmten Grenzen bewegen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Sieben dieser planetaren Grenzen (externer Link) der sogenannten Erdsystem-Prozesse sind mittlerweile überschritten.
Zu diesen Prozessen gehören: Klima, Integrität der Biosphäre, Landnutzung, Süßwasserkreislauf, biogeochemische Nährstoff-Kreisläufe wie Stickstoff, menschengemachte Substanzen sowie die Ozeanversauerung durch CO2-Emissionen.
Umweltschäden und Gefahren für den Menschen
Der Hauptautor der Studie, der Klimaforscher Boris Sakschewski (externer Link) warnt: „Der Druck auf alle planetaren Grenzen, die bereits außerhalb des sicheren Handlungsraums liegen, nimmt weiter zu. Damit steigt das Risiko großräumiger, langfristiger und potentiell unumkehrbarer Veränderungen. Gleichzeitig wird unser Spielraum diesen Problemen wirksam zu begegnen immer kleiner.“
Patientin Erde hat „angeschlagenes Immunsystem“
So zeige die Erde heute deutlich mehr „Symptome“, so die Forschenden: Rekordtemperaturen in Ozeanen und an Land, schwere Dürren in Europa, Waldbrände in Kanada und Europa, Hitzeextreme in Asien – all das seien Zeichen eines Systems, das aus dem Gleichgewicht gerät, so die an dem Bericht beteiligte Klimaforscherin Levke Caesar (externer Link): „Wie bei jemandem, der ein angeschlagenes Immunsystem hat, der dann häufiger krank wird und immer mal wieder einen Infekt hat.“
Artenschwund verursacht genetische Verarmung
Der Bericht warnt, dass jedes Jahr rund zehnmal mehr Arten aussterben, als die Erde langfristig verkraften kann, ohne massiv genetische Vielfalt zu verlieren. Boris Sakschewski, spricht davon, dass manche Forschende schon das „nächste große Massensterben“ kommen sähen. Mit jeder verschwundenen Art, so Sakschweski, schrumpft der Genpool, den Ökosysteme brauchen, um sich an Veränderungen anzupassen: Wälder, Savannen oder Meeresökosysteme können auf zusätzliche Belastungen wie Klimawandel und Dürren immer schlechter reagieren.
Wichtige Kohlenstoffsenken verlieren ihre Wirkung
Wälder und Böden sind Kohlenstoffsenken. Sie nehmen einen beträchtlichen Teil der menschengemachten Emissionen auf und puffern so den Klimawandel ab, betonen die Forschenden. Doch wiederholte Hitze, Dürren, Brände und die Zerstörung von Ökosystemen können diese Funktion umkehren: Aus Senken werden Quellen, die zusätzlich CO₂ freisetzen.
Der Planetary Health Check 2026 stellt die Frage, ob gängige Modell-Berechnungen für die Zukunft die Widerstandskraft dieser Senken überschätzen. Wenn Wälder großflächig geschädigt sind oder Böden ausgelaugt werden, sinkt ihre Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern. Das ist brisant, denn, so Boris Sakschweski, nahezu alle Klimastrategien für Netto-Null-Emissionen bauen darauf, dass diese natürlichen Speicher zuverlässig funktionieren.
Ozeane versauern und schwächen Meereslebewesen
Auch die Ozeane – laut Levke Caesar eine „wichtige biologische Pumpe“ – geraten stark unter Druck. Die Meereslebewesen hätten jahrzehntelang enorme Mengen aufgenommen, zum Meeresgrund transportiert und so die Erderwärmung abgebremst. Doch diese natürliche Funktion schwächt sich ab, weil zunehmende Versauerung durch den Eintrag des sauren CO₂ diese Organismen – wie etwa Korallen oder Schalentiere – schwächt.
Eintrag von Dünger aus der Landwirtschaft führt zu „Todeszonen“
Die Einträge von Nährstoffen durch die Überdüngung der Landwirtschaft bringt die biochemischen Kreisläufe durcheinander. Stickstoff und Phosphor sorgen für übermäßiges Algenwachstum, das letztlich den Sauerstoff in den Meeren aufzehrt. Die Folge, so Sakschweski, sind „Todeszonen, die gar keinen Sauerstoff mehr haben und auch kein Licht mehr durchlassen. Das sind ganz, ganz krasse Bilder, die wir da gerade sehen.“ Die Ozeane verlieren ihre Funktion als Kohlenstoffsenke, der Klimawandel würde dann verstärkt und beschleunigt werden.
Forderung nach besserem Umgang mit Ressourcen
Sakschewski fordert einen wesentlich effizienteren Einsatz von Düngemitteln und eine deutliche Ausweitung von Recycling, um Verluste zu verringern. Flächen müssten besser genutzt werden, mit mehr Raum für Regeneration von Böden und Ökosystemen.
Auch beim Konsum sieht der Bericht großes Potenzial: eine stärker pflanzenbasierte Ernährung, weniger Verschwendung, und Schluss mit Praktiken, die anderswo auf der Welt Waldzerstörung und zusätzlichen Biodiversitätsverlust verursachen.
Der Planetary Health Check resümiert: Es sei noch Zeit für ein Umschwenken, um dem Planeten Erde zu einer stabilen, auch für den Menschen sicheren Zukunft zu verhelfen, aber das Zeitfenster werde immer kleiner.

