Die beiden Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava in Tschechien wollen im Sommer erneut herausfinden, wo bedrohte Käferarten leben und wieviele es davon gibt. Besonderen Fokus legen die Forscher dabei auf die Art „Peltis Grossa“, einer von insgesamt 16 sogenannter Urwaldreliktkäferarten, die in der Region nachgewiesen sind.
Das sind Käferarten, die auf natürliche Lebensräume angewiesen sind. Bis er vor etwa sechs Jahren wieder aufgetaucht ist, galt dieser Flachrand-Käfer mehr als 100 Jahre als ausgestorbene Art.
Forschung mithilfe von naturbegeisterten Laien
Ziel des Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit Laien ist, einen Vergleich mit einer vorhergehenden Studie von vor sechs Jahren zu erhalten und die Ausbreitung unter anderem von Pelits Grossa zu dokumentieren.
Dazu sollen laut Nationalparkverwaltung zwischen Mitte Mai und Ende August in Bayern 54 verschiedene Waldflächen untersucht werden, in Tschechien 50. Neben Peltis Grossa werden auch die Vorkommen der Arten Pelis Ferruginea und Thymalus Limabuts erforscht. Wer sich als Laie an der Suche nach Peltis Grossa und anderen Urwaldreliktkäfern beteiligen will, kann sich direkt bei der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald (externer Link) in Grafenau melden.
Urwaldkäfer auch für Laien gut erkennbar
Auch Laien erkennen – nach einer kurzen Einführung durch Experten – den Käfer sehr gut. Das sagt Jörg Müller, der Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald. In der Nacht ist Peltis Grossa leichter zu finden, da er, wie viele Käfer, unter Tags eher versteckt lebt und in der Nacht seinen Unterschlupf verlässt und aktiv wird.
Peltis Grossa galt im Bayerischen Wald lange als ausgestorben, da durch die Intensivierung der Forstwirtschaft das Totholz und damit sein Lebensraum fehlte. Dadurch, dass der Buchdrucker, auch Borkenkäfer genannt, ab den 1990er-Jahren eine große Menge an Totholz produziert hat, konnte Peltis Grossa sich wieder im Bayerischen Wald ansiedeln.
Urwaldkäfer profitiert von Totholz
Jörg Müller, Leiter des Sachgebiets Naturschutz und Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald, freut sich auf die Suche nach dem Urwaldkäfer Peltis Grossa. „Er ist ein unheimlich wichtiger Zeiger für uns, dass der Nationalpark auf dem richtigen Weg ist“, erklärt Müller BR-Interview. Der Nationalpark sei gegründet worden, um eine naturnähere Landschaft zu schaffen, die auch die Besucher erleben können. „Mit viel Totholz, viel Strukturen und Dynamik.“
Man könne ja verschiedener Meinung sein, wenn man vor einer großen Menge Totholz steht, sagt Müller. Für manche Menschen sei das erschütternd. Für den Peltis Grossa dagegen ist das Totholz ein Standort-Vorteil im Nationalpark Bayerischen Wald.

