Trotz Krisen und steigender Preise verreisen die Deutschen so viel und so häufig wie seit rund 20 Jahren nicht mehr. Sie geben mehr Geld für Urlaub aus und planen ihre Trips zunehmend frühzeitig, wie aus einer Studie hervorgeht, die die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen am Dienstag in Hamburg veröffentlichte. Demnach unternahmen im vergangenen Jahr 64 Prozent der Bundesbürger mindestens eine Urlaubsreise von fünf Tagen oder länger. Fast jeder Zweite (44 Prozent) verreiste sogar zwei- oder mehrmals – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu vor zehn Jahren. Für die „Deutsche Tourismusanalyse“, eine repräsentative Untersuchung, wurden laut der Stiftung im Dezember und Januar über 3.000 Deutsche ab 18 Jahren befragt.
„Die Strategie ‚Je öfter, desto besser‘ hat sich als wirksame Bewältigung gegen die Verdichtung und Beschleunigung des Alltags durchgesetzt“, erklärte der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Zukunftsforscher Ulrich Reinhardt. Man gönne sich Auszeiten bewusst als Gegenpol zu beruflichen Belastungen und globalen Unsicherheiten. Der Urlaub fungiere zunehmend als „letztes Refugium der Selbstbestimmung“, an dem selbst bei knapperer Kasse zuletzt gespart werde.
Deutschland bleibt Reiseziel Nummer eins
Der Stiftung zufolge gaben die Deutschen so viel Geld für ihren Urlaub aus wie noch nie. Die durchschnittlichen Ausgaben für die Hauptreise lagen bei 1.636 Euro pro Person und damit rund 100 Euro über dem Vorjahreswert. Auch die Tageskosten erreichten mit 130 Euro einen neuen Höchststand, mit 8 Euro oder 6,6 Prozent mehr als im Jahr 2024. „Das ist wirklich ein enormer Sprung“, sagte der wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung, Prof. Ulrich Reinhardt, bei der Vorstellung der 42. Tourismusanalyse seines Instituts.
Das liebste Urlaubsland der Deutschen ist den Angaben zufolge weiterhin das eigene: Mehr als ein Drittel (35 Prozent) wählten für ihre Haupturlaubsreise ein Ziel im Inland. Dabei konnten vor allem bayerische Ferienregionen zulegen. In Europa behauptete Spanien seine Spitzenposition, während Italien und Frankreich Marktanteile gewannen. Fernreisen nahmen ebenfalls zu: 17 Prozent der Urlaubsreisen führten außerhalb Europas, darunter verstärkt nach Nordafrika und Nordamerika.
Hohe Ausgaben in Griechenland und Spanien
Die Tagesausgaben von Inlandsurlaubern legten nur um 5 auf 122 Euro zu, Urlauber im europäischen Ausland zahlten mit 128 Euro 12 Euro mehr pro Tag. Besonders stark zogen die Ausgaben in Griechenland – plus 42 auf 147 Euro – und Spanien – plus 34 auf 143 Euro – an. „Griechenland und Spanien müssen aufpassen, das Rad nicht zu überdrehen“, sagte Reinhardt.
Wesentlich günstiger waren die Türkei, wo die deutschen Urlauber mit 108 Euro pro Kopf und Tag 16 Euro weniger als im Jahr 2024 ausgaben, sowie Kroatien, wo der Betrag sogar um 28 auf 97 Euro schrumpfte. Das EU-Mitgliedsland hatte zum 1. Januar 2023 den Euro eingeführt.
Die Reisedauer ist seit den 1980er Jahren gesunken, und zwar von 18 auf aktuell 13 Tage. Allerdings gaben 44 Prozent der Befragten an, sie würden zweimal oder öfter im Jahr verreisen. Zehn Jahre zuvor hatten das nur 18 Prozent gesagt.
Ausblick 2026: Zwei Drittel wollen wieder verreisen
Für 2026 erwartet die Stiftung erneut ein Rekordjahr. 66 Prozent erklärten, sie hätten schon eine oder mehrere Urlaubsreisen von mindestens fünf Tagen geplant. 18 Prozent sind noch unentschlossen, 16 Prozent haben keine Reisepläne.
Die Urlaubsziele liegen für 25 Prozent der Befragten mit Reiseabsichten im Inland. 42 Prozent wollen in diesem Jahr in das europäische Ausland reisen, 20 Prozent andere Kontinente besuchen. 13 Prozent wissen noch nicht, wohin ihre Reise geht. In Europa ist Spanien weiterhin das beliebteste Reiseziel, gefolgt von Italien, Skandinavien, Türkei, Griechenland, Frankreich, Österreich und Kroatien.
Mit Informationen von KNA und dpa

