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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Telekom eröffnet KI-Fabrik in München: Das steckt dahinter
Wirtschaft

Telekom eröffnet KI-Fabrik in München: Das steckt dahinter

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 4. Februar 2026 17:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Mit einem großen Lastenaufzug geht es mehrere Stockwerke nach unten. Dann heißt es für die Besuchergruppe: Kameras und Handys weg. Kritische Infrastruktur – nur keine Angriffsfläche bieten.

Inhaltsübersicht
Tausende Chips rechnen rund um die UhrInvestition in Deutschlands ZukunftAufatmen in der RegierungVollkommen unabhängig? Nicht ganz!

Im Tucherpark direkt neben dem Englischen Garten hat die Telekom gemeinsam mit dem US-Chiphersteller ihre „Industrial AI Cloud“ eröffnet, eine „KI-Fabrik“ ganz ohne Arbeiter. Draußen ist es Winter, drinnen umso heißer – und vor allem laut. Dabei gibt es in dieser Fabrik kein Montageband und keine Werkbänke. Stattdessen reiht sich Serverschrank an Serverschrank.

Tausende Chips rechnen rund um die Uhr

Hier wird nichts produziert, was man anfassen kann, sondern Rechenzeit: Unternehmen können mit ihr KI-Modelle trainieren, Simulationen durchführen und „digitale Zwillinge“ bauen – also Fabriken, Maschinen oder Fahrzeuge virtuell testen, bevor in der Realität teuer produziert wird. Die Idee dahinter: Rechenleistung mieten, statt eine eigene Serverfarm aufzubauen.

Dafür hat die Telekom einen ganzen Bürokomplex entkernt, insgesamt 10.700 Quadratmeter, auf einem Drittel davon wird gerechnet. „Im Vollausbau laufen hier 10.000 GPUs“, schwärmt Telekom-Projektleiter Andreas Falkner, der die Besuchergruppe durch die Anlage tief unter der Erde führt. Mit GPUs meint er Graphics Processing Units, also die KI-Spezialchips des US-Partners Nvidia. Sie schaffen mehrere Rechenprozesse gleichzeitig, das macht sie so wertvoll. Die Gesamtinvestition beziffert die Telekom auf mehr als eine Milliarde Euro.

Investition in Deutschlands Zukunft

Konzernchef Tim Höttges macht daraus eine Standortfrage: Ohne KI könne man „die Industrie“ und „den Standort Deutschland vergessen“. Er verweist darauf, dass nach seinen Angaben nur rund fünf Prozent der KI-Hochleistungs-Chips in Europa genutzt werden – in den USA dagegen mehr als zwei Drittel. Im BR-Interview nennt Höttges die Münchner Anlage deshalb einen „Produktionsbooster“ für deutsche Unternehmen.

Warum ausgerechnet München? Höttges begründet die Ortswahl mit Tempo: Man habe „ganz schnell einen Standort hochziehen“ wollen. In München habe es ein geeignetes Gebäude gegeben, das früher bereits Rechenzentrum war, betrieben von der HypoVereinsbank – das Projekt wurde in nur rund sechs Monaten von der Idee bis zur Umsetzung aufgebaut. Von außen ist wenig zu sehen, innen geht es über sechs unterirdische Stockwerke.

Aufatmen in der Regierung

Politisch wird die Eröffnung als Signal für digitale Souveränität gelesen. Dass die Telekom zusichert, die Daten der KI-Anwendungen in der Münchner Cloud würden vollständig in Deutschland bleiben und beim Betrieb nur Mitarbeitende aus Europa eingesetzt werden, freut die Politik. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) spricht daher von einem „großen Tag für Deutschland und Europa“, für CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder ist die KI-Fabrik „ein wirklich beeindruckender Start Deutschlands in einen Aufhol- und Benchmarkwettbewerb international“, ein Quantensprung. Und, so Söder optimistisch, „wir werden noch viel stärker werden“.

Vollkommen unabhängig? Nicht ganz!

Bei aller Freude bleibt ein Detail, das die Erzählung von der digitalen Souveränität trübt. Die Telekom betreibt zwar die Anlage, ist bei der Hardware aber auf Nvidia angewiesen, den Chiphersteller aus dem Silicon Valley, der seinerseits auf Seltene Erden aus China angewiesen ist. So sehr Telekom-Chef Höttges am Tag der Eröffnung auch von „einer Infrastruktur und Plattform unter deutschem und europäischem Recht“ schwärmt, so offen räumt er ein, dass es schön wäre, „wenn wir einen deutschen Nvidia hätten“. Doch den gebe es eben nicht. Daher sei der US-Chip ein guter Kompromiss.

Als die Führung endet und es wieder nach oben geht, steht man draußen direkt am tosenden Eisbach. Sein Wasser kühlt die Anlage – die Wärme daraus soll Wohnungen und Büros in der Umgebung heizen. Nachhaltigkeit sei derzeit zwar ein wenig außer Mode gekommen, doch auf die nachhaltige KI, meint Telekom-Projektmanager Andreas Falkner, sei man schon ein wenig stolz. Und wenn die Unternehmen die KI-Kapazitäten unter seinen Füßen auch tatsächlich nutzen, könne man die Anlage im nächsten Schritt um weitere 10.000 Chips erweitern. Der Ball liegt jetzt also bei der Wirtschaft.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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