Jeder Potus hat eine Flotus – und die aktuelle Flotus hat jetzt auch eine Doku. „Melania“, so heißt der Film über die aktuelle „First Lady of the United States“, Donald Trumps Ehefrau Melania, die derzeit im Kino läuft. Melania Trump produzierte diese Ode an sich selbst, die beweisen soll, wie modisch, wie detailverliebt und wie philanthropisch diese Flotus ist.
Das Outfit: Da sitzt jedes Detail. Das Inaugurations-Dinner, das sie akribisch geplant hat: ein voller Erfolg. Melania im Auto, Michael-Jackson-singend auf dem Weg in die erste Nacht im Weißen Haus: Sie ist eine von uns.
„Melania“ begleitet die First Lady während der Amtseinführung Trumps
Manchmal wirkt die Doku, die Melania vor und während der Inauguration Trumps im Jahr 2025 begleitet, geradezu wie ein Hohn. Zum Beispiel, wenn Melania in der für sie abgesperrten St. Patricks Cathedral um ihre Mutter trauert und dazu ausgerechnet „Amazing Grace“ eingespielt wird, gesungen von der Schwarzen Bürgerrechtsikone Aretha Franklin. Oder wenn Lady Trump betont, wie sehr ihr das Wohl der Menschen am Herzen liege. Dass US-Präsident Trump kurz darauf die Entwicklungshilfe kürzt, was laut Experten mutmaßlich Millionen das Leben kosten wird, thematisiert die Doku aber nicht.
Die konservative Wende bei Amazon Prime
75 Millionen Dollar hat Amazon sich die Melania-Trump-Show kosten lassen. Damit schrieb der Konzern ein weiteres Kapitel einer mutmaßlichen konservativen Wende, die sich auf den Streaming-Plattformen abzeichnet. Bei Amazon Prime tauchen derzeit in vielen Filmen und Serien rechte Narrative auf. Zum Beispiel im aktuellen Platz eins der Charts: der Action-Komödie „The Wrecking Crew“, in der ein Navy Seal und ein Polizist gemeinsam gegen das organisierte Verbrechen kämpfen, dabei rassistische Witze gerissen werden.
„Ich kann nicht fassen, dass zwei Typen meine Insel in Beirut verwandeln“, heißt es zum Beispiel. Ok, ein wenig nähern sich Jason Momoa und Dave Bautista der Care-Arbeit an. In der Küche werden mit einer Bratpfanne Gangster vermöbelt, anschließend wird ihnen die Käsereibe über die Haut gezogen.
Law-and-order-Narrative werden beliebter
Die Botschaft: Wie gut, dass es durchtrainierte Beamte gibt, die ab und zu mal die Regeln brechen und für Recht und Ordnung sorgen. Auf Staat oder Gemeinschaft ist hier wie so oft kein Verlass. Und vor allem vermeintlich Linke stecken deep-state-mäßig mit Verbrechern unter einer Decke. Long live law and order! Die Liste der Amazon-Produktionen mit solchen Narrativen ist lang.
Weitere Beispiele: „The Terminal List“, „Reacher“ oder „Jack Ryan“. Unterdessen wurde Amazon-Chef Jeff Bezos, seit Trump im Amt ist, laut „Forbes Magazine“ um 45 Milliarden Euro reicher, fährt aber gleichzeitig die Finanzierung der „Washington Post“ zurück.
Netflix und Apple fahren zweigleisig
Die anderen Plattformen fahren dagegen zweigleisig. Der Netflix-Hit „Bridgerton“, der gerade auf Platz eins steht, wird von Progressiven für einen diversen Cast gelobt, gleichzeitig aber auch kritisiert: Weil es bei dieser Adels-Serie ja eigentlich ganz unironisch darum gehe, dass eine alleinstehende Frau endlich den Partner ihres Lebens findet.
Auch Apples neue, gefeierte Serie “Pluribus“ kann man konservativ deuten. Da erfasst ein Virus die Menschheit, alle Infizierten werden gleichgeschaltet, freundlich und vegetarisch – die Hölle auf Erden für die wenigen, die gegen das Virus immun sind. Wer will, kann „Pluribus“ als Kritik an künstlicher Intelligenz verstehen, oder aber als Plädoyer gegen Wokeness und die neue Empfindsamkeit. So macht man es allen politischen Zielgruppen recht.

