„Schönheit ist natürlich weiterhin Teil eines Menschen, aber sie ist kein Bewertungskriterium mehr“, so der Oldenburger Miss-Germany-Veranstalter Max Klemmer gegenüber dem BR. Am kommenden Samstag wird seine Firma bei einer Gala auf dem Gelände der Bavaria-Filmstudios in Geiselgasteig bei München die diesjährigen Gewinnerinnen ausrufen: „Entscheidend ist die Frage: Welche Mission verfolgt eine Frau? Wofür steht sie? Und welchen Beitrag möchte sie in Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur leisten? Es geht nicht mehr vom Schein zum Sein – nicht darum, wie man sich bewegt, sondern was man bewegt.“
Klemmer, der das Familienunternehmen seit Sommer 2022 in dritter Generation leitet, strebt eine „180-Grad-Wende“ mit einem „Perspektivwechsel“ an. Statt Äußerlichkeiten soll es um „Haltung, Verantwortung und Wirkung“ gehen. So wurde im vergangenen Jahr die aus Kasachstan stammende Ärztin Valentina Busik Miss-Siegerin. Sie will die Patientenaufklärung menschlicher machen und beklagte, dass sie nur 15 Minuten Zeit habe, um eine Krebsdiagnose mitzuteilen [externer Link]: „Viele Menschen können diese lebensverändernden Informationen nicht verarbeiten – sei es aufgrund der medizinischen Fachsprache, emotionaler Überforderung oder Sprachbarrieren.“
„Ballermann an der Spree“
Die viel kritisierte „Miss“-Wahl scheint sich also in den vergangenen 99 Jahren so sehr verändert zu haben, dass nur noch die Bezeichnung geblieben ist, wohl aus Marketinggründen. Seit dem ersten derartigen Wettbewerb in Deutschland 1927 machten vor allem die obligatorischen Laufsteg-Auftritte der Teilnehmerinnen in Bademode Schlagzeilen. In den Fünfzigerjahren, als Frauen noch bedenkenlos als „Dekoration“ vermarktet wurden, hatten die „Schönheits“-Wettbewerbe Hochkonjunktur. Unvergessen der Triumph der damaligen deutschen Studentin und späteren TV-Moderatorin Petra Schürmann 1956 als „Miss World“.
Da „Miss Germany“ erst seit 1999 als „Wortmarke“ rechtlich geschützt ist, gab es bis dahin zahlreiche, höchst zweifelhafte Wettbewerbe, an denen etwa der Berliner Playboy Rolf Eden (1930 – 1922) zeitweise besonderes Interesse zeigte [externer Link; möglicherweise Bezahl-Inhalt]. So organisierte er unmittelbar nach dem Mauerfall im Herbst 1989 einen „Miss Berlin“-Wettbewerb und fragte eine Teilnehmerin: „Wie kommt das, dass ihr im Osten genauso mit euren Ärschen wackelt wie hier?“ Vom „Ballermann an der Spree“ oder „Vorstadtglamour“ war die Rede.
„Impuls für Miss-Wahlen weltweit“
„Natürlich bringt die lange Geschichte der Miss-Germany-Wahl auch eine Verantwortung mit sich. Aber wir sehen sie nicht als Bürde, sondern als Chance“, so Max Klemmer zur heiklen Vergangenheit der Laufsteg-Events: „Eine etablierte Marke hat die Kraft, ein neues Bild zu prägen. Genau deshalb haben wir uns entschieden, den Namen zu behalten – weil wir überzeugt sind, dass wir das Bild, das Menschen mit ‚Miss Germany‘ verbinden, neu definieren können – und damit auch einen Impuls für Miss-Wahlen auf der ganzen Welt setzen.“

