China weiß, wie man die eigenen Forschungsergebnisse maximal öffentlichkeitswirksam präsentiert. Zum zweiten Mal sind Dutzende humanoide Roboter 21 Kilometer durch die Straßen von Peking gerannt. Das Modell „Flash“ der Firma Honor in rund 50 Minuten – und damit sieben Minuten schneller als der bisherige menschliche Rekordhalter im Halbmarathon, der Ugander Jacob Kiplimo.
Roboter laufen den Menschen davon, schreibt die Weltpresse unisono. Nur: Dass ein Roboter jetzt schneller als ein Mensch laufen kann, war irgendwann erwartbar. Aber dass ein Humanoider über eine so lange Strecke weder stolpert, noch in eine Absperrung kracht, nicht überhitzt, der Akku ausreicht und er das ganze auch noch autonom ohne menschliche Eingriffe übersteht: Das ist bemerkenswert.
Noch vor einem Jahr kamen nur sechs von 21 gestarteten Robotern überhaupt ins Ziel – der Schnellste brauchte fast drei Stunden. Ein Jahr später: mehr als 100 Teams, mindestens vier Roboter unter einer Stunde, menschlicher Weltrekord gebrochen.
Die eigentliche Frage ist daher: Wie nah sind wir bereits der Science Fiction, dass humanoide Roboter zu unserem Alltag gehören?
Was leisten Roboter schon heute?
Schon heute arbeiten vergleichsweise einfache Roboter in der bayerischen Gastronomie oder sollen in der Altenpflege dienen. Die Drogeriekette Rossmann testet derzeit, wie Humanoide der chinesischen Firma UBTech die Logistik unterstützen können. BMW will Humanoide des Schweizer Unternehmens Hexagon Robotics demnächst in seinem Leipzig-Werk einsetzen.
Laufen bald auch Roboter durch unsere Zuhause?
Ja – zumindest durch US-Zuhause. Das US-norwegische StartUp 1X will dort noch in diesem Jahr mit der Auslieferung seines Hausroboters Neo starten. Umgerechnet soll er knapp 17.000 Euro kosten – oder 420 Euro monatliche Miete. Der Roboter soll Menschen bei alltäglichen Aufgaben im Haushalt entlasten: Geschirrspülmaschine einräumen, Fragen beantworten, Staubsaugen.
In einem Test des Wall Street Journal wirkt das getestete Modell noch ein wenig tapsig. Mit den rasanten Entwicklungen der Peking-Rennen im Hinterkopf aber rückt die einstige Utopie durchaus in vorstellbare Nähe.

