Ein mulmiges Gefühl im Bauch erzeugt das Michael-Jackson-Biopic nur manchmal. Zum Beispiel, als der King of Pop in einem Peter-Pan-Bildband blättert – und seine Augen groß werden, als die Figuren zum ersten Mal nach Neverland kommen: den Ort, an dem Kinder nie erwachsen werden. Die Neverland-Ranch war später der private Vergnügungspark von Michael Jackson. Ein Symbol für seine verlorene Kindheit, das später jedoch auch im Zentrum der Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs stand.
Die Vorwürfe thematisiert „Michael“ jedoch nicht. Im Vordergrund des neuen Films stehen das Talent und die zugegeben noch immer großartigen Michael-Jackson-Songs. Klar: Der Film wurde von den Jackson-Erben produziert, in der Hauptrolle sehen wir Michael Jacksons Neffen Jafaar Jackson, und: Das Biopic konzentriert sich auf eine Zeit, in der die Vorwürfe noch kein Thema waren.
Ein Vater-Sohn-Film über eine harte Kindheit
Wie in Biografien üblich, fängt „Michael“ mit der Kindheit an. Mit der Schreckensherrschaft des Vaters, der seine Kinder als „Jackson Five“ groß rausbringen will. Der sie nonstop proben lässt und kleine Fehler mit der Gürtelschnalle bestraft. Aber die Strategie geht auf: Der Durchbruch kommt, als die Marketingbeauftragte von Motown Records die Familie entdeckt.
„Michael“ ist vor allem ein Vater-Sohn-Film, der zeigt, wie schwer es war, sich aus den Fängen des tyrannischen Vaters zu lösen. Und „Michael“ zeigt den Preis des Erfolgs im jungen Alter: die verlorene Kindheit, die der Star als Erwachsener kompensiert. Wir sehen, wie sich Michael zunächst exotische Tiere kauft: ein Lama, eine Giraffe, einen Baby-Schimpansen und eine Riesenschlange. Dann entdeckt er die Kuscheltiere für sich. Und, dass man im Spielwarengeschäft gut Autogramme geben kann – gerade mit Kindern kann Michael nämlich besonders gut. Da ist es wieder, das mulmige Gefühl.
Erwartbares und Leerstellen
Dieses Biopic erfindet das Rad nicht neu. Wir sehen: die größten Hits, klar. Sympathische Behind-the-scenes-Momente, logisch. Rückschläge! Auch die dürfen nicht fehlen, damit der Höhepunkt, ein Konzert im ausverkauften Wembley-Stadion, besonders wirkt. Vieles erinnert an das Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“ – beide Filme haben denselben Produzenten.
1988 macht der Film dann aber Schluss. Fünf Jahre vor den ersten Vorwürfen, über die zwölf Jahre gestritten wurde, bis ein Gericht Michael Jackson im Jahr 2005 freisprach. Die Debatte hält jedoch auch nach dem Tod Jacksons an, auch wegen der Doku „Leaving Neverland“, die zwei mutmaßliche Missbrauchsopfer portraitiert. Und auch jetzt gibt es wieder neue Vorwürfe: Eine Familie, die den Star lange in Schutz genommen hatte, erklärte, dass auch ihr Sohn im Kindesalter von Jackson missbraucht worden sei. Seine Anwälte bestreiten das.
Am Ende des „Michael“-Films heißt es, dass seine Geschichte weitergehen wird. Ob Teil 2 tatsächlich kommt, ist aber noch offen. Genauso wie die Frage, ob dieser Film sich dann genauer mit den Vorwürfen auseinandersetzt.
Im Video: Offizieller Filmtrailer zu „Michael“ auf Youtube

