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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Papst Leo XIV.: Ringen um Pazifismus in der katholischen Kirche
Kultur

Papst Leo XIV.: Ringen um Pazifismus in der katholischen Kirche

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 21. April 2026 10:46
Von Uta Schröder
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6 min. Lesezeit
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Leo XIV. reist aktuell durch Afrika und macht, was Päpste so machen: Staatsoberhäupter und Entwicklungsprojekte besuchen, Kirchen und Moscheen besichtigen, den Dialog zwischen Bevölkerungsgruppen fördern – und sich für den Frieden einsetzen. Dass gerade letzteres für Schlagzeilen sorgt, ist bemerkenswert. Die Auseinandersetzung mit dem US-Präsidenten Donald Trump zeigt: Für Leo ist Pazifismus zentraler Bestandteil der christlichen Botschaft und Programm seines Pontifikats. Die Botschaft des Evangeliums sei klar, stellte Leo zu Beginn seiner Afrikareise fest und zitierte die Bergpredigt: „Selig sind die Friedfertigen.“

Inhaltsübersicht
Bischöfe wollen „kriegstauglich werden“Kirchen bereiten sich auf den Verteidigungsfall vorLateinamerikanische Bischöfe sehen in Papst Leo „konsequenten Anführer“

Was wie eine Spitze gegen Trump wirkt, ist vielmehr der Leitsatz seiner bisherigen Amtszeit. Schon in seinen ersten Worten als frischgewählter Papst betonte er, der Friede Christi sei ein „entwaffneter und entwaffnender Friede“ – kein mit Waffen geschaffener. Und zum Weltfriedenstag Anfang des Jahres unterstrich er, wie nötig es sei zu zeigen, dass „Friede keine Utopie ist“.

Bischöfe wollen „kriegstauglich werden“

Dass Frieden das Ziel der meisten kirchlichen Akteure ist, daran dürfte kaum ein Zweifel bestehen. Doch sowohl auf katholischer wie auch evangelischer Seite scheinen viele Kirchenobere in Deutschland nicht mehr darauf zu setzen, dass er ohne militärische Mittel durchsetzbar ist: Die Friedensdenkschrift der EKD vom letzten November, der ökumenische “Geistliche Operationsplan” und viele Äußerungen von Bischöfen, demonstrieren: Pazifismus wird allenfalls noch als private Haltung gewürdigt, aber nicht als Impuls für die Politik. „Wir müssen kriegstauglich werden – um friedenstüchtig zu bleiben“, forderte der Essener Militärbischof Franz-Josef Overbeck schon vor Leos Wahl. Sein evangelischer Amtskollege Militärbischof Bernhard Felmberg urteilte erst kürzlich im BR-Gespräch: „Wer Friede, Friede ruft und es ist wirklich kein Friede in dieser Welt, der hat keinen Realismus.“

Und so gehen die deutschen Kirchen in Fragen der Friedenssicherung inzwischen Wege, die lange undenkbar erschienen. Im November relativierte die EKD sogar das lange selbstverständliche kategorische „Nein“ zu Atomwaffen und befand in ihrer neuen Friedensdenkschrift, dass der Besitz von Nuklearwaffen angesichts der weltpolitischen Verteilung dieser Waffen notwendig sein könne. Ein Kompromissfrieden durch Abschreckung. Pazifismus sei als private Haltung zu würdigen, aber keine politische Handlungsoption.

Kirchen bereiten sich auf den Verteidigungsfall vor

Die letzten Monate hat man in Deutschland gemeinsam genutzt, um sich auf ein Worst-Case-Szenario vorzubereiten. Das „Ökumenisches Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall“, salopp „geistlicher Operationsplan“ genannt, spielt durch, wie sich die Kirchen im Falle eines militärischen Konflikts verhalten könnten. Die Kirchen betonen zwar ausdrücklich, man wolle die eigenen friedensethischen Einsichten nicht relativieren, sondern nur für den Fall planen, dass alle Friedensbemühungen gescheitert sind. Das kann man als Perspektivwechsel interpretieren: vom Verhindern des Krieges hin zur krisensicheren Begleitung, wenn er da ist. Es scheint so, als habe sich bei vielen deutschen Kirchenoberen eine Überzeugung durchgesetzt, die sowohl Otto von Bismarck als auch Helmut Schmidt schon gehabt haben sollen: „Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen.“

Papst Leo XIV. hat in den letzten Tagen deutlich gemacht, dass er das anders sieht. „Regieren bedeutet, das eigene Land und auch die Nachbarländer zu lieben“, stellte das Kirchenoberhaupt am Mittwoch in einer Rede in Kameruns Hauptstadt Yaoundé klar und unterstrich damit, was er auch schon beim Friedensgebet Ende der Osterwoche gefordert hatte: „Setzt euch an den Tisch des Dialogs und der Vermittlung.“ Die Kirche sei ein großes Volk im Dienst der Versöhnung und des Friedens, das ohne Zögern seinen Weg gehe, „auch wenn die Ablehnung der Kriegslogik ihr Unverständnis und Verachtung einbringen mag“.

Lateinamerikanische Bischöfe sehen in Papst Leo „konsequenten Anführer“

Auf Leos klares pazifistisches Bekenntnis im Streit mit Trump gab es in Deutschland seitens der Deutschen Bischofskonferenz tagelang keine nennenswerte Reaktion. Auch auf Anfrage des BR wollte sich die DBK nicht äußern. Erst der Bamberger Erzbischof Gössl sagte in einem am Donnerstag erschienen Interview mit Focus, es sei aus christlicher Sicht „entschieden zurückzuweisen, wenn führende Politiker mit der Vernichtung von Zivilisationen drohen“. Schnell und deutlich positionierte sich zum Beispiel die lateinamerikanischen Bischofskonferenz. Die hatte sich schon am Dienstag geäußert und Leo unterstützt: „Wir haben einen konsequenten Anführer, der uns einen Weg ohne Umkehr aufzeigt: den Frieden stets und unter allen Umständen zu fördern.“

Leo XIV. hat in den letzten Tagen deutlich gemacht, dass das Motto ist, unter dem sein Pontifikat steht: Pazifismus. Die Bergpredigt als Markenkern des Evangeliums steht für ihn auch angesichts der Realpolitik nicht zur Verhandlung. Nächstenliebe gilt auch in der Weltpolitik ohne Wenn und Aber. Die Frage wird nun auch sein, ob und wie die deutschen Bischöfe mit diesem Anspruch ihres eigenen Kirchenoberhaupts umgehen – und ob die Logik der „Kriegsfähigkeit“ in ihren Stellungnahmen wirklich das letzte Wort bleibt.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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