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Statt der 93 gesetzlichen Krankenkassen, die es derzeit gibt, würden auch zehn genügen, erklärte der Generalsekretär der CDU, Carsten Linnemann, vor kurzem. Damit schlägt Linnemann etwas vor, das auch unter BR24-Usern immer wieder gefordert wird.
In der Kommentarspalte fragt etwa User „Astra“: „Wo bleibt die Reduzierung der Anzahl der Kassen? 100 Doppelstrukturen, die der Versicherte tragen muss!“ Und auch „Dangadad“ kommentiert: „Diese Debatte gibt es schon seit Jahren und keine Regierung hatte die Kraft sich gegen die Lobby durchzusetzen. Für die gesetzliche Krankenversicherung reicht genau EINE Kasse. Die relevanten Leistungen sind für alle gleich.“
Denkbar wäre es für Linnemann auch, den Kassen eine Mindestgröße vorzuschreiben, beispielsweise 500.000 oder 750.000 Versicherte. Als Haupt-Argument nennt Linnemann dabei: Die Verwaltungskosten würden sinken.
Kassen: Wettbewerb fördert Effizienz
Die Vorstandschefin der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK), Gertrud Demmler, widerspricht solchen Forderungen entschieden. Die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen seien in den vergangenen Jahren spürbar gesunken, argumentiert sie. Nach Berechnungen des GKV-Spitzenverbandes ist ihr Anteil von knapp 4,9 Prozent an den Gesamtausgaben im Jahr 2015 auf mittlerweile unter 4 Prozent geschrumpft.
SBK-Chefin ärgert sich über „Märchen“
Der Grund für das Absinken der Verwaltungskosten liegt in den Augen der SBK-Chefin auf der Hand: Wer im Wettbewerb mit anderen Anbietern steht, müsse auf seine Kosten schauen. Und weil der allergrößte Teil der Aufwendungen, die Krankenkassen haben, gesetzlich vorgeschrieben ist, seien gerade die Verwaltungskosten ein Hebel, an dem die Kassen schon aus eigenem Interesse ansetzen.
Dass eine Einheitskasse, oder nur noch eine Handvoll Kassen effizienter wären, nennt Demmler „ein Märchen“ und fügt hinzu: „Ich verstehe nicht, warum wir diese Diskussion jetzt wieder führen.“ Der Bericht der Finanzkommission, die die Bundesregierung mit der Suche nach Sparmöglichkeiten beauftragt hat, habe eines klar gezeigt: „Dass eine Reduzierung der Kassen keine Einsparpotenziale eröffnet.“
Finanzkommission sieht kaum Einsparmöglichkeiten
Tatsächlich erwähnt die Gesundheits-Finanzkommission in ihren 66 Vorschlägen zur Sanierung der Kassenfinanzen die Zahl der Krankenkassen nicht. Der Kommissions-Vorsitzende, der Bielefelder Gesundheitsökonom Wolfgang Greiner, sagte bei der Vorstellung des Berichts Ende März, die Verwaltungskosten seien in den vergangenen Jahren langsamer gestiegen als die Einnahmen der Kassen und kam zum Ergebnis: „Der Wettbewerb wirkt hier offensichtlich.“
Auf die Frage, ob es die gesetzliche Krankenversicherung nennenswert entlasten würde, wenn die Zahl der Kassen weiter sinkt, antwortete der Kommissions-Vorsitzende: „Das ist nach unserem Dafürhalten nicht der Fall.“
Zahl der Kassen drastisch gesunken
Tatsächlich ist in den vergangenen Jahrzehnten ein Großteil der Krankenkassen verschwunden, vor allem durch Fusionen. Zum Opfer von Pleiten und Schließungen, die die Aufsichtsbehörden erzwungen haben, sind nur wenige Kassen geworden. Im Jahr 1970 gab es nach einer Zählung des Kassenverbandes VDEK in der alten Bundesrepublik noch 1.815 Krankenkassen. Inzwischen ist die Zahl auf 93 gesunken, ein Rückgang um fast 95 Prozent.

