Die Bezüge von Rentnerinnen und Rentnern erhöhen sich Mitte des Jahres deutlich: Es gibt 4,24 Prozent mehr – das verkündete Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) am Donnerstag. Damit steigen die Renten erneut stärker als die Inflation. Warum ist das so? Hier die wichtigsten Antworten.
Woher kommt das Rentenplus von mehr als vier Prozent?
Schon seit fast 70 Jahren gibt es in Deutschland die „dynamische Rente“. Das heißt: Die Renten steigen grundsätzlich im gleichen Tempo wie die durchschnittlichen Löhne. Es hat immer wieder verschiedene Änderungen bei der Umsetzung dieser Regel gegeben, aber derzeit gilt: Wenn die Löhne im Mittel um die Prozentzahl X steigen, steigen auch die Renten um die Prozentzahl X.
Fürs vergangene Jahr haben Fachleute vom Statistischen Bundesamt einen Anstieg der Löhne um im Schnitt 4,2 Prozent errechnet (externer Link). Für die Renten ergibt sich daraus eine Steigerung um genau 4,24 Prozent. Um diesen Prozentsatz steigen die gesetzlichen Altersbezüge zum 1. Juli.
Wie wirkt sich der Anstieg auf die jeweilige Rente aus?
Die Rentenerhöhung um 4,24 Prozent wird automatisch auf die jeweilige Rente aufgeschlagen. Aus 1.000 Euro werden also 1.042,40. Aus 2.000 Euro werden 2.084,80, und so weiter. Davon gehen allerdings Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab, sowie gegebenenfalls Steuern, wenn die Bezüge so hoch sind, dass Steuerpflicht besteht. Ob Rentner steuerpflichtig sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Neben der Höhe der gesetzlichen Rente spielt es auch eine Rolle, wann jemand in den Ruhestand gegangen ist und ob er weitere Einkünfte hat.
Steigt die Rente stärker als die Löhne?
Der angekündigte Anstieg der Renten um 4,24 Prozent kann für einige Arbeitnehmer überraschend wirken, wenn ihr eigenes Einkommen möglicherweise zuletzt nicht im gleichen Tempo gestiegen ist. Die gewerkschaftsnahe Böckler-Stiftung hatte im vergangenen Herbst von einem durchschnittlichen Anstieg der Tariflöhne um 2,6 Prozent berichtet (externer Link). Ein Grund für die Abweichung liegt darin, dass die Böckler-Stiftung die jeweils aktuellen Tarifabschlüsse erfasst, während das Statistische Bundesamt einen Jahresvergleich erstellt.
Dabei haben die Fachleute ihre Berechnungen zuletzt noch einmal nach oben korrigiert. Die Rentenversicherung erklärt dazu: „Noch im Dezember war von einer Anpassung in Höhe von 3,73 Prozent ausgegangen worden.“
Ist der Rentenanstieg ein „Wahlgeschenk“?
Die Anhebung der Renten folgt den Ankündigungen, die die verschiedenen Bundesregierungen in den vergangenen Jahren zum Thema „Haltelinien“ und zum Rentenniveau gemacht haben. Denn durch den jetzigen Anstieg bleibt das rechnerische Verhältnis von Durchschnittsrenten zu Durchschnittslöhnen stabil, also das Rentenniveau. Es liegt derzeit bei 48 Prozent, und dort soll es bis zum Jahr 2031 bleiben.
Es heißt, die Rentenkassen seien leer – wie können die Renten dann steigen?
Das Bild von „leeren Rentenkassen“, das oft zu hören ist, führt in die Irre. Denn die deutsche Rentenversicherung funktioniert nach dem Umlageprinzip: Die heute Berufstätigen finanzieren jeden Monat aus ihren Beiträgen die heutigen Rentner. Wenn die Berufstätigen mehr verdienen, können die Renten entsprechend steigen. Es gibt keine „volle Schatztruhe“, die sich durch die Rentenzahlungen leert. Das Geld fließt, wenn man im Bild bleiben will, durch die Truhe hindurch.
Die Rentenversicherung hält zwar auch Reserven vor, aber nur in geringem Umfang. Diese „Nachhaltigkeitsrücklage“ lag 2025 bei knapp 1,4 Monatsausgaben. Bis zum Jahr 2028 wird sie deutlich sinken, auf voraussichtlich gut 0,3 Monatsausgaben. Dann werden wahrscheinlich die Beiträge, die die Versicherten zahlen, steigen müssen, um Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu halten.
Wie hoch waren die Rentenanpassungen zuletzt?
Auch in den vergangenen Jahren gab es immer wieder spürbare Rentenerhöhungen, je nachdem, wie sich die Löhne in den Vorjahren entwickelt hatten. Im Jahr 2025 lag das Rentenplus bei 3,74 Prozent, im Jahr 2024 waren es 4,57 Prozent.
Im Jahr 2021, nach der Wirtschaftskrise in Folge der Coronapandemie, stiegen die Löhne in Westdeutschland hingegen gar nicht. In Ostdeutschland kamen 0,72 Prozent oben drauf, damals galten für Ost- und Westdeutschland noch unterschiedliche Rentenregeln.
Auch in den Jahren 2004 bis 2006 und im Jahr 2010 gab es bei der Rente Nullrunden. Damals galten verschiedene Regelungen, die den Anstieg der Renten bremsten. Auch dadurch ist das Rentenniveau mittlerweile spürbar gesunken. Nach einer Aufstellung des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen lag es 2004 noch bei 53 Prozent (externer Link, PDF-Download). Inzwischen ist es auf den vielfach diskutierten Wert von 48 Prozent gesunken.
Wie viel ist ein Rentenpunkt jetzt wert?
Die Deutsche Rentenversicherung hat den Anstieg der Renten auch in die Höhe der Rentenpunkte eingerechnet: „Der aktuelle Rentenwert erhöht sich damit von 40,79 Euro auf 42,52 Euro“. Der Rentenwert steigt also ebenfalls um 4,24 Prozent.

