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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > re:publica 2026: Die Suche nach Europas digitaler Unabhängigkeit
Netzwelt

re:publica 2026: Die Suche nach Europas digitaler Unabhängigkeit

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 19. Mai 2026 10:48
Von Benjamin Lehmann
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3 min. Lesezeit
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Karaoke, Klimakrise, Merkel, Memes: Auf der re:publica in Berlin ist in diesen Tagen von allem etwas dabei. Mit rund 30.000 Besuchern gilt sie als die größte Digitalkonferenz Europas. Zwischen Festivalstimmung, Netzpolitik und Zukunftslabor wird in diesen Tagen über die großen Fragen der digitalen Gesellschaft diskutiert: über KI, Plattformen, Demokratie und Desinformation.

Inhaltsübersicht
Digitale Infrastruktur wird zur MachtfrageAuch Bayern will unabhängiger werdenHeißt der Ausweg Open Source?

Eine Frage zieht sich in diesem Jahr besonders deutlich durch das Programm: Wie abhängig ist Europa inzwischen von den großen Tech-Konzernen – und lässt sich diese Abhängigkeit überhaupt noch durchbrechen? Schließlich haben die meisten wohl Cloud-Anwendungen auf dem Handy, Office-Programme im Büro oder Accounts auf Social Media.

Digitale Infrastruktur wird zur Machtfrage

Selbst viele europäische Unternehmen kommen kaum darum herum, auf US-Software zu setzen. Die Alternativen fehlen oft oder bleiben Nischenprodukte. Auf der re:publica spricht unter anderem der Mitgründer Markus Beckedahl über diese Entwicklung.

Er kritisiert, dass Deutschland und Europa in den vergangenen Jahren zu wenig in eigene digitale Infrastruktur investiert hätten. Während die USA und China massiv in Technologieunternehmen investierten, fehle es hierzulande oft an langfristiger Strategie und an politischer Vorausschau. Stattdessen rolle die Bundesregierung „den roten Teppich aus“, damit US-Konzerne ihre Marktposition weiter ausbauen könnten, sagt Beckedahl.

Auch Bayern will unabhängiger werden

Auch Bayern diskutiert über digitale Abhängigkeiten. Digitalminister Fabian Mehring (FW) sieht dabei Parallelen zur deutschen Energiepolitik der vergangenen Jahre: „Wenn wir uns ehrlich machen, dann war es doch insbesondere unsere Abhängigkeit von billigem Gas aus Russland, die uns den Krieg zurück nach Europa gebracht hat.“ Daraus müsse Europa nun lernen: „Wir sollten uns nicht wie früher beim Gas jetzt wieder bei den Daten, bei der Cloud-Infrastruktur erneut erpressbar und abhängig machen“, so Mehring.

Deshalb arbeite Bayern derzeit an einem „souveränen Arbeitsplatz“ für die Staatsverwaltung. Ziel sei es, die Verwaltung unabhängiger von einzelnen Anbietern zu machen und notfalls eigene Alternativen zu haben. „Wir wollen verhindern, dass man uns aus Übersee hierzulande in der bayerischen Verwaltung das Licht ausknipsen kann“, sagt Mehring.

Heißt der Ausweg Open Source?

Ein Ausweg: Staaten und Behörden könnten stärker auf transparente, gemeinschaftlich entwickelte Software setzen, statt sich dauerhaft an einzelne Anbieter zu binden. Auf der re:publica ist das seit Jahren Thema – neu ist aber die Dringlichkeit. Das Zentrum Digitale Souveränität des Bundes [externer Link] wirbt etwa dafür, digitale Infrastruktur stärker als öffentliche Aufgabe zu verstehen. Schließlich gebe der Bund fast 500 Millionen Euro für Microsoft-Lizenzen aus, statt sinnvoll zu investieren, so Beckedahl.

Gleichzeitig gibt es erste Versuche, unabhängiger zu werden. So könnte man Wero statt PayPal, Threema statt WhatsApp oder Ecosia statt Google verwenden. Das Problem: Viele dieser Projekte verfügen über deutlich weniger Geld und Reichweite als die großen Plattformkonzerne.

 

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Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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