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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Batteriehersteller Varta schließt Werk in Nördlingen
Wirtschaft

Batteriehersteller Varta schließt Werk in Nördlingen

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 19. Mai 2026 16:50
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Am Ende könnte es eine Erfolgsgeschichte von kurzer Dauer gewesen sein: Der Batteriehersteller Varta stellt zum Jahresende seine Knopfzellenproduktion in Nördlingen ein. 350 Jobs fallen laut einem Unternehmenssprecher weg. Man sei bemüht, einen Sozialplan für die Beschäftigten auszuarbeiten. 2021 arbeiteten kurzzeitig rund 1.000 Menschen für Varta in Nördlingen, danach ging es stetig bergab.

Inhaltsübersicht
Großkunde kauft nicht mehr bei Varta einAiwanger: „Harter Schlag“ und „Alarmzeichen“Millionenförderung für VartaFünf Jahre nach Werkseröffnung ist Schluss

Großkunde kauft nicht mehr bei Varta ein

In Nördlingen produziert Varta vor allem Knopfzellen für kabellose Kopfhörer. Der Grund für die Schließung ist laut dem Sprecher, dass ein großer Kunde künftig nicht mehr bei Varta einkauft. Der sei für 98 Prozent der Werksauslastung verantwortlich gewesen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich dabei um Apple. Der Name ist in den vergangenen Jahren im Umfeld des Unternehmens auch dem BR gegenüber immer wieder als Großkunde genannt worden. Dieser will laut Berichten seine Batterien künftig aus China beziehen.

Aiwanger: „Harter Schlag“ und „Alarmzeichen“

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) bedauerte in einer Mitteilung das Aus: „Die Schließung der Mikrobatterie-Sparte ist ein harter Schlag für Schwaben und ein weiteres Alarmzeichen für den Industriestandort Deutschland. Wir haben alles versucht, um den Standort in seiner bisherigen Größe zu sichern, etwa durch die Unterstützung eines großen internationalen Batterieprojekts.“ Man sei mit Varta in Kontakt. Menschen, die ihre Arbeitsplätze verlieren, „müssen wir schnellstmöglich eine neue Perspektive geben“, teilte Aiwanger mit.

Die Schließung der Varta-Produktion nutzte Aiwanger auch zur scharfen Kritik an Bundesregierung und EU: Es brauche nicht noch mehr CO2-Vorgaben, die die Wirtschaft ruinierten. „Dieser übertriebene Green Deal hat uns dahin geführt, wo wir heute sind. Wir verlagern Arbeitsplätze nach Asien und retten dadurch die Welt nicht.“ Aiwanger forderte mehr Eigenständigkeit in Deutschland und der EU, man dürfe sich nicht immer stärker von Asien abhängig machen.

Millionenförderung für Varta

Varta galt noch vor wenigen Jahren als Leuchtturmprojekt: Um die Batterieherstellung in Deutschland zu sichern, hatten Bund und Freistaat 2020 Varta Zusagen über 300 Millionen Euro Fördergelder gemacht – allein 100 Millionen Euro für den Standort Nördlingen. Bis 2024 waren davon 137 Millionen Euro abgerufen.

Damals gaben sich in Nördlingen und Ellwangen im benachbarten Baden-Württemberg die Polit-Promis die Klinke in die Hand: Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) oder Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Immer wieder wurde zu Presseterminen eingeladen, um die Meilensteine im Ausbau der Batterieproduktion zu feiern.

Der BR hat beim Bundeswirtschaftsministerium angefragt, ob Varta die Förderungen oder einen Teil davon zurückzahlen muss. Eine Antwort des Ministeriums liegt noch nicht vor.

Fünf Jahre nach Werkseröffnung ist Schluss

Entstanden ist durch das Geld vom Staat unter anderem ein weithin sichtbares Produktionsgebäude am Stadtrand von Nördlingen. Es wurde innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft – und könnte nur fünf Jahre nach der Fertigstellung schon wieder zu einer riesigen Industriebrache werden. Denn laut dem Varta-Sprecher werde das Produktionsgebäude nun nicht mehr benötigt. Nur eine „kleine Ecke“ in dem Gebäude nehme die weiterhin laufende Batterieentwicklung für Autos zusammen mit Porsche ein. Die Produktionshalle sei von dem vorherigen Vorstand „viel zu groß dimensioniert“ gewesen, so der Sprecher.

Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, lässt der Großkunde von Varta in Nördlingen künftig in China produzieren. Das wäre ein Dämpfer für das Leuchtturmprojekt Batterieproduktion in Deutschland.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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