Die Erdbohrmaschine schraubt sich etwas mühsam in den Boden. Der ist hart im Münchner Westen: eher trocken, viele Steine. Die Mitglieder des noch jungen Weinbauvereins Menzing schuften bereits das dritte Wochenende auf dem Acker. Rund 1.000 Löcher haben sie gebohrt, die letzten 50 Weinreben pflanzen sie jetzt. Klein sind die noch, gerade mal 30 Zentimeter lang, und der größte Teil davon muss in die Erde.
Harte Arbeit für den Weingarten
Gepflanzt werden sollen sie so, dass nur die Spitzen mit den ersten zarten Trieben herausschauen. Für die Mitglieder des Vereins, wie Simone Streidl, war das alles ganz neu: „Wir sind alle blutige Anfänger, aber bei 1.000 Reben lernt man auch viel dazu. Es ist ein Prozess und mittlerweile haben wir es alle ganz gut drauf.“ Neben ihr kniet Kim Stacheter auf dem Boden und gräbt die nächste Rebe ein: „Besonders wichtig sind die Abstände, damit beim Gießen die Fahrzeuge durchkommen, und die Tiefe, wegen dem Frost.“
Neue Rebsorten
Ein Weinbau-Profi ist auch dabei. Christian Dauber ist gebürtiger Franke und ausgebildeter Winzer. Er hat eine Weinhandlung in der Nähe und hatte die Idee zum Weinbauverein. Klassische Rebsorten wie der Riesling oder Silvaner, die sich im Norden Bayerns wohlfühlen, sind hier nicht so gut geeignet, sagt er. Dauber setzt auf neue Rebsorten für das kühlere und feuchtere Münchner Klima: „Es gibt neue Züchtungen, die Zukunftsreben oder auch Zukunftsweine. Die sind speziell gezüchtet worden für kühlere Regionen wie hier in München. Das ist eine Sauvignier-Gris-Traube, eine pilzresistente Sorte.“
Erster „echter“ Münchner Wein
Weinbau-Projekte rund um München gibt es schon mehrere. Am Ammersee wachsen Weinreben seit 2014. Auch in Dachau und Ismaning trauen sich Landwirte an die Weintraube. Alle setzen auf pilzresistente Sorten wie Solaris, Muscaris oder Sauvignac. In Menzing wächst jetzt der erste Wein auf Münchner Stadtgebiet.
Erste Ernte wohl erst in drei Jahren
Wenn alles gut geht, gibt es vielleicht in zwei oder drei Jahren die erste echte Ernte. Aber der erste Wein nach über 200 Jahren wieder auf Münchner Boden – das bleibt erst einmal ein kleines Abenteuer. Viel wird davon abhängen, wie die Reben die nächsten beiden Winter überstehen. Die inzwischen über 100 Mitglieder des Weinbauvereins fiebern mit, so wie Michael Kraus: „Ist schon richtig Arbeit, aber Abwechslung zum Schreibtischtäter. Macht Spaß, in der Gemeinschaft was zu bewirken. Ich freue mich auf den Ertrag später.“
Weingarten soll wachsen
Wenn es gut läuft, wächst der Weingarten weiter. Der Menzinger Weinbauverein hat Platz für bis zu 3.000 Weinstöcke. Und noch mehr Ideen – das Weinfest im Stadtteil soll wachsen, und vielleicht gibt es schon nächstes Jahr eine Menzinger Weinkönigin.

