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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > 20 Jahre Bruno: Wäre Bayern auf einen Problembären vorbereitet?
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20 Jahre Bruno: Wäre Bayern auf einen Problembären vorbereitet?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 20. Mai 2026 09:49
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Im Mai 2006 wurde der erste Bär in Bayern nach gut 170 Jahren aufs Herzlichste begrüßt: „Wir freuen uns, wenn der Braunbär sich hier wieder ansiedeln, wieder heimisch werden würde“, sagte damals der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) in einer Pressekonferenz. Auch heute sind immer mal wieder einzelne Bären im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet unterwegs. Freude darüber herrscht nicht. Es gibt zwar seit Bruno einen Managementplan für Braunbären. Doch ob der Freistaat tatsächlich vorbereitet wäre, wenn wieder ein auffälliger Bär nach Bayern kommt, bezweifeln manche.

Inhaltsübersicht
Managementplan regelt Umgang mit großen Beutegreifern„Problembär“ Bruno war nicht zu greifenAufregung um Wal Timmy erinnert an Bär BrunoSind Bären auf dem Weg nach Bayern?Zweifel an Wirksamkeit des ManagementplansLandesamt für Umwelt verweist auf den Managementplan

Zuletzt fotografierte ein Radfahrer im Mai 2023 im Oberallgäu einen Bären auf einer Wiese. Danach gab es keinen Hinweis mehr auf das Tier. Dennoch schlug sein Kurzbesuch hohe Wellen: Die damalige Landrätin im Oberallgäu, Indra Baier-Müller (FW), sprach sich in einem offenen Brief unter anderem für eine bewaffnete Eingreiftruppe aus, die einen Bären zur Not auch erschießen kann. Mit Verweis auf den Managementplan von 2007 verhallte die Forderung ohne Konsequenzen.

Managementplan regelt Umgang mit großen Beutegreifern

Im „Managementplan Braunbären in Bayern – Stufe 1“ sind auf 16 Seiten die Zuständigkeiten genau geregelt, genauso wie der Umgang mit auffälligen Bären: Als „ungefährlich“ wird die Sichtung eines Bären eingestuft, wenn der Bär „sofort flüchtet“. Sollte ein Bär sich nicht vergrämen lassen, etwa mit Gummigeschossen, oder wenn er in „bewohnte Gebäudeteile eindringt“, muss er „entnommen“, also abgeschossen werden.

„Problembär“ Bruno war nicht zu greifen

Bei Bruno war die Grenze überschritten, nachdem er mitten in einer Ortschaft einen kleinen Hühnerstall geplündert hatte. Zu einem Vergrämungsversuch kam es erst gar nicht, weil der Bär kaum zweimal am selben Ort auftauchte. Extra eingeflogene, finnische Bärenjäger bekamen ihn mit ihren Spürhunden auch nicht zu greifen. Zu diesem Zeitpunkt ist Bruno längst ein Star, weltweit berichten Medien über ihn.

Aufregung um Wal Timmy erinnert an Bär Bruno

Nach Brunos Tod eskaliert die Situation: In Miesbach demonstrieren Tierschützer. Lokale Jäger, aber auch der damalige Umweltminister Schnappauf erhalten Morddrohungen – ganz ähnlich der aktuellen Diskussion um den inzwischen toten Ostseewal „Timmy“. Nur dass – im Gegensatz zu Bruno – von dem kranken Wal nie eine Gefahr für Menschen ausging.

Sind Bären auf dem Weg nach Bayern?

Vor drei Jahren wurde ein Jogger in Südtirol von einer Bärin getötet, ein anderes Muttertier verletzte einen Wanderer schwer. Es entbrannte eine Diskussion, ob eine dauerhafte Bärenpopulation in der Tourismusregion in Südtirol tragbar ist. Mehrere Bären wurden seitdem illegal getötet.

Wie wahrscheinlich ist so ein Angriff in Bayern? Das zuständige Landesamt für Umwelt schreibt auf Anfrage: „Nach den derzeit vorliegenden Informationen ist nicht davon auszugehen, dass Bären sich in Bayern dauerhaft ansiedeln.“ Junge Männchen, die keine Partnerin finden, kehrten in ihre Heimat zurück.

Zweifel an Wirksamkeit des Managementplans

Erst Anfang Mai wurde im Oberen Inntal in Tirol wieder ein Bär nachgewiesen. Auch Max Keler, Berufsjäger im Raum Garmisch, hat aktuell Bärenspuren im Staatsforst gefunden. Schon 2006 hatte er sich in der Diskussion um Bruno zu Wort gemeldet. Damals habe er dazu beitragen wollen, die Situation zu entschärfen, erzählt er.

Ob so eine Eskalation wie damals heute zu vermeiden wäre? Max Keler ist Vorsitzender im Bund Bayrischer Berufsjäger und Mitglied im „Netzwerk Große Beutegreifer“. Er sagt: „Es hat sich nicht genug getan.“ In Bayern würden zwar die Nachweise gut dokumentiert. Es brauche aber viel mehr: ausgebildete Experten mit Hunden und entsprechender Technik, von Narkosegewehren bis hin zu Lebendfallen. Länder wie Italien und die Schweiz seien da Vorbilder. Mit diesen internationalen Fachleuten bräuchte es einen Austausch. Er habe selbst damals am Bayerischen Managementplan mitgearbeitet, sagt Keler, aber es fehle an den Strukturen, die ihn umsetzen können: „Da gibt es noch viel zu tun.“

Landesamt für Umwelt verweist auf den Managementplan

Das zuständige Landesamt für Umwelt hingegen schreibt: „Bayern ist auf das Thema Bär gut vorbereitet.“ Und: „Die Sicherheit der Menschen steht in Bayern immer im Mittelpunkt und hat uneingeschränkt Vorrang.“ Das schließe auch den Abschuss ein. Ob der Managementplan regelmäßig auf seine Funktionalität hin überprüft wird, ließ die Behörde offen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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