Ahmad floh mit 12 aus Syrien, heute ist er Friseurmeister
Auch Ahmad Abu Swid hatte seine Schwierigkeiten in der Schule. Er floh mit zwölf Jahren aus Syrien nach Bayern. Seine größte Herausforderung war es, die deutsche Sprache zu erlernen. Inzwischen führt Ahmad seinen eigenen Friseursalon, hat sogar den Meistertitel.
Der Weg dorthin war aber auch bei ihm holprig, mit 18 stand er erst mal ohne Abschluss da – und scheinbar ohne Perspektive. Dass der Friseurberuf etwas für ihn sein könnte, rät ihm sein damaliger Lehrer Rüdiger Rieß. Heute ist Ahmad überzeugt: Ohne Lehrer Rieß hätte er das nicht geschafft.
Bildungsforscher: Immer mehr qualifizierte Arbeitskräfte gefragt
Ahmad und Taiga stehen für viele andere junge Menschen in Deutschland. Immer mehr schaffen hierzulande keinen Mittelschulabschluss. Im vergangenen Jahr waren es 52.000, allein 7.900 kommen aus Bayern. Das entspricht einem Anteil von rund 6,6 Prozent gemessen an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung. 2020 waren es in Bayern noch etwa 4,9 Prozent.
Dem Bildungsökonomen Ludger Wößmann bereitet das Sorge, gerade weil immer mehr qualifizierte Arbeitskräfte nachgefragt werden – und immer weniger Hilfsarbeiter: „Aus staatlicher Sicht heißt es natürlich dann eben, dass Menschen, die nicht erfolgreich am Arbeitsmarkt teilnehmen können, Beitragsempfänger sind und nicht Beitragszahler“, sagt Wößmann gegenüber Kontrovers – die Story.
Praxisklassen: Kleine Gruppen mit großen Abschlusschancen
Wie das verhindert werden kann, zeigt ein Projekt der Mittelschule Geretsried, das auch Ahmad besucht hat. In sogenannten Praxisklassen wird der Schulstoff mit einem potenziellen Beruf verknüpft: Die eine Hälfte der Schüler ist im Praktikum, die andere wird unterrichtet. In der Klasse sind dann oft nur sieben oder acht Schüler anwesend – ein Gewinn, sagt Lehrer Rüdiger Rieß. So könnten Unterrichtsinhalte differenziert erklärt werden.
Die Quote der Praxisklassen spricht für sich: Hier schafft fast jeder seinen Schulabschluss. Doch das Problem: Solche differenziert arbeitenden Praxisklassen sind extrem selten. In Bayern gibt es derzeit nur eine pro Landkreis.
Ahmat und Taiga sind unterschiedliche Wege gegangen. Beide Fälle zeigen: Stimmen die Bedingungen im Klassenzimmer, ist ein Abschluss möglich – auch für Schüler mit Schwierigkeiten.
Die Zahlen:
Deutschlandweit: Die Quote der Abgehenden ohne Haupt- bzw. Mittelschulabschluss (bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung) stieg bundesweit von rund 6,8 Prozent im Abschlussjahr 2022 auf rund 7,2 Prozent im Abschlussjahr 2023 und rund 8,0 Prozent im Abschlussjahr 2024.
Bayern: Im Abschlussjahr 2024 waren es rund 7.400 (etwa 6,1 Prozent) Abgehende ohne Haupt- bzw. Mittelschulabschluss, 2023 rund 6.500 (etwa 5,3 Prozent), 2022 rund 6.200 (etwa 5,3 Prozent), 2021 rund 6.200 (etwa 5,2 Prozent) sowie 2020 rund 6.000 (etwa 4,9 Prozent).
Im Jahr 2025 belief sich 2025 die Anzahl der Abgehenden ohne Haupt- bzw. Mittelschulabschluss auf rund 7.900.

