„Diese Kampagne zur Rehabilitierung des Gründers des sowjetischen Geheimdiensts Tscheka [Außerordentliche Kommission] ist nicht nur Ausdruck einer kompromisslosen Haltung und eine Legitimation für ein härteres Vorgehen, sondern bedeutet auch eine Ausweitung der Rolle der Sicherheitskräfte in einer ‚belagerten Festung'“, so der russische Politologe Ilja Graschtschenkow über Gerüchte, wonach vor der russischen Inlandsgeheimdienst-Zentrale in Moskau demnächst wieder das Denkmal für Felix Dserschinski (1877 – 1926) aufgestellt werden soll.
Es war 1958 errichtet und 1991 nach dem Untergang der Sowjetunion nach gewaltsamen Protesten entfernt und ausgelagert worden. Seit September 2023 steht es im Moskauer Vorort Jassenewo im Innenhof der Zentrale des russischen Auslandsgeheimdiensts.
„Ideologie des erneuerten Russlands deutlich geworden“
Jetzt wird spekuliert, dass der russische Präsident und Ex-KGB-Agent Wladimir Putin anordnen könnte, das hochumstrittene Symbol kommunistischer Unterdrückungspolitik wieder an den ursprünglichen repräsentativen Platz zurückzuversetzen. „Bei der Rückkehr sowjetischer Symbole geht es nicht um Nostalgie für die UdSSR“, argumentiert Graschtschenkow [externer Link]: „Sie ist vielmehr Bestandteil einer neuen Politik, in deren Zentrum weniger Stalin als vielmehr Dserschinski steht, der ‚ideologische Bolschewik‘, dessen Anhänger die heutigen radikalen Falken sind.“
Demnach komme es Putin nicht auf „einzelne Gesten“ an, sondern auf die Wiederbelebung des „ideologischen Rahmens“ aus Dserschinskis Zeiten. Es gehe um imperiale, sowjetische und orthodox-konservative Wertvorstellungen: „Wer sich also jemals gefragt hat, welche Ideologie ein ‚erneuertes‘ Russland verfolgt, für den sind dessen Konturen in den letzten drei Jahren deutlich geworden.“
„Symbol der Schöpfung und Ordnung“
Nachdem Putin kürzlich die Geheimdienst-Hochschule nach Dserschinski benannt hatte, stiegen die Chancen auf die Wiedererrichtung von dessen Denkmal „exponentiell“, so Wirtschaftskolumnist Dmitri Drise. Er regte ironisch an [externer Link] , gleich auch noch ein Standbild für den 1573 gestorbenen Maljuta Skuratow zu errichten, dem skrupellosen Henker und Ober-Leibwächter von Zar Iwan IV. „dem Schrecklichen“.
Militärblogger Boris Roschin mutmaßte, die Rehabilitierung Dserschinskis sei für Putin eine „etwas persönliche Angelegenheit“, da der jetzige russische Präsident einstmals an einer KGB-Uni mit Dserschinskis Namen studiert habe.
Der ultrapatriotische Blogger Juri Barantschik hielt die viel diskutierte, aber noch nicht offiziell beschlossene Rückkehr des Denkmals [externer Link] in die Mitte Moskaus für einen „Akt historischer Gerechtigkeit und die Bestätigung eines starken, souveränen Russlands“. Ein Findling von den Solowezki-Inseln im Weißen Meer, der vor der Geheimdienstzentrale an Stalins Sonderlager erinnern soll, ist Barantschik dagegen ein Dorn im Auge: „Es ist an der Zeit, das Symbol der Spaltung und Selbsterniedrigung durch ein Symbol der Schöpfung, der Ordnung und der Stärke zu ersetzen.“

