Josef Grumser aus dem oberbayerischen Pähl hatte nichts bestellt und auch nichts unterschrieben. Trotzdem stand im Februar Anfang 2025 irgendeine Subfirma seines Stromanbieters vor der Tür, um bei ihm einen digitalen Zähler einzubauen, einen sogenannten Smart Meter. Das Digital-Kästchen war schnell montiert, die Firma wieder weg – und damit fingen die Probleme an.
Ein knappes Jahr später lag die Jahresabrechnung im Briefkasten, darin die Forderung über gut 7000 Euro nachzuzahlen. Josef Grumser war klar: Da stimmt etwas ganz und gar nicht. Er hatte das ganz Jahr über die Zählerstände notiert, wie er im Interview mit BR24 erzählt. Was der Stromanbieter von ihm wollte, lag um ein Vielfaches über seiner Rechnung.
Welle falscher Abrechnungen in Bayern
Die Geschichte aus Pähl ist kein Einzelfall. Marion Gaksch, Juristin und Referentin für Marktbeobachtung Energie bei der Verbraucherzentrale Bayern (externer Link), berichtet von schätzungsweise zwei Dutzend solcher Strom-Beschwerden, die bei ihr im Schnitt täglich landen. Es gibt im Moment ein großes Durcheinander rund um die Abrechnungen der Energieversorger. Und oft läuft es schief, nachdem die neuen Smart Meter installiert worden sind. Da in Bayern laut Gaksch erst in sehr wenigen Haushalten die modernen Zähler installiert worden sind, könnte das Chaos bald noch zunehmen, wenn der Rückstand demnächst aufgeholt werden sollte.
Zählen die Smart Meter alle falsch?
Verbraucherschützerin Gaksch erkennt das Problem nicht in den Smart Metern selbst. Sie sieht die Geräte sogar als großen Fortschritt. Kein Ablesen mehr, der Verbrauch lässt sich stundengenau einsehen, eigener Solarstrom vom Verbrauch abziehen und alles kann man sich auch auf das Handy schicken lassen. Smart Meter machen laut Gaksch die gesamte Energiewende erst möglich. Die kleinen Geräte funktionieren auch in den allermeisten Fällen tadellos. Doch was sie zählen, wird oft falsch weitergegeben – oder gar nicht.
Unzählige Firmen müssen Daten austauschen
Als Stromkunde hat man meist nur mit einem Energieanbieter zu tun, wie E.ON, Yello oder Octopus. Dahinter agieren aber noch sehr viele andere Player. In Deutschland gibt es hunderte sogenannter Verteilnetzbetreiber, die den Strom in die Haushalte leiten, bei Familie Grumser in Pähl ist es das Bayernwerk Netz. Dazu kommen Übertragungsnetzbetreiber wie 50Hertz oder TenneT, die für die Höchstspannungsleitungen zuständig sind.
Und für den Einbau von Smart Metern gibt es Messstellenbetreiber. Das können Stromanbieter oder Netzanbieter sein, oft sind es aber auch nochmal ganz andere Firmen. Jeder dieser Player operiert mit eigener Software, die erst mal nicht zu der Software passt, die bei den anderen Marktteilnehmern läuft.
Smart-Meter-Einbau verwirrt das System
Alle Daten, die im Strommarkt anfallen, fließen über ein von der Bundesnetzagentur vorgegebenes System mit dem Namen Marktkommunikation. Das kann man sich wie eine Art Daten-Plattform vorstellen, auf der die verschiedenen Software-Systeme in Einklang gebracht werden. Wenn nun ein Zählerwechsel stattfindet, muss das in dieser Plattform registriert und an alle anderen Player mitgeteilt werden – was anscheinend gar nicht so leicht ist.
Wenn der neue Zähler nur Mitternacht starten darf
Wie das Fachmagazin Heise berichtet (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt), kann das Zusammenspiel aus den unterschiedlichsten Gründen scheitern. So würden manche Netzbetreiber einen Zählerwechsel nur dann akzeptieren, wenn dieser zu Mitternacht stattgefunden habe. Jedes Unternehmen hat seine Software-Eigenheiten und herauszufinden, wo es bei einer Umstellung gerade hakt, ist Detektivarbeit.
Verbraucher werden hin- und hergeschickt
Für Josef Grumser hatte das zur Folge, dass er vom Stromanbieter zum Netzbetreiber geschickt wurde und wieder zurück. So etwas passiert laut Marion Gaksch von der Verbraucherzentrale öfter. „Da ist es oft ein Ping Pong-Spiel, da wird man dann oft verwiesen als Verbraucher.“
Bei Josef Grumser wurde die Nachzahlung nach einigem Ringen von gut 7.000 auf 1.300 nach unten korrigiert. Das sei aber immer noch zuviel. Anderen Kundinnen und Kunden empfiehlt er: genau nachrechnen und den Zählerstand mindestens einmal im Monat abfotografieren!

