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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Klimawandel-Studie: Hitzewellen künftig häufiger
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Klimawandel-Studie: Hitzewellen künftig häufiger

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 29. Juni 2026 16:47
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Weite Teile Mittel- und Nordeuropas stöhnten tagelang unter Temperaturen von 40 Grad und mehr. Meteorologisch ist so ein Heat Dome, eine Hitzeglocke, im Sommer kein neues Phänomen. Neu ist aber, wie extrem die Hitze inzwischen ausfällt. Ein internationales Team von Klimaforschenden der World Weather Attribution des Imperial College London hat berechnet, welchen Anteil der menschengemachte Klimawandel an dieser Hitzewelle hat (externer Link). Ihr Ergebnis ist eindeutig: Ohne die globale Erwärmung wären die aktuellen Extremtemperaturen in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas praktisch nicht möglich gewesen.

Inhaltsübersicht
Ohne Klimawandel: Diese Hitzewelle wäre praktisch ausgeschlossenDreitägige Hitzephase im Juni 2026: noch nie dagewesen seit 19501976 vs. 2026: Wie stark Europa in nur 50 Jahren aufgeheizt wurdeFeuchtkugel-Temperatur: Warum Hitze mit hoher Luftfeuchte tödlich werden kannHitzewellen gefährden besonders Europas verletzliche Bevölkerungsgruppen„Kaputte Schallplatte“: Warnungen vor dem Klimawandel werden missachtet

Ohne Klimawandel: Diese Hitzewelle wäre praktisch ausgeschlossen

Die Forschenden haben mit etablierten Klimamodellen simuliert, wie sich die jetzige Wetterlage in einer Welt ohne Erwärmung entwickelt hätte. Der Extremwetter-Experte Theodore Keeping betont: „Dieses Ereignis wäre im Juni ohne Klimawandel nicht passiert. Die gemessenen nächtlichen Temperaturen über drei Tage wären zu keiner Jahreszeit möglich gewesen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dreitägige maximale Tageshöchsttemperaturen dieser Größenordnung überhaupt vorkommen, hat sich durch die Erwärmung um mehr als das 500‑Fache erhöht.“ Die Analyse zeigt klar: Nicht das Hochdruckgebiet ist neu – sondern das aufgeheizte Klima, das für extreme Temperaturen sorgt.

Dreitägige Hitzephase im Juni 2026: noch nie dagewesen seit 1950

Besonders bemerkenswert: Der Juni ist historisch gar nicht der heißeste Monat in Nord-, Mittel- und Westeuropa. Trotzdem ist die aktuelle Hitzewelle dort die schwerste, die jemals in der untersuchten Region Europas registriert wurde. In vielen Hauptstädten sind es nicht nur die heißesten drei Juni-Tage, sondern die heißesten drei Tage überhaupt im gesamten Jahr, betont Keeping. Die Daten zeigen auch, dass der Monat Juni in großen Teilen Europas deutlich schneller wärmer wird als andere Monate. Tageshöchstwerte steigen dreimal schneller, nächtliche Tiefstwerte doppelt so schnell wie die globale Durchschnittstemperatur – die ihrerseits bereits um etwa 1,4 Grad gestiegen ist.

1976 vs. 2026: Wie stark Europa in nur 50 Jahren aufgeheizt wurde

Vergleiche mit früheren Hitzewellen machen die Dimension greifbar. 1976 wäre eine vergleichbare Wetterlage im Juni rund 3,5 Grad kühler gewesen. Selbst im berüchtigten Hitze-Sommer 2003 wären die Tagestemperaturen noch etwa 2 Grad niedriger ausgefallen. Nachts liegt der Unterschied heute bei bis zu 2,4 Grad gegenüber 1976. Diese zusätzlichen Grade sind entscheidend: Sie schieben Extremereignisse aus dem Bereich des Seltenen in den Bereich des Regelmäßigen. Ereignisse, die vor wenigen Jahrzehnten „praktisch unmöglich“ waren, sind heute um das 200‑ bis 500-Fache wahrscheinlicher.

Feuchtkugel-Temperatur: Warum Hitze mit hoher Luftfeuchte tödlich werden kann

Für die Gesundheit zählt nicht nur die Lufttemperatur, sondern auch die Feuchtigkeit. Die Forschenden nutzen deshalb die sogenannte Feuchtkugel-Temperatur (Wet Bulb Globe Temperature, WBGT). Sie kombiniert Wärme, Luftfeuchte und Strahlung und beschreibt, wie stark der Körper tatsächlich belastet ist. Ist die Luft sehr feucht, kann Schweiß schlechter verdunsten, der Körper überhitzt schneller – auch bei niedrigeren Lufttemperaturen. Während der aktuellen Hitzewelle wurden in rund 45 Prozent der untersuchten europäischen Städte bisherige WBGT-Rekorde gebrochen.

Hitzewellen gefährden besonders Europas verletzliche Bevölkerungsgruppen

Europa hat eine der ältesten Bevölkerungen weltweit, führt Carolina Pereira Marghidan vom Klimazentrum des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes an: „Je älter man wird, desto weniger ist der Körper fähig, mit der Hitze umzugehen.“ Besonders gefährdet seien Ältere, Menschen mit chronischen Erkrankungen, im Freien Arbeitende, Obdachlose, Touristen sowie Menschen, die sich nur eingeschränkt bewegen und ihren heißen Wohnungen nicht entfliehen könnten. Marghidan warnt: Die alternde Gesellschaft treibt die Verletzlichkeit nach oben.

„Kaputte Schallplatte“: Warnungen vor dem Klimawandel werden missachtet

Für die jetzige Hitzewelle kann das Wissenschaftlerteam noch keine Zahlen zu Todesfällen nennen. Aber für die der letzten Jahre: 2022 starben über 60.000 Menschen in Europa an extremer Hitze, 2023 gab es 47.000 Tote (externer Link). Die aktuelle Hitzewelle reiht sich in diese Entwicklung ein. Die Forschenden warnen, dass der jetzige „Extrem-Sommer“ bei ungebremsten Emissionen in Zukunft ein „durchschnittlicher Sommer“ sein wird. Sie fordern einen schnellen, konsequenten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Frustriert sagt Friederike Otto von der World Weather Attribution: „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie ich beginnen, wie eine kaputte Schallplatte zu klingen. Wir geben jedes Jahr ähnliche Aussagen heraus, jedes Jahr reagieren wir auf Hitzerekorde, die immer weiter steigen: Ja, das ist der Klimawandel. Ja, wir haben die Lösungen. Nein, wir setzen sie nicht schnell genug um.“

 

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Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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