„Im Fußball ist es genauso wie im Leben: Solange du am Ball bleibst, ist alles offen.“ Bevor es soweit kommt, dass Superstar Kylian Mbappé mit diesen goldenen Worten die Hauptfigur Anne wieder aufrichtet – Achtung, Spoiler –, muss noch eine ganze Menge passieren in diesem Fußballbuch ohne Fußball.
Eine Biographie über Fußballstar Mbappé – geschrieben von einer Ghostwriterin
„Das Buch geht tatsächlich von einer realen Situation aus. Ich bin Schriftstellerin, ich schreibe Romane, aber nebenbei arbeite ich als Ghostwriterin. Und eines Tages rief mich mein Verleger an und fragte: ‚Würdest du nicht gern eine Biografie schreiben … über Kylian?'“, erzählt Anne Akrich.
Die Autorin ist auch Ghostwriterin, ihr Name bleibt normalerweise geheim, andere schmücken sich mit ihren Texten. In diesem Fall aber sollte es anders sein – aber dieser Fall war auch speziell. Eine Biographie über den französischen Spitzenfußballer Kylian Mbappé. Das klingt nach einem sicheren Bestseller, einerseits. Andererseits hat Anne Akrich – angeblich – keine Ahnung von Fußball.
Von der Auftrags-Biographie zur Selbstbetrachtung
Auf dieser Grundlage also beginnt die Erzählerin, die ebenfalls Anne heißt und auch Ghostwriterin ist, zu recherchieren, in der Pariser Vorstadt Bondy, in der Kylian Mbappé aufwuchs; welche Anne ihrem Sohn deshalb als super Ferienziel verkauft. Die Ergebnisse sind allerdings niederschmetternd, sowohl, was die Ferienqualitäten von Bondy angeht, als auch in Bezug auf Kylian.
Die Mbappé-Biographie erweist sich als aussichtsloses Unterfangen, schlimmer, auch sonst ist Annes Leben ein Chaos. Sie braucht Geld, ihr Kind kommt zu kurz, ihre Beziehung ist am Boden. Genau genommen verwandelt sich der Text, den die Autorin Anne schreibt, in dem ja eine Autorin Anne einen Text schreibt, langsam in einen Roman. Über Anne – und Kylian. „Es wurde eine Art Autofiktion, die Geschichte einer modernen Heldin, die so banale Probleme hat wie Geldmangel und Muttersein und die versucht, mit Kylian aus der Depression herauszukommen“, erzählt Akrich.
Die perfekte Symbiose von Literatur und Fußball
„Kylian und das Buch meines Lebens“ ist ein Spiel mit Realität und Fiktion, inklusive Seitenhiebe auf den literarischen Megatrend Autofiktion, in dem immer alles selbst erlebt sein muss. Zwischen Ironie und Zähne-Zusammenbeißen, wenn die Motivationsplatitüden des Fußballsprech irgendwie auch nicht ganz falsch sind. Mit viel Sympathie fürs Stadion und null Fachsimpeln. Macht Spaß.
Und, wir ahnten es: Fußball und Literatur haben viele Gemeinsamkeiten. Beides, sagt Anne Akrich, beruht auf dem Glauben an etwas, was über uns hinausgeht, beides erfordert Disziplin, beides braucht Narrative. Aber – da sind eben auch entscheidende Unterschiede: „Beim Schreiben hat man manchmal den Eindruck, in leere Stadien zu schreien. Als Schriftstellerin ist man ziemlich allein mit sich. Da beneidet man die Fußballer schon, die so unmittelbar und intensiv Belohnung und Freude schenken.“
Anne Akrich hat Kylian Mbappé übrigens ein Exemplar ihres Romans geschickt. Seine Reaktion steht noch aus.
„Kylian und das Buch meines Lebens“ ist im Schöffling Verlag erschienen, übersetzt von Lena Riebl. Mehr von Anne Akrich und ihrem Roman gibt es in unserem Literaturpodcast Buchgefühl.

