Am Dienstagabend wird das Valeo-Forschungszentrum für Elektromotoren und E-Mobilität in Bad Neustadt im Landkreis Rhön-Grabfeld endgültig geschlossen. Schon zuvor war die Produktion von Elektromotoren mit 310 Arbeitsplätzen von dort nach Polen verlagert worden. Nun endet auch die Forschung am Standort.
Bad Neustadt: Ende eines Forschungsstandorts für E-Mobilität
Zuletzt waren im Forschungszentrum 183 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Nach Unternehmensangaben können 31 von ihnen an ein Valeo-Forschungszentrum nach Erlangen wechseln, 152 verlieren ihren Arbeitsplatz. Die meisten Kündigungen sind im Juni ausgesprochen worden und sollen zum Jahresende wirksam werden. Die Beschäftigten werden demnach bis Jahresende weiterbezahlt, auch wenn die Arbeit bereits ruht.
In Bad Neustadt soll nun eine Transfergesellschaft helfen, die betroffenen Beschäftigten weiterzubilden und sie für neue Jobs fit zu machen. Valeo verweist auf einen Interessenausgleich und einen Sozialplan, die mit den Sozialpartnern vereinbart wurden. Die Hallen werden in den kommenden Monaten nach und nach geleert, über ihre weitere Nutzung ist noch nichts entschieden.
„Modellstadt für Elektromobilität“ verliert Schlüsselunternehmen
Bad Neustadt an der Saale war 2010 von der bayerischen Staatsregierung zur „Modellstadt für Elektromobilität“ ernannt worden. Dass sich ein wichtiger Player der Branche nun aus einer Zukunftstechnologie in dieser Stadt verabschiedet, halten Betriebsrat und IG Metall für eine „verheerende Fehlentscheidung“. Die Gewerkschaft spricht von einem „Skandal“ und einem „Schlag ins Gesicht“ für die Beschäftigten, die lange um den Standort gekämpft hätten.
Valeo begründet den Schritt mit wirtschaftlichem Druck. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben seine Forschung und Entwicklung stärker am Standort Erlangen bündeln. Für die Region Rhön-Grabfeld bedeutet das einen weiteren tiefen Einschnitt im Wandel der Autoindustrie.
Ebern: Langjähriger Stellenabbau beim Autozulieferer
Auch im Valeo-Werk Ebern im Landkreis Haßberge wird der Forschungs- und Entwicklungsbereich geschlossen – allerdings schrittweise über zwei Jahre. Der Standort konzentriert sich nach Unternehmensangaben auf Forschung, Entwicklung und Produktion von Gummi- und Metallkomponenten sowie Kupplungs-, Brems- und Sonderhydraulik. Ebern war früher das eigenständige Unternehmen FTE, das vor sechs Jahren von Valeo übernommen wurde.
In Ebern sind die Zahlen des Stellenabbaus seit Jahren hoch: Von einst 1.650 Stellen sind nach Angaben der IG Metall Bamberg inzwischen fast 1.000 verloren gegangen, zuletzt seien allein in den vergangenen zwei Jahren rund 280 Jobs gestrichen worden. Bis Ende 2027 sollen nach Unternehmensangaben weitere 139 Arbeitsplätze abgebaut werden, davon wechseln 39 Forschungs- und Entwicklungsmitarbeiter nach Erlangen. Die übrigen Betroffenen sollen über Sozialplan, Freiwilligenprogramm und Transfergesellschaft aufgefangen werden.
Standortsicherung mit Lohnverzicht und Kritik der IG Metall
Der Standort Ebern bleibt laut Valeo bestehen, Test und Validierung sollen dort weiter angesiedelt bleiben. Gleichzeitig haben die Beschäftigten einem Ergänzungstarifvertrag zugestimmt: Im Durchschnitt verzichten sie auf rund acht Prozent ihres bisherigen Lohnes, im Gegenzug gibt es eine Beschäftigungssicherung – nach Gewerkschaftsangaben bis 2032, nach Unternehmensangaben mindestens bis Ende 2030.
Die IG Metall kritisiert den Kurs des Konzerns deutlich. Aus ihrer Sicht ist Ebern noch stark vom Verbrennungsmotor abhängig, während neue Produkte etwa für die Elektromobilität ausgeblieben seien. Zudem bemängelt die Gewerkschaft hohe Kostenstrukturen, interne Bürokratie und ineffiziente Abläufe bei Valeo.

