Wer durch das Benninger Ried südlich von Memmingen spaziert, hört es zuerst: das leise Plätschern kleiner Bäche, das Summen seltener Libellen. Es ist Bayerns größtes zusammenhängendes Quellgebiet mit einer Größe von gut 20 Fußballfeldern aus Moor und Feuchtwiese.
Doch was fehlt, sieht man auf den zweiten Blick: Wasser. Und das ist nicht nur ein Problem für die Natur, sondern auch für die Menschen in der Region.
Rekord-Tief beim Grundwasser
Der Grundwasserstand im Benninger Ried ist auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Messungen vor 40 Jahren gesunken. Ein intaktes Moor speichert Wasser, kühlt die Umgebung und schützt vor Extremwetter. Sinkt der Grundwasserspiegel dauerhaft, betrifft das auch die Menge an Wasser, die Landwirtschaft und Bevölkerung im Unterallgäu nutzen können. Und angesichts heißer werdender Sommer kann das auch Auswirkungen auf die Temperaturen in der gesamten Umgebung haben.
Einzigartiges Ökosystem unter Druck
Für Flora und Fauna droht durch den Wassermangel eine Katastrophe. Fast 300 Rote-Liste-Arten leben im Benninger Ried, darunter Insekten wie den kleinen Blaupfeil, gefährdete Fischarten wie die Bachforelle oder fleischfressende Pflanzen wie der Sonnentau. Claudia Eglseer von der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung von Schwaben zeigt die Situation exemplarisch an der Riednelke. Die purpur blühende Pflanze ist ein eiszeitliches Relikt und kommt weltweit nur hier vor.
„Die Riednelke ist auf diese Quellstandorte hier angewiesen und steht eigentlich von Wasser umspült im Sumpf. Das kann man leider im Moment nicht sehen“, erklärt Eglseer. Aus ihrer Sicht hat Bayern die Verantwortung für den Erhalt dieser Art.
Auch Biologe Hubert Anwander schlägt Alarm. Er arbeitet seit 30 Jahren im Ried. „So schlimm war es noch nie.“ Bleibe der Wasserstand dauerhaft so niedrig, könnten viele Arten mittel- bis langfristig verschwinden, fürchtet Anwander.
Erster Schritt: Riedbach soll verengt werden
Als Sofortmaßnahme soll der Riedbach umgestaltet werden, in dem alle Quellen des Benninger Rieds zusammenlaufen. Durch eine Verengung des Bachbetts und Bepflanzung der Ufer mit schattenspendendem Gehölz soll auch mit weniger Wasser eine ausreichende Strömung für die dort lebenden Fischarten erhalten bleiben. Anwander ist realistisch: „Wichtig ist, dass wir mal wieder Wasser reinkriegen.“
Schon einmal war das Wasser knapp
Das Ried brauchte schon einmal eine neue Versorgung mit Wasser. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben neue Häuser und ihre Fundamente den natürlichen Grundwasserzustrom in das Moor abgeschnitten. Seitdem wird das Gebiet über ein aufwendiges Leitungssystem künstlich mit Wasser versorgt. Über Drainageleitungen wird Grundwasser südlich des Rieds angezapft und in das Moor geleitet.
Doch auch über dieses System kommt kaum noch Wasser an. Die Folge: Der Pegel im Verteilerbauwerk liegt weit unter dem Normalstand. Den umliegenden Gemeinden fehlt also ein Puffer, der die Region jahrzehntelang vor Wasserknappheit geschützt hat. Das könnte in der Zukunft dafür sorgen, dass Landwirte kaum oder kein Wasser entnehmen dürfen.

