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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Merkel-Porträt: Im Sinne ihrer Kanzlerinnenschaft
Kultur

Merkel-Porträt: Im Sinne ihrer Kanzlerinnenschaft

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 1. Juli 2026 17:48
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Angela Merkel bleibt sich auch bei dem von ihr in Auftrag gegebenen Porträt in Öl für das Kanzleramt in Berlin treu: Nach langer Nachdenkpause ging erst im letzten Jahr der Auftrag an den unter 30-jährigen Jérémy Queyros. Merkel präsentiert sich besonders uneitel. Gesicht und Hände erscheinen auf dem Bild viel faltiger als bei der realen Merkel. Der superblaue Blazer ist zwar korrekt zugeknöpft, aber doch auch eher knittrig. Insgesamt wirkt die Altkanzlerin ziemlich abgekämpft, wie nach einem langen Arbeitstag.

Inhaltsübersicht
Corporate Identity bleibt erkennbarAuftragskunst für die „Kanzlergalerie“

Corporate Identity bleibt erkennbar

Aber ihre Corporate Identity bleibt gewahrt: Ein starkfarbiger Blazer, die charakteristische Udo-Walz-Frisur. In ihrem Gesicht spiegelt sich eine Mischung aus „in die Zukunft sehen“, Skepsis und Lebenserfahrung. Dass sie auf dem Bild steht, ein sogenanntes „Kniestück“, gibt Merkel Präsenz. Die linke Hand ist aufgestützt, witzigerweise so, dass man nur vier Finger sieht, wie bei einer Comicfigur. Die rechte Hand hängt herunter.

Im Hintergrund entdecken wir klassische Büroutensilien wie einen Metallwürfel, vielleicht ein Briefbeschwerer. Der Rest ist in einem unspektakulären Ocker gehalten. Da sieht man übrigens den einen oder anderen Pinselstrich, was das Gemälde als Werk der Moderne ausweist.

Auftragskunst für die „Kanzlergalerie“

Wie die meisten Gemälde der „Kanzlergalerie“ folgt Queyras‘ Merkel am ehesten einer Stilrichtung des sehr späten, fast vorsichtigen Expressionismus. Das war von Anfang an in dieser Gemäldefolge so angelegt: Von Hans-Jürgen Kallmanns greisem Adenauer über Bernhard Heisigs Helmut Schmidt bis zu Merkel gilt: moderner Pinselstrich, aber bitte immer große Wiedererkennbarkeit, keine Experimente, lieber naturalistisch-sachlich als abstrakt.

So gesehen hat Queyras einen sehr guten Job gemacht. Der Deutsch-Franzose hatte den Auftrag 2025 bekommen, nachdem er sich bereits einige Jahre zuvor schriftlich bei Merkel beworben hatte. Merkels Wahl gilt dabei als doppeltes Zeichen: einerseits für die Jugend des Malers und andererseits für die deutsch-französische Freundschaft, die ein Kern ihrer Politik gewesen ist.

Anderes hätte nicht gepasst: Oskar Kokoschkas Gemälde von Adenauer war zum Beispiel viel zu frei für das Kanzleramt, hing trotzdem aber lange in Merkels Büro. Es hat ihr also gefallen, wäre aber zu sehr aus der Reihe herausgestochen. Von Willy Brandt gab es mal ein ziemlich abstraktes Gemälde von Georg Meistermann, das dann aber zurückgezogen wurde zugunsten eines Porträts aus der Hand von Oswald Petersen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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