Sand und Erde statt zusätzlichem Löschwasser
Lindon Pronto, der viel Erfahrung mit Waldbrandbekämpfung in trockenen Gebieten Kaliforniens hat, hält nicht nur die bisherigen Methoden zur Eindämmung von Waldbränden mit viel Wasser für problematisch. Auch bei der Nachbrandbekämpfung müsse Deutschland umdenken. Dabei werden nach Abschluss der eigentlichen Löscharbeiten einzelne Glutnester unschädlich gemacht. Kokelnde Holzreste könnten beispielsweise in feuchter, sandiger oder mineralreicher Erde vergraben und dadurch erstickt werden, statt sie mit Wasser abzulöschen. Allerdings seien Feuerwehren dafür in Deutschland kaum ausgebildet, so Pronto.
Dünnere Schläuche sollen Wasser sparen
Zwar gebe es in Deutschland ein flächendeckendes Netz aus leistungsfähigen Feuerwehren, sagt Ulrich Cimolino. Oft müssten Feuerwehrleute aber in Schutzanzügen arbeiten, die eigentlich für die Brandbekämpfung in Gebäuden entwickelt wurden und die für das Arbeiten bei hohen Temperaturen im Freien völlig ungeeignet seien. Auch sollten bei den eigentlichen Löscharbeiten im Gelände zukünftig sogenannte „D-Schläuche“ eingesetzt werden. Die wassersparenden Schläuche haben einen geringeren Durchmesser und können die einzelnen Brandbereiche zielgenau bekämpfen. Der Deutsche Feuerwehrverband bemüht sich bereits jetzt intensiv um Aus- und Fortbildungen der Einsatzkräfte – auch in Sachen wasserreduzierte Brandbekämpfung.
Warum Löschflugzeuge und Hubschrauber früh starten müssen
Besonders wichtig bei der Waldbrandbekämpfung ist der möglichst frühe Einsatz von Löschhubschraubern und Flugzeugen. Sie können einen Brand rasch eindämmen, bevor er sich zu einem Großfeuer entwickelt. Doch genau hier sorgen laut Ulrich Cimolino in vielen Bundesländern umständliche und lange Anforderungswege für unnötige Verzögerungen. Auch sind Hubschrauber nicht immer gleich verfügbar und müssen vor dem Einsatz umgerüstet werden. Oft sind deshalb die extrem wichtigen Brandbekämpfer aus der Luft erst Stunden später am Einsatzort.
Der Harz setzt auf ein eigenes Löschflugzeug und Brandhemmer
Einzig der Landkreis Harz verfügt in Deutschland über ein eigenes Löschflug, das bei Bedarf sofort und ohne Anfragen und Genehmigungsverfahren starten kann. Auch mischen hier die Brandbekämpfer dem Löschwasser ein sogenanntes Retardant hinzu, einen nach Herstellerangaben biologisch abbaubaren Brandhemmer. Er bildet auch nach dem Abtrocknen des Wassers eine Art Schutzschicht, die die Ausbreitung des Feuers unterdrückt. Im trockenen Süden Europas ist der Einsatz solcher Mittel schon seit Jahrzehnten Standard. Laut Ulrich Cimolino steht eine Verwendung in Deutschland allerdings noch ganz am Anfang.

