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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Pussy Riot-Mitglied zur Mitarbeit beim FSB gezwungen
Kultur

Pussy Riot-Mitglied zur Mitarbeit beim FSB gezwungen

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 26. August 2026 17:46
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Das Pussy Riot-Mitglied Rita Flores und der FSB kennen sich schon lange. Aufgrund ihrer aufsehenerregenden Aktionen war die Kunstrebellin, die eigentlich Margarita Konowalowa heißt, schon oft verhaftet und verhört worden; mehrfach gab es Hausdurchsuchungen und Drohungen. Erst am Montag, zehn Tage, nachdem sie aus Russland geflohen war, hat Flores öffentlich gemacht, dass der russische Inlandsgeheimdienst sie schließlich zur Mitarbeit gezwungen hat.

Inhaltsübersicht
Treffen in Moskauer HinterhöfenRita Flores gelang die Flucht

In einem Gespräch mit ihrem Anwalt Dmitrij Zachwatow auf der russischen Online-Plattform Port erzählt Rita Flores einen regelrechten Krimi: „Alles lief ab wie im Kino. Wir haben uns an den Tisch gesetzt, ich durfte mich nicht bewegen, durfte nicht zur Seite gucken. Und dann haben sie mich ‚angeworben‘. Sie haben mir gedroht, sie haben sich lustig über mich gemacht und mir widerliche Sachen an den Kopf geworfen. Sie haben gedroht, meine Familie umzubringen, dass ich niemals im Leben werde beweisen können, wer meine Mutter umgebracht hat.“

Treffen in Moskauer Hinterhöfen

Auch sie selbst könne ohne Spur verschwinden, versichern ihr die Beamten. Der FSB nahm ihr alle Ausweise ab, so dass Rita Flores nicht mehr reisen konnte. Dafür bekam sie ein sogenanntes „Arbeitshandy“, auf dem der Geheimdienst mitlesen konnte. Zudem gab man ihr das operative Pseudonym „Harley“. Sie habe sich schrecklich dabei gefühlt, erzählt Flores. „Es gab in den ganzen Jahren nicht einen Tag, an dem ich mich gut gefühlt habe oder ruhig war. Ich hatte enorme Angst und Schuldgefühle.“

Rita Flores‘ sogenannter „Kurator“, der Verbindungsmann zum FSB, hieß Iwan. Sie trafen sich in Moskauer Hinterhöfen, dort, wo es keine Kameras gibt. Als erste Aufgabe sollte sie Dossiers über russische zeitgenössische Künstler anlegen. „Sie gaben mir ein großes Blatt Papier in einem Umschlag, auf dem nach dem Alphabet geordnet alle russischen Künstler aufgelistet waren. Das Schrecklichste war, dass ich die meisten von ihnen kannte. Es war furchtbar sie auf dieser Liste zu sehen. Meine Aufgabe war es, über jeden Künstler ein Dossier anzulegen. Ich sollte mich auf ihre Schwachpunkte konzentrieren, auf ihre Liebesbeziehungen, auf ihre Angewohnheiten, mit denen man sie erpressen kann, etwa Drogen, aber ich sollte auch herausfinden, wer Depressionen hat.“

Das russische Regime fürchtet zeitgenössische Künstler, denn sie können den diktatorischen Alltag mit ihren Aktionen stören. Mutig fordern sie die Macht heraus wie etwa der Aktionskünstler Pavel Krisewitsch, der 2021 seinen Selbstmord auf dem Roten Platz vortäuschte. Er schoss zunächst in die Luft, dann hielt er die Pistole an seinen Kopf und drückte ab. Es sei ihm darum gegangen, die Angst zu töten, erklärte Pavel Krisewitsch. Drei Jahre kam er dafür ins Gefängnis. Nach seiner Freilassung Anfang 2025 setzte der FSB Rita Flores auf ihn an. Auch Pussy Riot Gründerin Maria Aljochina sollte sie ausspionieren.

Rita Flores gelang die Flucht

„Dann gaben sie mir die radikalste Aufgabe, die es überhaupt gibt: Petr Wersilow zu töten.“ Petr Wersilow ist Gründer der Künstlergruppe „Woina“, Mitbegründer von Pussy Riot und einer der schillerndsten russischen Aktionskünstler. Er kämpft in der ukrainischen Armee gegen die russische Invasion. Mit Rita Flores ist er eng verbandelt. „Ich sollte ihn zu einer Reise nach Serbien verführen. Dort sollte ich mich in ein Café setzen, das vollbesetzt sein sollte mit russischen Geheimdienstagenten und Banditen. Sie sollten Petr Wersilow folgen, wenn er zur Toilette geht. Ich wiederum sollte das Café dann verlassen.“

Rita Flores hat sich in dieser Situation an den im Westen lebenden Menschenrechtsanwalt Dmitrij Sachwatow gewandt. Er half ihr, ihren „Kurator“ zu überzeugen, mit der Serbien-Aktion noch zu warten und erarbeitete mit ihr einen erfolgreichen Fluchtplan. Vor 12 Tagen konnte die Kunstaktivistin Russland verlassen. Mit der Wahrheit will sie sich jetzt aus den Fängen des FSB befreien. Zudem soll ihre Enttarnung, so Rita Flores, andere dazu ermuntern, auch ihre erzwungene Mitarbeit mit dem FSB offenzulegen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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