Unregelmäßige Blutungen, ständige Schmerzen, Ausbleiben der Periode oder Kinderwunsch: Wer mehr dazu wissen wollte, musste sich früher lange einlesen oder auf einen Termin beim Frauenarzt warten. Jetzt gibt es KI-Chatbots, die man eigentlich alles fragen kann – und auf jede Frage bekommt man im Handumdrehen eine Antwort. Aber: Eine KI ist eine KI. Und die ist nur so gut wie die Daten, aus denen sie gelernt hat.
Frauengesundheit war in der Forschung lange unterrepräsentiert. Zum Beispiel weist die WHO darauf hin (externer Link), dass Mädchen und Frauen in vielen Bereichen der Gesundheitsforschung nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Das führt bis heute zu Lücken.
Falsche Antworten können sehr plausibel klingen
Wie zuverlässig Chatbots bei gynäkologischen Fragen sind, haben mehrere Studien untersucht. Eine Untersuchung von ChatGPT-4 in der Reproduktionsmedizin (externer Link) zeigt ein gemischtes Ergebnis. Die KI zeigt einerseits umfangreiches Wissen, erreicht bei einem Multiple-Choice-Test aber nur eine Trefferquote von 63 Prozent. Außerdem hatte ChatGPT Schwierigkeiten mit medizinischen Leitlinien.
Problematisch wird es, wenn die KI eine plausibel klingende Antwort gibt, die aber grundlegend falsch ist. In einer Studie zu Fruchtbarkeit (externer Link) sind die Antworten mehrerer Chatbots verständlich und übereinstimmend, wenn es eher generell um Menstruation und Empfängnis geht. Bei komplexen oder kontextabhängigen Fragen gibt es allerdings große Schwächen – also gerade dort, wo Frauen keine allgemeine Information, sondern individuelle medizinische Einschätzung brauchen.
KI ersetzt keinesfalls Frauenarzt
Ein Chatbot kann erklären und veranschaulichen, was hinter Regelschmerzen, einer verspäteten Periode oder unregelmäßigen Blutungen stecken könnte – allerdings sehr generell und nicht auf die einzelne Frau bezogen. Das ist besonders in Fällen problematisch, in denen es um ein medizinisches Problem geht.
Eine KI kennt die Vorgeschichte, den Körper und den Verlauf nicht so, wie eine Ärztin oder ein Arzt. Gerade bei Symptomen, die unterschiedliche Ursachen haben können, besteht Gefahr. Zum Beispiel könnte der Chatbot an falschen Stellen einer Nutzerin Entwarnung geben, obwohl sie dringend zum Arzt gehen sollte.
Zyklus tracken: okay – Diagnose einholen: nein
Als digitales Tagebuch für den Zyklus, kann KI durchaus nützlich sein. Periodenbeginn, Dauer, Schmerzen und Symptome lassen sich über Monate einfach dokumentieren. Die KI kann dabei helfen, Muster zu erkennen und Informationen für den nächsten Frauenarztbesuch zu sammeln.
Was die KI nicht kann: eine zuverlässige Diagnose stellen. Unregelmäßige Zyklen können viele Ursachen haben. Bei Erkrankungen wie PCOS oder Endometriose reichen die Antworten einer KI nicht aus.
Auch zur sicheren Verhütung oder zur exakten Bestimmung des Eisprungs sollte sich niemand auf einen Algorithmus verlassen. Die Risiken zeigt eine aktuelle Analyse zu algorithmischen Zyklus- und Fruchtbarkeitstrackern (externer Link): Ergebnisse der KI können falsch, schwer nachvollziehbar sein, bestimmte Gruppen benachteiligen und Nutzerinnen zu falschen Entscheidungen verleiten.
Vorsicht bei sensiblen Zyklusdaten
Zwar kann es sehr bequem sein, mit Hilfe eines Chatbots seinen Zyklus zu tracken oder Symptome einordnen zu lassen. Aber Vorsicht: Blutungen, Schmerzen, Sexualverhalten, Schwangerschaft oder Kinderwunsch gehören zu intimen und sensiblen Gesundheitsdaten. Bevor man die KI dazu befragt, sollte man sich darüber klar sein, welche Daten gespeichert werden, ob sie an Dritte weitergegeben werden und ob sich das eigene Profil vollständig löschen lässt.

