Es hätte ein Mega-Event werden sollen: die Werkschau des Modedesigners John Galliano im Metropolitan Museum of Art, kurz Met, in New York 2027 – plus die legendäre Met-Gala, die ihm auch gewidmet werden sollte. In einer gemeinsamen Erklärung haben das Museum und der Designer nun aber das Aus verkündet.
Offenbar hatte es erhebliche Widerstände gegen die Würdigung des britischen Designers gegeben. Der Grund: Er ist rechtskräftig wegen antisemitischer Äußerungen verurteilt worden. Trotzdem bringt der spanische Modekonzern Zara noch im September eine Galliano-Kollektion heraus, wie das Unternehmen dem BR schriftlich bestätigte.
Was sind die Vorwürfe gegen Galliano?
2011 hat Galliano – nach eigener Aussage völlig zugedröhnt – in einer Pariser Bar antisemitische und rassistische Sätze von sich gegeben. In Frankreich wurde er daraufhin wegen eines „Hassverbrechens“ angeklagt und schuldig gesprochen. Die rassistischen Aussagen bestreitet Galliano nicht, dafür hat er sich entschuldigt, einen Entzug in der Schweiz gemacht und sich auch mehrfach mit einem Rabbi getroffen.
Bis dahin war Galliano erst ein gefeiertes Wunderkind und dann ein Star der Modebranche gewesen. Dann der heftige Absturz: Dior trennte sich umgehend von seinem Chefdesigner. Seine Karriere schien beendet. Doch drei Jahre später stellte ihn der Diesel-Konzern an, zu dem auch einige Haute Couture Label gehören, um das Maison Margiela zu übernehmen. Das hatte nach dem Weggang seines Gründers Martin Margiela im Dornröschenschlaf gedämmert. Galliano belebte es mit viel Glamour und klugen Rückbezügen auf den Gründer. 2024 wurde die Zusammenarbeit beendet, seither ist es relativ ruhig um den Designer gewesen.
Was ist Beziehung zwischen Anna Wintour und Galliano?
Anna Wintour, die ehemalige Chefredakteurin der US-Ausgabe der Vogue, hat Galliano von Anfang an gefördert. In der Doku-Serie „In Vogue: The 90s“ erzählt Galliano, dass die Zeitschrift ihm als absoluten Newcomer gleich mehrere Seiten gewidmet hat. Das habe ihm wahnsinnig geholfen, deswegen wurde er erst bei Givenchy und dann später bei Dior Chefdesigner. Tatsächlich war die Vogue in den 90ern die wichtigste Modezeitschrift und die USA der wichtigste Absatzmarkt für Mode.
Wintour hielt auch nach dem Skandal zu Galliano. So durfte er 2013 nach dem Rauswurf bei Dior in der Vogue eine Modestrecke mit Kate Moss inszenieren. Und jetzt, 15 Jahre nach dem Skandal, wollte Wintour Galliano wieder ganz groß machen. Mit der Retrospektive, der Met-Gala und der Zara-Kollektion.
Hätte Galliano eine Retrospektive verdient?
Gallianos Rang als herausragender Designer ist unbestritten. Trotzdem gab es offenbar heftigen Widerstand gegen die Ausrichtung der Galliano-Ausstellung, wie die New York Times berichtete [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]. Dazu gehörten neben Vertretern der jüdischen Gemeinde und Politikern auch Sponsoren des Museums. Die tragen mit über 150 Millionen Dollar jährlich wesentlich zu den Einnahmen des Museums bei.
Offenbar war der Druck am Ende so groß, dass Museum und Designer in einer gemeinsamen Erklärung die Ausstellung absagten. In einem Instagram-Post zeigte sich Galliano reumütig: Er übernehme „die volle Verantwortung für den Schmerz, den meine Worte in der Vergangenheit ausgelöst haben, insbesondere für das Leid, das ich den jüdischen und asiatischen Gemeinschaften zugefügt habe.“
Das Ende von Anna Wintour?
In den USA vermutet etwa das Branchenblatt The Hollywood Reporter [externer Link], wegen des Skandals könnte das die letzte von Anna Wintour geleitete Met-Gala sein. Schon vor einem Jahr hatte sie den Chefredakteurin-Posten bei der Vogue abgeben müssen. Und ob die Kollektion für Zara ein Erfolg werden wird, steht in den Sternen. Große Aufmerksamkeit ist gewiss – nur wird sie sich nicht auf die Mode, sondern auf die Person Galliano richten.

